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Von Winter kann mal wieder so gar nicht die Rede sein. Der Blick nach draußen baut wirklich nicht auf – grau ist es und nass! Um so mehr genoss ich gerade die Berichte von Angelika mit vielen wunderschönen Fotos ihrer Schneeschuhtouren. Ja, und ein wenig neidisch war ich auch, sind doch die eher schneesicheren Gegenden im Schwarzwald für uns als Tagestour kaum erreichbar.

Auf eine Tour hatte ich es in diesem Jahr dennoch schon gebracht. Es war ein kurzer Wintereinbruch Ende Januar, der sogar Wolfschlugen ein wenig Schnee bescherte. Ich wusste, am Wochenende würde es vorbei sein und wollte so gern eine kurze Tour auf der Schwäbischen Alb wagen. Aber ein wenig Bammel hatte ich doch – nachdem ich fast ein Jahr nicht groß gewandert war und mich nicht so besonders stark fühlte. Auch da gab mir Angelika den entscheidenden Tritt in den Popo: Nicht so viel denken – machen! sagte sie. Genau!!

Bei gpsies.com fand ich eine Winterwanderung bei Donnstetten, die ich mir abgekürzt vornahm. Ich plante eine Runde vom Skilift Donnstetten über den Römerstein und über die Felder zurück, ca. 5 km, das wird zu schaffen sein, dachte ich. Donnstetten liegt erfreulicherweise hoch genug, ca. 800 m, so dass ich für die Schneeschuhe dann auch ausreichend Schnee vorfand.

Ich parkte am Skilift Donnstetten, schnallte die Schneeschuhe an und mummelte mich ein, denn es war mit -6°C und kräftigem Wind gefühlt bitterkalt. Dann stapfte ich den Hang hoch. Donnstetten lag noch im Dunst, und obwohl die Sonne es immer wieder versuchte, hatte sie gegen den tief hängenden Nebel fast den ganzen Tag keine Chance.

Blick auf Donnstetten

Auf dem Weg war der Schnee zwar festgefahren bzw. für die Wanderer geräumt, aber ich konnte gut neben dem Weg durch tiefen Schnee laufen. Ich hatte ganz schön zu kämpfen und bekam mal wieder zu spüren, wie anstrengend es ist, mit Schneeschuhen zu laufen. Grund genug, immer wieder stehen zu bleiben und die gedämpfte Winterstimmung aufzunehmen.

Verschneiter Wald

Vereiste Bäume

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Der „Aufstieg“ war endlich geschafft, und nach einem Stück durch den Wald stand ich vor eine Weide, wo diese zotteligen Wesen wohl versuchten, ein paar Grashalme unter dem Schnee hervor zu graben.

Weide

Weide

Ich folgte der Beschilderung Richtung Römerstein und hatte wieder ein Stück Wald vor mir. Hier pfiff der Wind wenigstens nicht so sehr.

Im Wald

Im Winter sieht man so deutlich wie sonst nie, dass man nicht allein ist in der Natur. Überall entdeckte ich zwischen den Bäumen tierische Spuren im Schnee.

Und immer wieder legte ich Pausen ein, bewunderte die verschneite stille Natur, und natürlich musste auch das eine und andere Foto gleich versendet werden, wobei ich mir alle Mühe gab, nicht allzu angestrengt und erschöpft rüber zu kommen.  😀

Da bin ich!

SteigbügelEin weiterer knackiger, aber kurzer Anstieg folgte, auf dem ich meine Steigbügel testen konnte. Sie sind tatsächlich eine Erleichterung, wenn es nach oben geht.

Schließlich erreichte ich Römerstein mit seinem Aussichtsturm. Der Rast- und Grillplatz lag still, verschneit und verlassen da. Ich stellte mir vor, wie hier im Sommer Familien mit Kindern und Hunden für Leben sorgen… aber ehrlich gesagt, war es mir so gerade lieber.   🙂

Ich ließ mich auf einer bereits frei geräumten Bank nieder und kümmerte mich erst einmal um meinen leeren Magen.

Nachdem Vesperbüchse und Teekanne fast leer und meine Finger fast erfroren waren, packte ich zusammen, um mich beim Laufen wieder aufzuwärmen. Noch ein Blick zurück auf den verschlafenen Aussichtsturm:

Aussichtsturm Römerstein

Nun kam mir endlich mal jemand entgegen – ein Pärchen, das mich mit Blick auf meine Schneeschuhe freundlich lachend grüßte. Ein Stück durch den Wald, dann traf ich auf die Landstraße zwischen Donnstetten und Römerstein, die ich überqueren musste. Ich schnallte die Schneeschuhe ab und auf der anderen Seite wieder an und stand vor einer größeren freien Fläche – immer noch im Dunst, denn die Sonne hatte es immer noch nicht geschafft, sich durchzusetzen.

Weite Fläche

Ein schöner Blick trotzdem. Weit hinten sah ich ein paar Spaziergänger. Plötzlich bekam ich heftiges Herzrasen, meine Beine und Arme wurden mächtig schwer. Puh… das war genau das, was ich etwas befürchtet hatte. Kein Mensch in der Nähe, nicht mal ein Platz zum Setzen. Ich versuchte, gleichmäßig zu atmen und langsam weiterzulaufen. War es die ungewohnte Anstrengung? Die Höhe? Ich hatte noch gut 3 km vor mir und fand auch keine Abkürzung. Langsam lief ich über die Freifläche, und an deren Ende beruhigte sich mein Motor und lief wieder normal.

Den letzten Teil lief ich gaaanz gemütlich, mit vielen Pausen. Hier waren nun doch immer mehr Skifahrer auf den Pisten unterwegs, während ich niemanden traf, der wie ich auf Schneeschuhen lief. Natürlich gab ich mir Mühe, die Pisten nicht zu zerstören und lief neben dem Weg, was wieder bedeutete, durch tiefen Schnee zu stapfen.

Skipisten

Allmählich wurde es nun auch ein wenig heller, und man konnte endlich wenigstens ahnen, wo genau sich die Sonne befindet.

Die Sonne kämpft sich durch

Nach einem letzten Anstieg über die Felder – immer schön im tiefen Schnee, mit vielen Pausen neben dem geräumten Feldweg entlang – wurde ich dann auch mit richtigem Sonnenschein und blauem Himmel belohnt…

Die Sonne hat es geschafft

… und als ich schließlich vor mir Donnstetten erblickte, konnte ich sogar meinen eigenen Schatten mit aufnehmen.

Donnstetten

Die Tour wurde doch etwas länger, als ich dachte, doch ich war mords stolz auf mich, dass ich es nach 1 Jahr Wanderabstinenz geschafft hatte! Nun spürte ich einmal wieder Muskeln und Knochen, die sich sonst unauffällig verhalten, schön war das. Ich freute mich auf meine heiße Badewanne und eine dicke Pizza – oder besser 2 bis 3… ok, es wurde nur eine!   😀

Mein Track:


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Ziemlich spät entschieden wir uns, den Jahreswechsel nicht zu Hause, sondern in einer ruhigen stillen und waldreichen Gegend zu verbringen. Wir begaben uns auf Suche nach einer Ferienwohnung, doch natürlich war beinahe alles, was schön und gleichzeitig bezahlbar war, bereits ausgebucht. Nach einiger Suche fanden wir auf irgendeinem Portal dann doch noch etwas. Wieder einmal – zum 3. Mal 2015, verschlug es uns in den Südschwarzwald. Dieses Mal war die Buchung jedoch beinahe wie der Kauf der Katze im Sack, denn es gab keine Fotos im Internet. Mit einem etwas ungewissen Gefühl reisten wir also an – und wurden besonders angenehm überrascht.

Unsere Unterkunft

Unsere Ferienwohnung befand sich im „Haus Rosi“, dem Haus von Rosi und Bruno Tritschler in St. Wilhelm, gelegen im St. Wilhelmer Tal.

Haus Rosi

St. Wilhelm ist ein kleiner Weiher, der irgendwann nach Oberried eingemeindet wurde – Oberried im Dreisamtal, einem der wohl schönsten und beliebtesten Täler im Südschwarzwald. Still und verschlafen zieht sich eine Straße mit ein paar Häusern entlang eines Wildbaches – dem Wilhelmer Talbach.

St. Wilhelm

Empfangen wurden wir von der warmherzigen Gastgeberin Rosi, die uns als erstes in ihr gemütliches Wohnzimmer in der oberen Etage einlud, uns einen Platz auf der Bank ihres Holzofens herrichtete und mit Kaffee und Weihnachtsgebäck verwöhnte. Dann zeigte sie uns die Ferienwohnung – und Erleichterung – auch hier hatten wir es bestens getroffen – gemütlich, mit viel Holz eingerichtete Zimmer, Küche mit Sitzecke, angenehmes Bad – alles da, was man braucht zum Wohlfühlen. Zur Wohnung gehört außerdem ein großer Balkon, den wir natürlich im Dezember nicht groß nutzen konnten. Hier der Blick auf die kleine St. Wilhelminer Kapelle, dahinter der Schauinsland, der 1284 m hohe Hausberg von Freiburg.

Blick vom Balkon auf die kleine Kapelle

Blick auf den Bach und Wald

Wir hatten es wieder total gut getroffen – umgeben von Wald und – absoluter Stille. Nur der Bach rauschte, nein – krachte! lautstark am Balkon und Schlafzimmer vorbei, das war schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber ungleich angenehmer als die Esslinger Straße in Wolfschlugen! Ein erholsamer Urlaub konnte beginnen, und ich kann nur sagen, ich habe dort geschlafen wie ein Murmeltier.

 

Umgebung

Wir wohnten im St. Wilhelmer Tal auf ca. 725 m Höhe. Die Gegend ist ideal für einen vielseitigen Urlaub im Südschwarzwald. Das Dreisamtal ist bekannt für sein gutes Schonklima und eine besonders reine Luft. Es gibt Wanderwege ohne Ende, zahlreiche Hütten, Gasthäuser und überall nette Cafés in hübschen Ortschaften, gute Einkaufsmöglichkeiten und Museen. Wir waren sehr oft in Kirchzarten, einem richtig netten und angenehmen Ort, außerdem in St. Märgen und kurz in weiteren Orten, die ich mir gar nicht alle gemerkt habe.

Die höchsten Schwarzwaldberge – Feldberg, Belchen, Schauinsland sind gut erreichbar. Bis Freiburg ist es eine halbe Stunde Fahrt (auf die wir jedoch dieses Mal keine Lust hatten). Das wichtigste Kriterium für uns war wie immer – Natur, Wald, Wandern, und diesbezüglich bleiben hier keine Wünsche offen. Natürlich wollten wir um diese Jahreszeit eher Winterwandern bzw. Schneeschuhlaufen. Daraus wurde leider nichts. Wintersport musste bisher ausfallen.

Im Ganzen hatten wir 3 trockene Tage. Einem solchen, noch im alten Jahr, nutzten wir, um die nähere Umgebung zu erkunden.

Wanderrunde bei St. Wilhelm – klein, aber oho!

Im Haus lag ein Faltblatt mit ein paar Wandervorschlägen ab St. Wilhelm, erhältlich in der Touristeninformation. Außerdem eine Wanderkarte. Wir suchten uns eine kleinere Runde aus, denn wir schliefen ziemlich lang und kamen immer erst spät aus dem Haus.

Es waren insgesamt nur ca. 5,5 km, aaaaaber – 300 Höhenmeter nach oben (und dann natürlich wieder abwärts). Das war schon eine kleine Provokation für meine asthmatischen Lungen und aus der Übung geratenen Waden. Dank Asthmaspray und in besonders gemächlichem Tempo habe ich es dann aber gut geschafft und sehr genossen. Da Thomas immer wieder mal stehen blieb, um mit seiner neuen Kamera Fotos zu schießen, tat ich dies ebenfalls, um ausruhen.

Hier ein paar Eindrücke:

Zunächst liefen wir zu der kleinen schmucken St. Wilhelmer Kapelle „Maria Königin“, die wir von unserem Balkon aus schon entdeckt hatten und schauten sie uns ausgiebig – von außen und innen – an. Ich mag solche kleinen schlichten friedlichen Kapellen.

Kapelle St. Wilhelm

Dann liefen wir durch den Ort, an der Schule und dieser Hütte vorbei…

Hütte am Ortsrand

Toilettenhäuschen

 

… wo menschliche Bedürfnisse. einschließlich Hygiene offensichtlich noch auf recht natürliche Art und Weise  erledigt werden…

 

…und dann ging es auf einem herrlich sonnigen und wärmenden Weg, jedoch stramm bergan.Es geht nach oben!

Bald hatten wir eine wunderbare Aussicht ins St. Wilhelmer Tal und auf die Berge ringsum.

Blick ins St. Wilhelmer Tal

Je höher wir kamen, um so wärmer wurde es, während es unten, im Tal den ganzen Tag ziemlich schattig und kühl bleibt um diese Jahreszeit (Im Sommer ist das Tal jedoch sonnig bis zum Abend, wie uns Rosi versicherte). Wir suchten uns einen sonnigen Platz mit Aussicht ins Tal und legten erst einmal eine ausgedehnte Mittagspause ein.

Mittagspause

Hier kann man es aushalten!

Mittagspause mit Aussicht

Luchsfelsen?

 

Eigentlich sollten wir nun an einem ausgeschilderten „Kleinen Luchsfelsen“ vorbei wandern, waren uns aber nicht sicher, ob wir ihn hier entdeckt hatten. Ein weiteres Hinweisschild hatten wir nicht gefunden. Vielleicht ist dies ja der Luchsfelsen, den ich hier fotografiert hatte?

Mmmmm….

 

Gemütlich stapften wir weiter nach oben…

Felsen

… blieben aber immer wieder stehen, um Steinchen, Hölzchen und Rindenstücke vom Boden aufzuheben und ausgiebig von allen Seiten zu betrachten, um uns gegenseitig Blümchen zu zeigen, einen Ameisenhaufen oder einen besonders schön gewachsenen Baum.

Die Sonne zauberte eine wunderschöne Stimmung aus Licht und Schatten hinter den Felsen und zwischen den Bäumen hervor.

Licht und Schatten

Und immer wieder hatten wir einen schönen Blick in die Berglandschaft.

Schöne Aussicht

Als wir – unserer Meinung nach – lang genug aufwärts gewandert waren, suchten wir einen Weg, der uns wieder nach unten bringen könnte. Wir fanden einen schmalen Waldweg, der links abging und nach unten führte. Klasse! Bisher waren wir auf einem breiteren Forstweg unterwegs gewesen, aber so ein schmaler weicher Waldpfad erfreut die Füße natürlich schon eher.

Schmaler Waldweg

Das Gelände wurde immer steiler, felsiger, uriger, der Weg immer schmaler.

Felsiges Gelände

Wildes Gelände

Ab und zu waren größere Steine oder Äste zu überklettern. Hier wird die Natur offensichtlich wieder sich selbst überlassen. Was wir sehr begrüßen. Es macht einfach Spaß, durch solch eine wilde urige Waldgegend zu laufen.

Stamm

… wenn man denn laufen kann. Denn schließlich versperrten uns dann doch etwas höhere Berge von Stämmen und Ästen den Weg. Dies waren jedoch keine Zeichen von Wildnis, sondern Spuren von Abholzung. Es gab kein Zurück, wir mussten klettern. Später nochmals, als nicht einmal mehr der Weg zu erkennen war, kletterten wir einen steilen Hang nach oben.

Klettern

Das war alles halb so schlimm. Wir stießen schließlich wieder auf den Forstweg, den wir hinauf gekommen waren und wanderten zurück ins Tal. Wo es sich inzwischen merklich abgekühlt hatte.

Hier der Track:

Der Schauinsland

Der Schauinsland, wie oben bereits erwähnt, ist der 1284 m hohe Hausberg von Freiburg, den wir vom Balkon unserer Ferienwohnung aus sahen. Nach einem total verregneten und grauen Silvestertag begrüßte uns das neue Jahr mit viel Sonne. Das mussten wir nutzen. Wir fuhren die Straße Richtung Schauinsland hoch und stellten das Auto oben auf einem der letzten Parkplätze ab… wo wir natürlich nicht die einzigen Besucher waren. Wir liefen den ausgeschilderten Rundweg, hatten herrliche Sichten auf Wolken und bis zu den Alpen – und dann auch etwas mehr Ruhe auf den Wegen.

Hier der Blick ins Tal und zum Feldberg:

Blick zum Feldberg

Auf der anderen Seite, von der Bergstation aus blickten wir dagegen von oben auf die Wolken:

Aussichtsturm

 

Es gibt hier auch einen Aussichtsturm, doch auf ihm, wie auf dem Plateau war es uns zu voll. Auf den Turmtreppen selbst erkannten wir von unten einen menschlichen Stau, so dass wir auf die Besteigung verzichteten.

 

 

In einiger Entfernung vom Turm war es wieder ruhiger – und sonniger. Gegenüber der Feldberg. Am Weg waren verschiedenen Holz- und andere Kunstfiguren ausgestellt.

Blick zum Feldberg

Schneeee!!

 

Und schließlich entdeckten wir sogar eine bescheidene Fläche Schnee… leider zu wenig zum Schneeschuhlaufen…

Kalt war es aber schon…

 

Auf dem Weg zurück hatten wir eine herrliche Sicht bis zu den Schweizer Alpen…

Blick zu den Alpen

Als wir gegen 16:30 Uhr wieder an der Bergstation ankamen, hatte sich dort eine lange lange Schlange gebildet, denn 17 Uhr fährt die letzte Bahn ins Tal. Wir waren froh, dass wir das Auto genommen hatten.

Schauinsland-Bergbahn: www.schauinslandbahn.de

Schauinsland Museums-Bergwerk: www.schauinsland.de

Dies war denn auch der letzte wettermäßig einigermaßen angenehme Tag. Die restlichen Regentage verliefen sehr sehr gemütlich. Wir verbrachten sie in netten Cafés und Bücherstuben.

Lesen und Essen

Als erstes statteten wir der Kirchzartener Bücherstube einen Besuch ab, wo ich mich mit Lesefutter eindeckte. Ich war erfreut, einen so schönen Buchladen entdeckt zu haben und fand genügend Lesestoff… für kurze Zeit.

In der Bücherstube fragten wir nach einem netten Café und bekamen einen Goldtipp: Das Solarcafé Kirchzarten.

Solarcafé

Hier waren wir ab nun mehrmals, um eine leckere Suppe zu essen, einen besonders guten Tee zu trinken und dabei in unseren Büchern zu schmökern. Wunderbares gemütliches Ambiente, noch urig-liebevoll weihnachtlich dekoriert, feine kleine Speisen und frische Salate und ausgesprochen freundliche herzliche Bedienung. Ganz besondere Teesorten im großen Glaskännchen. Thomas hat auch den Kaiserschmarrn probiert und war zufrieden. 

Erwähnen möchte ich auch das Café direkt gegenüber, Kaisers Gute Backstube. Hier gab es ebenfalls eine leckere heiße Suppe und belegte Brötchen, sehr gemütlich. Als ich versehentlich mein Teeglas umstieß, kam die nette Verkäuferin sofort mit einem Lappen. Ich bekam kostenlos einen neuen Tee, und schließlich brachte sie mir als Trostpflästerchen eine Tüte Bärentatzen. Ich war sprachlos über so viel fürsorgliche Freundlichkeit, fand ich total lieb. 

Unseren Vermieter befragte ich nach einem Tipp für Regenwetter. Er empfahl mir die Rainhof Scheune in Kirchzarten, eine ganz besondere Bücherstube.

Rainhof Scheune

Scheune

Im urigen Ambiente kann man nach Herzenslust Bücher suchen und lesen, dazu bekamen wir einen Kaffee serviert. Nebenan gibt es einen Blumenladen und einen für Dekoartikel und Holzkunst. Im anderen Teil der Scheune befindet sich Gastronomie, diese haben wir jedoch nicht probiert. Etwas ganz besonderes! Und natürlich haben wir die Scheune mit vollen Tüten verlassen. Und mit einem weiteren guten Tipp:

 

Das Hotel Halde auf dem Schauinsland. Hier gäbe es ein richtig nettes Café mit Kamin und feinem Kuchen. Am späten Nachmittag fuhren wir hoch. Der Schauinsland war bereits eingeschneit. Wintersportler sahen wir jedoch noch keine…

Winter auf dem Schauinsland

Das Café war tatsächlich eine feine Entdeckung, der Kamin verbreitete eine behagliche Atmosphäre, der Kuchen war besonders lecker, und der Blick auf die Winterlandschaft machte Lust auf Schnee. Sehr gemütlich! Es war bereits dunkel, als wir wieder nach unten fuhren.

Halde

An einem der Abende kehrten wir ins Gasthaus Zur Linde, genannt „Napf“ ein, bei uns im Wilhelmer Tal. Eigens für uns Vegetarier wurden ein paar deftige Bratkartoffeln mit Spiegeleiern zubereitet. Dazu ein frischer Feldsalat. Geschmacklich ok, mir war es jedoch zu scharf angebraten und zu fettig, und ich hatte danach heftige Beschwerden. Es ist sicher schwer, im Schwarzwald ein gutes leichtes vegetarisches Gericht zu finden.

Am nächsten, unserem vorletzten Tag, brach auch im Wilhelmer Tal der Winter aus. In kurzer Zeit war das Tal mit einer weißen Schicht überzogen. Es blieb nicht lange liegen. Wir fuhren einen Tag später hoch zum Schauinsland, wo es immer noch schneite, mussten jedoch auf halber Strecke umkehren. Es war matschig und glatt auf den Straßen, wir kamen nicht hoch und nur mit Herzklopfen wieder nach unten. Also verbrachten wir unseren letzten Tag im verregneten Kirchzarten – im Solarcafé. Schön war es!


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Liebe Leser, liebe Familie, liebe Freunde,

Weihnachtsbaum

 

es ist wieder soweit, es ist Weihnachten, und das Jahr geht zu Ende. Ich wünsche euch allen und euren Lieben von Herzen frohe und friedliche Tage zum Jahresausklang! Möge im Neuen Jahr alles in Erfüllung gehen, was ihr euch wünscht und wovon ihr träumt!

 

Ich wünsche euch (und mir selbst!) von Herzen Gesundheit, viele frohe Tage und dass die weniger frohen immer wieder vergehen.

 

 

 

Ich selbst hoffe und wünsche mir sehr, dass ich im nächsten Jahr diesen Blog wieder mit mehr Wanderberichten füllen kann. Bis dahin ist mir die Musik eine große Freude, und ich habe mich besonders darüber gefreut, dass Thomas mit mir gemeinsam ein Weihnachtslied eingeübt hat! Er auf der Tin Whistle, ich auf der Harfe. Das hat uns großen Spaß gemacht.

Hier ist unser Weihnachtsgruß an alle, die wir kennen, das schöne Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“:

(Funktioniert leider nicht im Firefox. Bitte öffne einen anderen Browser)

 

Kommt gut ins Neue Jahr!

Liebe Grüße

von Katrin


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Wenn in den letzten Monaten in meinem Blog kaum neue Wanderberichte erschienen sind, lag bzw. liegt das vor allem daran, dass ich aus gesundheitlichen Gründen kaum wandern konnte/kann. Glücklicherweise gehöre ich jedoch zu den Menschen, die, wenn eines nicht geht, immer wieder etwas neues entdecken und probieren. Und so habe ich für mich eine neue Leidenschaft entdeckt: Die Musik. Ich lerne gerade ein neues Instrument.

Aber eigentlich muss ich sagen, es ist eine alte Leidenschaft, die ich gerade wieder neu entdecke. Denn in meiner Kindheit und Jugend habe ich viele Jahre Geige gespielt, so richtig mit Unterricht in der Musikschule, Gehörbildung, Musiktheorie, Orchesterproben und Auftritten. Mit Anfang 20 war dann Schluss. Es folgten immer mal wieder Versuche mit anderen Instrumenten – Gitarre, Blockflöte, mal kurz Tin Whistle, längere Zeit afrikanische Djembe…

Im Sommer, als ich müde, kraft- und mutlos zu Hause herum hing, erinnerte ich mich an eine Musiktherapie, in der ich vor ein paar Jahren die Leier kennengelernt hatte. Immer wieder hatte ich daran gedacht, was für ein schönes Instrument das ist, das ich gern noch einmal probieren würde. Kurz entschlossen mietete ich eine Leier, besorgte mir ein Buch zum Selbstlernen und legte los. Rasch lernte ich 2 Liedchen. Genauso rasch stieß ich an meine Grenzen, mir so selbst überlassen. Eine(n) Lehrer(in) fand ich leider nicht in der Nähe.

Da gab mir Thomas den entscheidenden Tipp: Versuch es doch mal mit Harfe!

Harfe war für mich bisher nur dieses riesige schwere Instrument mit den vielen Saiten, das man aus klassischen Konzerten kennt. Nach einigem Zögern informierte ich mich im Internet, stieß auf viele interessante Seiten und Foren und bemerkte, dass sich dieses schöne und vielseitige Instrument zunehmender Beliebtheit erfreut. Nicht zuletzt, weil es seit einigen Jahren immer mehr Lehrer, Notenliteratur, Kurse und Harfenbauer gibt, die die kleineren und erschwinglicheren Varianten bauen: Keltische und böhmische Harfe. Letztere war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Instrument der Wandermusikanten und wird auch heute noch in besonders leichten Formen gebaut. Ebenso vielseitig ist die Musik, die man damit machen kann: Irisch-schottische / keltische Musik, barocke und klassische Musik, Mittelalter, Jazz, Filmmusik, Evergreens, eigentlich alles, was schön ist!

Im August fand ich eine Lehrerin, eine Harfenistin und Sopranistin in meiner Nähe, nahm eine Schnupperstunde und – hatte Feuer gefangen! Die Chemie stimmte sofort, und Victoria tut mir unglaublich gut mit ihrer leidenschaftlichen lieben und fröhlichen Art. Wie die Harfe und überhaupt die Musik mir unglaublich gut tut! Nun sauge ich alles auf, was mit Harfe zu tun hat – an Musik, Noten, Informationen.

Einmal in der Woche nehme ich Unterricht, ich freu mich auf jede Stunde – und übe beinahe täglich zu Hause!

Am Wochenende habe ich mir nun nach langer Überlegung ein großes Geschenk gemacht: Meine erste eigene Harfe. Ich habe sie einer Familie abgekauft, deren Tochter sie lange gespielt hat und nun auf Klavier umgestiegen ist. Nun steht sie hier in meinem Zimmer, und ich freu mich immer mehr:

Meine Harfe

Es ist eine keltische Harfe namens Saphir von der Harfenbauerin Bernadette Kerscher – ihr Zentrum Glissando in Röttenbach hatte ich 2 Wochen zuvor besucht. Sie ist aus Bubingaholz, hat Saiten aus Darm und Metall, insgesamt 35 Stück und sieht nicht nur wunderschön aus – sie klingt wunderschön! Sie ist 7 Jahre alt. Ein keltisches Pferd ziert den Hals.

Keltisches PferdNatürlich wollen die Finger nicht (mehr) so schnell wie vor 30 Jahren auf der Geige. Aber ganz ungeübt sind sie noch nicht! Während ich anfangs kaum eine halbe Stunde Üben durchgehalten habe, weil es mich zu sehr anstrengte, sitze ich nun oft länger als 1 Stunde an meiner Harfe, auch am Abend. Der bezaubernde Harfenklang macht einfach nur eine schöne Stimmung. Abgesehen davon: Ich werde wieder fitter im Kopf, kann mich besser und länger konzentrieren. Und ich höre wieder Musik, was ich jahrelang nicht konnte, weil ich Musik einfach nicht ertragen habe. Ich lerne neue Menschen kennen, tausche mich aus, habe 2 nette Harfenspielerinnen bereits persönlich kennengelernt. Vielleicht machen wir irgendwann mal gemeinsam Musik!

Ich bin froh, dass ich dieses Instrument entdeckt habe, dass mir Thomas diesen Anstoß gegeben hat. Ich hoffe, dass die Freude lange anhält, auch wenn ich wieder wandern kann. Denn schließlich hatten Wandern und Musik schon immer viel miteinander zu tun!


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Auch in diesem Artikel werde ich wohl wieder reichlich ins Schwärmen geraten. Ich sitze schnupfend und hustend auf dem Sofa, der Blick aus dem Fenster ist… grau. Unten im Garten lärmen seit 4 Stunden Heckenschere und Laubbläser (jo, auf schwäbischen Straßen herrscht Sauberkeit!).

Und ich erinnere mich wieder an unseren Urlaub im Nationalpark Müritz. An diese Stille, an eine unvergleich schöne, ursprüngliche und sich erholende Natur, das uns ständig begleitende Schreien der Kraniche, das Klopfen der Spechte und Röhren der Hirsche… Achja, es tat so gut, mal nicht auf Industrieanlagen, Geschäftsgebäude, qualmende Schornsteine oder Baustellen zu blicken und nicht ständig irgendwelchen Durchgangsverkehr im Ohr zu haben. Was kann ich jetzt gegen meine Sehnsucht und Schwärmerei tun? Nichts! Außer schreiben und mich freuen über wunderbare Erinnerungen.

Wie z.B. an den Kranich… den „Vogel des Glücks“.   🙂

Jedes Jahr im Herbst sammeln sich 1000-e Kraniche im Nationalpark für ihren Weiterflug in den Süden. Dies war u.a. ein Grund, warum ich gerade diese Wochen für unseren Urlaub ausgesucht hatte. In dieser Zeit kann man auch tagsüber unterwegs viele kleine und große Gruppen von Kranichen beobachten. Sie bevölkern gern abgeernte Mais- und Getreidefelder, um liegen gebliebende Körner aufzupicken. Mehrmals am Tag hört man über sich das mehrstimmige Trompeten dieser schönen Vögel. Das klingt dann so, nur zig-fach verstärkt:

(Im Firefox läuft es leider nicht, bitte verwende einen anderen Browser)

Kraniche in der Luft

In manchen Orten bricht das Geschrei stundenlang nicht ab, wie z.B. in Kargow, das umgeben ist von Stoppelfeldern – idealen Futterplätzen. Hier war es richtig laut. An ein Mittagsschläfchen ist da wahrscheinlich nicht zu denken. In Laufe der Tage kamen zu den Kranichfamilien der Müritzer Brutpaare 1000-e Kraniche aus Skandinavien hinzu, die hier Zwischenstation machten.

Abends versammeln sie sich für die Nachtruhe auf weiten abgelegenen feuchten Wiesen oder in flachen Gewässern, wo sie genügend Schutz vor Feinden haben, wie am Rederangsee. Von Ende August bis Ende Oktober sind ab 16 Uhr die Wanderwege rund um diese Schlaf-Sammelplätze gesperrt bzw. dürfen nur noch in kleinen Gruppen unter Führung eines Nationalparkrangers betreten werden.

Jeden Abend findet solch eine geführte Wanderung zu den Wiesen oder zum Ufer des Rederangsees statt. Bereits 2 Monate vor unserem Urlaub hatte ich die Tickets dafür bestellt (Kranichticket), und wir freuten uns besonders auf dieses Highlight. Umso größer war unsere Enttäuschung, als man uns in der Nationalparkinformation sagte, dass die Kraniche verschwunden seien! Am Wochenende hatten sich Urlauber im (verbotenen) Kerngebiet verlaufen und einen Notruf abgesetzt. Es kam zu einem Polizeieinsatz mit Blaulicht, und die sensiblen scheuen Vögel hatten sich prompt entfernt, um sich irgendwo einen ruhigeren Platz zu suchen. Wir könnten es gern in der nächsten Woche nochmals versuchen. Man hoffe, dass die Tiere zurückkehren!

Nun hieß es Daumen drücken. Und ja, es klappte! Als wir zu Beginn der 2. Woche erneut in der Information nachfragten, bekamen wir die erfreuliche Auskunft, dass am Abend vorher ca. 3000 Kraniche am Rederangsee zu sehen gewesen seien. Wir durften uns mit unserem bereits bezahlten Ticket für einen neuen Termin anmelden.

Mitte der 2. Woche war es dann soweit. Treffpunkt war um 17 Uhr an der Nationalparkinformation Federow (man kann selbst anreisen oder den Bus ab Waren nehmen, dies ist im Preis enthalten). Ca. 40 Besucher wurden in 2 Gruppen eingeteilt und diese von je einem Ranger übernommen. Zunächst wurde uns einiges Wissenswertes über den Kranich und sein Leben im Nationalpark erzählt. Dem schönen Tier ging es in den vergangenen Jahrzehnten immer besser, was zu einer erfreulichen Erhöhung der Zahl der Brutpaare führte (in ganz Deutschland bereits wieder um die 7000). Die wichtigsten Maßnahmen waren und sind dabei die Wiederherstellung der Moore und Feuchtgebiete, in denen die Kranicheltern ungestört brüten und ihren Nachwuchs aufziehen können. Der Kranich-Nachwuchs ernährt sich zunächst von Würmern und anderem Kleingetier vom Feld, was sie natürlich nur giftfrei genießen können. Entscheidend ist von daher außerdem der Verbot von Pflanzenschutzmitteln.

Nun bekamen wir die Verhaltensregeln erklärt. Regel Nr. 1 war natürlich: Uns auf dem Beobachtungsstand still, absolut still zu verhalten. Auf dem Platz sitzen bleiben. Uns nicht über die Brüstung hinaus zu beugen, um besser sehen zu können. Und unter Androhung eines prompten Verweises von der  Beobachtungsplattform verbot der Ranger es uns, mit Blitzlicht zu fotografieren!

Da ich bereits einiges über den Kranich gelesen hatte, wusste ich, wie berechtigt diese Regeln waren Ein Kranich bekommt alles mit, jede Veränderung, jede Bewegung. Alles, was er nicht kennt, veranlasst ihn zur Flucht.

Dann starteten wir gemeinsam die kleine Wanderung zum Rederangsee. Unterwegs hielt unser Ranger immer wieder, um uns auf etwas Interessantes aufmerksam zu machen, wie einen Adlerhorst oder die Entwicklung des Baumbestandes im Wald. Kurz nach 18 Uhr kamen wir am Beobachtungsstand Rederangsee an, die andere Gruppe traf kurz nach uns ein. Ab nun wurde nur noch geflüstert.

Am gegenüberliegenden Ufer saßen bereits einige Kraniche, und ihr Trompeten schallte zu uns hinüber. Es war ein herrlich milder Abend, der Himmel war klar und zeigte kurz darauf über dem See ein erstes zartes Abendrot, das später in ein traumhaft leuchtendes Orange bis Violett überging und sich im See spiegelte.

Abendrot über dem Rederangsee

Hier und da kamen weitere Gruppen von Kranichen angeflogen, nahmen bei den anderen Platz und wurden mit einem vielstimmigen „Krah-Krah-Krah“ begrüßt.

Da ging ein Raunen durch unsere Bankreihe. Am Ufer hinter den Kranichen waren Rothirsche aus dem Wald getreten. Thomas gab mir das Fernglas – und tatsächlich! Ein Rothirsch und mehrere Hirschkühe waren zu sehen. Später meinte ich einen weiteren Hirsch in der Gruppe zu sehen. Ein tolles Bild war das: Die Kraniche, die Hirsche, dahinter dieses gigantische Abendrot!

Und direkt vorm Beobachtungshäuschen flatterte immer wieder eine Fledermaus hin und her.

Kraniche

Nun ging es richtig los in der Luft. Immer mehr Kraniche kamen angeflogen – aus allen Richtungen steuerten sie diesen Platz an. Es wurden immer mehr, wir saßen nur noch da und starrten nach oben, in wechelnde Richtungen. Innerhalb einer halben Stunde breitete sich vor uns ein großer Kranichteppich aus. Es müssen Tausende gewesen sein. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel!

Allmählich wurde es jedoch zu dunkel. Kurz nach 19 Uhr gab der Ranger das Signal zum Aufbruch. Total bewegt, aber immer noch so leise wie möglich verließen wir die Plattform. Auf dem Rückweg begleitete uns noch lange das Geschrei der Kraniche. Die Hirsche waren in der Abenddämmerung nicht weniger aktiv geworden – ihr dringliches Brüllen und Röhren hallte zu uns hinüber. Es war so gut wie dunkel, als wir in Federow ankamen, aber wir waren hellwach. Irgendwie hatten alle ein Grinsen oder Lächeln im Gesicht. Der „Vogel des Glücks“ hatte uns wohl etwas abgegeben. Es war in jedem Fall ein unvergessliches Erlebnis!

Fotos Kraniche: Thomas Schmidt

Kranichticket: 8,50 Eur, erhältlich über den Nationalpark-Service und vor Ort in den Nationalpark-Informationen Schwarzenhof und Federow

 

Schöne Bücher:

Ein KranichjahrJürgen Reich: Ein Kranichjahr in Mecklenburg-Vorpommern

Der Fotograf verbringt 3 Jahre in unmittelbarer Nähe zu den Kranichen, um ihr Leben einschließlich Brut und Aufzucht des Nachwuches im Jahreslauf zu dokumentieren. Er berichtet, wie er sich ihnen nähert, bei ihnen übernachtet, welche Beobachtungen er macht und wie ihm seine sensationellen Fotos gelungen sind.
Kraniche im Nationalpark MüritzKraniche im Nationalpark Müritz

Eine Broschüre mit wunderschönen Fotos und Wissenswertem über das Leben und Verhalten des Kranichs.

Herausgegeben vom Förderverein Nationalpark Müritz e.V., erhältlich in den Nationalpark-Informationen, auch online
Vögel beobachtenVögel beobachten im Müritz-Nationalpark

Wissenswertes über die im Nationalpark heimischen Vogelarten mit Tipps, wo genau man sie beobachten kann und je einer passenden Wandertour. Viele schöne Fotos
Erhältlich in der Nationalpark-Information, auch online

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Endlich war es soweit! In der 2. Woche unseres Urlaubs im Nationalpark Müritz hatten wir uns für eine Paddeltour angemeldet. Die unglaublich vielen Seen, verbunden durch wilde stille Flüsschen und Kanäle machen die Mecklenburger Seenplatte zu einem wahrem Paddelparadies – und der Genuss wird dadurch noch gesteigert, dass auf vielen Strecken Motorboote verboten sind. Entsprechend zahlreiche Angebote gibt es, sich ein Boot zu leihen – ich hatte gleich eine ganze Liste potentieller Bootsverleihe zusammengestellt. Die meisten bieten neben ihren Booten und entsprechender Ausrüstung eine gute Einweisung, Beratung und einen Rückholservice an. Das Einfachste war dann, sich auf den Tipp unserer Vermieter zu verlassen: Den Bootsverleih Kormoran Kanutouring bei Granzin, gelegen am gleichnamigen Granziner See. Hier kann man eine schöne gemütliche Tagestour starten, über mehrere Seen und durch die noch junge Obere Havel.

Wir mussten ziemlich zeitig aufstehen, denn für die etwas über 6 km von Speck bis Granzin hatten wir aufgrund der gesperrten Nationalpark-Straßen wieder einen größeren Umweg von einer knappen Stunde (über 50 km) mit dem Auto in Kauf zu nehmen. Die Fahrt war trotzdem schon einmal sehr schön. Auf den abgeernteten Maisfeldern lag noch zarter Herbstnebel. Hier hatten sich bereits die ersten Kraniche zum Frühstück versammelt, die allmorgendlich in kleineren und größeren Gruppen ihre abgelegenen und geschützten Sammel-Schlafplätze verlassen, um auf den Feldern liegen gebliebende Körner aufzupicken.

Das Foto ist von Thomas, das er an einem anderen Tag aufgenommen hat:

Kraniche auf den Feldern

Genau aus diesem Grund werden die Bauern hier dazu angehalten, ihre Felder nach der Ernte nicht gleich wieder zu bearbeiten und zu bestellen, und sie erhalten Ausgleichszahlungen, um den schönen Vögeln ausreichend Futtermöglichkeiten zu bieten. Jegliches Sprühen und Düngen ist seit einigen Jahren im Nationalpark nicht mehr erlaubt. Auch wenn wir die Tiere stets nur aus größerer Entfernung zu sehen bekamen, oft nur aus dem Auto heraus, es war für uns immer ein beeindruckendes und berührendes Erlebnis.

Im Bootsverleih angekommen, wurden wir vom Chef freundlich begrüßt und erhielten eine – unerwartet – umfangreiche Einweisung. Hierzu gehörte zunächst ein Blick in die Karte und die genaue Beschreibung der Route, obwohl man sich auf der Oberen Havel nun wirklich nicht verfahren kann. Dazu bekamen wir alle Ausstiegs- und Umtragepunkte und Möglichkeiten für Vesper und Toilette gezeigt. Und nicht zu vergessen: Ein paar Verhaltensregeln, denn man darf natürlich zum Schutz der Natur nicht überall aussteigen, und in einigen Sen darf man nur entlang der dort ausgelegten Bojen fahren.

Danach nahmen wir die Ausrüstung – Paddel, wasserdichte Taschen, eine Karte, sogar ein paar Iso-Kissen für Popo und Rücken und – auch damit hatten wir nicht gerechnet – Schwimmwesten in Empfang. Dies sei hier Pflicht, wurde uns erklärt, da ja nicht nur flache Flüsse, sondern durchaus auch tiefere Seen zu durchqueren seien. Ok, das leuchtet ein. Dann ging es jedoch immer noch nicht los. Wir nahmen ein 2-er Tourenkajak in Empfang, setzten uns zur Probe mal hinein, bekamen das Steuer erklärt und zu guter Letzt noch eine kleine Einweisung im Halten und Führen des Paddels. Das nenne ich Service!

Zu guter Letzt vereinbarten wir unseren Endpunkt in Blankenförde, ein paar Kilometer weiter im Süden und eine Uhrzeit. Hier wollte uns der nette Bootsvermieter am Abend abholen und samt Boot nach Granzin zurück transportieren. Er empfahl uns jedoch, noch ein Stück weiter zu fahren, denn hinter Blankenförde käme das schönste Stück, bis zum Useriner See, die reine Wildnis. Hier würde die Havel ihrem Beinamen, „Amazonas“ gerecht!

Nun konnten wir endlich losgehen. Wir verstauten unsere Sachen in den Beuteln und diese im und auf dem Boot, zogen die Schwimmwesten über (Thomas jedoch nur für kurze Zeit), ließen das Boot ins Wasser – und paddelten los, auf der Havel Richtung Süden.

Start südlich vom Granziner See

Hach, war das wieder schön – nach den anfänglichen Koordinationsschwierigkeiten zwischen Thomas und mir… Aber das ist sicher normal. Wir waren erst einmal miteinander gepaddelt, letztes Jahr im Spreewald. Bald aber konnten wir die Idylle und die Ruhe hier nur noch genießen. Zumindest ich…

Ok, ich sag es gleich – für Thomas war der Genussfaktor wohl erheblich eingeschränkt. Das Boot war für ihn, wie sich schnell herausstellte, nicht so gut geeignet. Er hatte eindeutig zu wenig Platz, konnte die Beine nicht einen Moment anwinkeln und bekam Rückenschmerzen. Das war nicht so schön, und das nächste Mal, so riet uns später auch der Chef, sollten wir ein offenes Kajak nehmen (eines wie wir es im Spreewald hatten). Ich hoffe ja, es gibt ein nächstes Mal, und Thomas paddelt weiterhin immer mal mit mir!   🙂

Wir fuhren ein kleines Stück durch diesen urigen Kanal und durch den ersten kleinen See, den Schulzensee. An dessen Ende muss man schon wieder aussteigen, da die Havel auf den nächsten 700 m nicht befahren werden darf. Hier wurde zum Umtragen eine Lorenbahn installiert. Wir zogen das Boot aus dem Wasser, trugen es über eine Straße und wuchteten es auf die Halterung. Nun hieß es, 700 m schieben/ziehen.

Lorenbahn

Die Bahn machte einen Höllenlärm! Ich fragte mich, ob das im Sinne der schützenswerten Natur sei, wenn man auf der Havel nicht paddeln darf, beim Umtragen dafür diese Geräusche verursacht. Als ich diese Frage am Abend beim Bootsvermieter stellte, schmunzelte er natürlich – die Natur sei hier jahrelang einiges gewöhnt, einschließlich der Nutzung als militärische Übungsplätze. Hier haben Panzer und andere schwere Geschütze ganz anderen Lärm gemacht, und dennoch habe sich hier eine ungleich vielfältige Natur entwickelt. Die Tiere seien das gewohnt.

Wir kamen am Ufer des Pagelsees an. Hier war es einfach zu schön und zu ruhig, um gleich weiter zu fahren. Außerdem war es inzwischen Mittag, und wir hatten Hunger. Wir nutzten die Sitzgruppe für eine gemütliche Mittagspause mit belegten Broten und Tee aus der Thermoskanne.

Am Pagelsee

Es war absolut still und friedlich hier, wie auch der Blick auf den See, in dem sich die Wolken spiegelten, und ein Schwanenpärchen, das lautlos auf dem Wasser trieb.

Schwäne auf dem Pagelsee

Wenn wir uns heute nicht eine Paddeltour vorgenommen hätten, wären wir sicher hier geblieben. Als wir unsere Sachen zusammenpackten, rumpelte die Lorenbahn ein weiteres Mal. Ein jüngeres Paar samt Boot kam angefahren. Deutlich sichtbar geübt und erfahren hoben sie ihr Boot ins Wasser und stiegen ein, nicht ohne uns noch freundlich gefragt zu haben, ob sie uns beim Einsteigen helfen sollen. Ob wir wohl einen hilfebedürftigen Eindruck erweckten?   😀

Hier gab es ja keine ordentliche Anlegestelle. Egal, wir saßen wieder in unserem Boot, waren nicht nass geworden und paddelten über den ersten größeren See. Wir hielten uns rechts, so wie auch das andere Pärchen – und hielten ziemlich bald wieder an. Am rechten Ufer saßen gleich mehrere Kormorane in den Bäumen. Ein wunderbarer Anblick. Die anderen Beiden lächelten uns zu, auch sie hatten die Kormorane entdeckt. Ich hatte noch nie welche in der Natur gesehen. Wir ließen uns treiben und schauten wie gebannt auf die Gruppe. Einer nach dem anderen löste sich vom Baum, um vor uns nach links weit über den See zu fliegen, im Wasser zu landen und dort weiter zu schwimmen.

Natürlich konnte ich so schnell kein Foto machen, ich wollte lieber schauen und nicht fotografieren. Die klasse Fotos sind von Thomas, die ihm in der ersten Woche am Warnker See gelungen sind – aber so ähnlich sahen wir es heute auch.

Erst nach einer ganzen Weile, in der wir versuchten, uns möglichst nicht zu bewegen, paddelten weiter über den See, ließen uns treiben und beobachteten die Schwäne, die sich ebenfalls treiben ließen.

Das andere Pärchen war inzwischen weit vor uns, so dass wir durch sie gut erkennen konnten, wo sich der Ausgang in die Havel befand.

Ausgang zur Havel

Wir durchquerten den nächsten Havelarm. Wieder empfing uns Ruhe und Idylle…

Stille und Idylle

Die Wasseroberfläche war mitunter so spiegelglatt, dass man stellenweise den Übergang zum Ufer nicht erkennen konnte. Die Ufer waren dicht bewachsen mit hohen Gräsern, Büschen und Bäumen, ab und zu ragte ein abgestorbener Baum aus der Nässe heraus.

Abgestorbener Baum

Wir durchpaddelten den Zotzensee, auf dem man nur entlang der grünen Bojen fahren darf. Am fernen Ufer entdeckten wir einen Silberreiher, hier konnte er sicher sein. Schwäne trieben auch hier gemütlich durchs Wasser, und auf jeder der grünen Bojen hatte es sich jeweils eine Möwe gemütlich gemacht.

Nun hatten wir wieder ein längeres Stück auf der Havel vor uns, in dessen Mitte eine Möglichkeit zum Aussteigen und Rasten auf uns wartete – die Fischerei Babke. Doch zuvor wurde es etwas ungemütlich – was hörten unsere verwöhnten Ohren?? Motorenlärm!! Kurz vor und hinter einer Brücke waren schwere Geräte damit beschäftigt, die Ufer zu „verschönern“ und das hohe Gras abzumähen. Wir trauten unseren Augen und Ohren nicht!

Ufer werden abgemäht

Hier gleich noch eine Maschine… Die freundlichen „Gärtner“ hielten jedoch kurz inne, und so kamen wir staubfrei an ihnen vorbei.

Noch eine Maschine

Die Ufer hatten jedenfalls viel von ihrer Schönheit und Natürlichkeit verloren, fanden wir. Dies würde jedoch jedes Jahr einmal um diese Jahreszeit erledigt, erklärte uns am Abend der Bootsvermieter.

Schließlich trafen wir an der Fischerei Babke ein. Auch hier muss man das Boot an Land ziehen und mithilfe einer Lore ein paar Meter transportieren. Wir legten unseres ins Gras, denn hier wollten wir einen Kaffee trinken… und natürlich meldete sich inzwischen auch ein anderes dringendes Bedürfnis.  😀

Die Fischerei ist ein guter Anlaufpunkt für Fischliebhaber. Es gibt gemütliche Sitzgelegenheiten direkt am Wasser und oberhalb am Imbissverkauf. Wir fanden es hier echt gemütlich. Das Beste war natürlich wie überall hier – der Blechkuchen! Wir verdrückten jeder ein großes Stück Pflaumenkuchen, natürlich selbst gebacken, wie uns die Inhaberin bestätigte. Ich eine Tasse Kaffee dazu, und Thomas gönnte sich ein Bier. Einmal wieder staunten wir über die niedrigen Preise.

Das Pärchen von heute morgen saß natürlich auch schon hier – die Schuhe ausgezogen und ließ sich von der Sonne verwöhnen. Ein weiteres Paar, welches mit Rädern unterwegs war, ebenfalls. Sonst war die große Anlage leer. Für uns gut – um so mehr Ruhe hatten wir. Ein wirklich schönes gemütliches Plätzchen. Wir saßen ziemlich lange hier, und als letzten Endes noch mehrere Seeadler über uns auftauchten und ihre Kreise zogen, war die Mittagspause perfekt!    🙂

Hier wieder ein tolles Foto von Thomas, das mit dem Handy natürlich so gut nicht gelingt:

Adler

Immer, wenn Seeadler über uns auftauchten, war das für uns ein besonderes Erlebnis. Während dies für die Einheimischen hier scheinbar ein normaler Anblick ist, dem sie kaum Beachtung schenken (so war unser Gefühl), blieben wir immer stehen und starrten gebannt nach oben, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Diese faszinierenden Vögel, die wegen ihrer brettartigen Silhouette und beachtlichen Flügel-Spannweite von bis zu 2,40 m auch „liebevoll“ Schranktüren genannt werden, bekamen wir ja sonst nie zu Gesicht! Doch wir mussten weiter, wir hatten noch nicht einmal die Hälfte unserer geplanten Strecke geschafft. Wieder fuhren wir in den engen urigen Kanal der Havel. Wieder hatte uns die Stille.

Wieder auf der Havel

Plötzlich löste sich vom rechten Ufer ein kleines leuchtend blaues Vögelchen und schnipste zum linken Ufer hinüber. Ein Eisvogel! Ich hatte meinen ersten Eisvogel gesehen, wenn auch nur kurz. Ein tolles Erlebnis, denn die kleinen Schönheiten sind scheu und kommen zudem sehr selten vor. Hier haben sie ein Paradies, und sie überwintern sogar in Mecklenburg, was in den letzten Jahren während besonders harter Winternmonate unter den Brutpaaren zu starken Einbußen geführt hat. Auf unserer Tour heute sollten wir diesen kleinen schillernden Prachtvogel jedoch immer wieder zu sehen und zu hören bekommen. Diesen hier hörten wir immer noch, ungefähr so (Abspielen klappt leider nicht im Firefox, bitte verwendet einen anderen Browser):

Während wir immer noch fasziniert lauschten, kam uns ein Kajak entgegen gepaddelt. Darin ein älteres Pärchen. Sie hatte ihre langen grauen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, er versteckte seinen ebenfalls leuchtend grauen Haarschopf unter einem Basecap. Ein sympathisches Paar, das unglaublich jung wirkte in seinem roten Kajak. Ob das ein Eisvogel sei, fragte die Frau. Ja, wir haben ihn gerade gesehen, antworteten wir, und wir freuten uns alle miteinander. Schließlich paddelte jeder in seine Richtung weiter.

Nun durchquerten wir wieder einen größeren See, den Jäthensee. Auch hier darf man nur entlang der grünen Bojen fahren, um die Ruhe der Uferzonen und ihrer Bewohner nicht zu stören. Wir hielten uns, so gut es ging, daran, der Wind trieb uns aber immer wieder etwas weiter ab.

Bojen

Wie immer hatte sich auf jeder Boje eine Möwe niedergelassen. Schwäne spazierten auch hier übers Wasser. Sonst war es ruhig. Über dem See hatten sich spannende Wolkenberge aufgetürmt. Es war ziemlich frisch hier, auf der „offenen“ See.

Wolken über dem Jäthensee

Noch bevor wir den Ausgang in den nächsten Havelkanal erreichten, entdeckten wir in der Ferne, am Eingang ein rotes Kajak. Das war das ältere Paar, mit dem wir vorhin gesprochen hatten. Sie waren also bereits auf dem Rückweg. Naja, wir bummelten ja auch reichlich gemütlich vor uns hin.

Nun wurde es wieder still. Und urig. Die Sonne drang durch die dichten Bäume am Ufer und zauberte helle Flecken auf die Wasseroberfläche. Und wieder schwirrte ein Eisvogel vor uns ans andere Ufer. An einer Brücke hielten wir und ließen uns wieder treiben, lauschten und genossen die Stille.

Hier holte uns das sympathische Paar wieder ein. Ist die Stille nicht herrlich, schwärmte die Frau, außer uns natürlich… und sie lachte. Wir berichteten von unseren weiteren Eisvogel-Begegnungen. Sie dagegen haben gerade eine Wasserschlange gesehen, erzählte die Frau. Und so tauschten wir uns über unsere Entdeckungen aus. Wir wünschten uns noch einen schönen Tag und spannende Beobachtungen, dann paddelten sie gemütlich weiter und wir noch gemütlicher hinterher. Ab nun blieb ihr rotes Boot immer vor uns in Sichtweite.

Das ältere Paar vor uns

Vor Blankenförde wurde die Havel immer uriger, wilder… Wir konnten uns nicht satt sehen. Hohes wildes Gras, grün und verdorrt, Schilf, Wurzeln, Stämme, wirres Gebüsch links und rechts, Äste ragten weit übers Wasser und bildeten ein uriges Dach. Und all das spiegelte sich ein zweites Mal im Wasser zwischen abgeblühten Seerosen und welken Blättern. Hier könnte ich jeden Tag sein.

Idylle

Und es wurde mit jedem Kilometer einfach immer schöner. Bald tauchten die ersten Bootshäuser von Blankenförde auf. Beneidenswert, wer eines dieser urigen Häuschen besitzt und hier wohnen darf.

Boothäuser von Blankenförde

Häuschen

Umso größer unser Erstaunen, als die Beiden vor uns an einem der rechten Häuschen anlegten und aus ihrem Boot kletterten. Als wir auf ihrer Höhe ankamen, riefen sie uns einen Gruß zu: Wir sind jetzt da! Das wollte ich jetzt genauer wissen. Wohnen Sie hier? fragte ich. Ja, seit 2 Jahren! Wow, wunderschön!

Wir bewunderten ihren Wohnort natürlich entsprechend, dann entfernten wir uns schon wieder. Der Mann rief uns hinterher, wir sollen doch noch ein Stück weiter fahren, denn jetzt komme der wirklich schönste Abschnitt bis zum Useriner See. Genannt „Amazonas“. Ja, genau das haben wir vor!

Wir hatten nun noch 1 Stunde Zeit bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns mit dem Bootsvermieter hier, in Blankenförde treffen wollten. Wir konnten also noch eine halbe Stunde weiter Richtung Useriner See paddeln und schauen, wie weit wir kommen, dann mussten wir umkehren.

Wieder tauchten wir ein in eine stille friedliche wilde Kulisse.

Dann durchquerten wir nochmals einen See, den Gortowsee.

Gortowsee

Wir hielten uns ziemlich nah am rechten Ufer, hier musste der Eingang ins Amazonas-Gebiet sein. Die Seerosen waren leider alle schon verblüht. Unser Boostvermieter hatte uns erzählt, welch schöner Anblick das noch weniger Tage vorher gewesen sein muss. Aber es war auch so ein schöner Anblick.

Serosen und Schilf

Dichtes Schilf säumte das Ufer – idealer Wohnraum für viele scheue Bewohner.

Dichtes Schilf

Und wieder der Wechsel vom See zum engen urigen Kanal. Die Natur schien hier so wild und ursprünglich, die Wasseroberfläche war hier so ruhig und spiegelglatt, dass man beinahe das Gefühl hatte es sei lange niemand mehr hier gewesen. Fast hatte ich das Gefühl, hier störend einzudringen. Unwillkürlich paddelten wir leiser, vorsichtiger und saugten die Bilder auf. Rechts schreckten wir ein paar Rehe auf, wir kamen nur die Konturen zu sehen, dann flohen sie in den Wald. Immer wieder hörten wir einen Eisvogel und sahen den einen oder anderen in seinem flinken Flug. Meine Fotos können die Atmosphäre dort nur annähernd wiedergeben. Ich habe hier auch gar nicht viel fotografiert.

Hinter dem Gortowsee

Nach einer halben Stunde erreichten wir den Zierzsee.

Zierzsee

Es ist der See vor dem Useriner See. Wir mussten nun umkehren. Es fiel uns nicht schwer, wir waren erfüllt und allmählich auch müde. Wir drehten um und paddelten nun nochmals, in umgekehrter Richtung, durch diesen einmalig schönen Abschnitt. Dieses Mal der Abendsonne entgegen.

Pünktlich kamen wir in Blankenförde an, zogen das Boot aus dem Wasser, und nach wenigen Minuten traf der Bootsvermieter ein, um uns abzuholen. Wir verstauten das Boot auf dem Hänger und uns samt Ausrüstung in seinem Wagen. Auf der Rückfahrt überquerten wir die Havel hier und da, und er zeigte uns nochmals einige schöne Stellen, die wir durchpaddelt hatten, aus der Straßenperspektive. Wir erzählten ziemlich lange miteinander und erfuhren, dass er vor einigen Jahren aus dem Rheintal hier her gezogen sei. Bekannte aus dem Aichtal (!!) hatten ihn her geholt. In Aichtal wohnte ich vor kurzem noch. Die Welt ist klein!   😀

Letzten Endes bekamen wir von ihm noch einige Tipps für schöne Bootstouren und Ferienwohnungen im Nationalpark Müritz. Als wir uns verabschiedeten, färbte sich der Himmel, wie schon an den letzten Abenden, in ein wunderschönes leuchtendes Orange-Rot ein. Riesige Kranichformationen tauchten darunter auf – es war Zeit, die Kraniche waren auf ihrem allabendlichen Flug zu ihren Schlaf-Sammelplätzen. Ein traumhafter Abschluss.

Sonnenuntergang

Länge: 15 km

Vom Granzinsee bis zum Useriner See sind es ca. 15 km. Das ist in einer Tagestouur bequem zu schaffen.

Unser Bootverleih: Komoran Kanutouring

Kosten: 35 EUR (2-er Tourenkajak für den ganzen Tag) plus 20 EUR für die Rückholung (die man sich jedoch zu mehreren teilt)

Unsere Route:

Fotos Kraniche, Kormorane und Seeadler: Thomas Schmidt


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Am Ende der 1. Woche unseres Urlaubs im Nationalpark Müritz hatte ich Lust auf eine Radtour. Genau aus diesem Grund hatte ich dieses Urlaubsgebiet ja ausgesucht – es gibt hier zahlreiche (ausgeschilderte) Wander- und Radwege, dagegen keine Steigungen. Für meine eingeschränkten Kräfte genau das Richtige. Es gibt keinen nennenswerten Verkehr, viel Wasser und abwechslungsreiche Natur. Thomas dagegen reizte das Fahrrad gerade gar nicht.

Ich belud am Morgen eines der Räder, das uns unsere freundlichen Vermieter zur Verfügung gestellt hatten und strampelte ab Haustür die Straße nach Schwarzenhof hinunter. Wie immer begleitete mich das vielfache „Krah krah“ der Specker Nebelkrähen. Es war noch richtig frisch, und ich war froh, mich für 2 Fleecejacken übereinander entschieden zu haben.

Ein Stück muss man die Straße gemeinsam mit den Kfz benutzen. Doch bereits kurz hinter Speck werden Radfahrer auf einen Radweg neben der Straße geleitet. Da es hier sehr wenig Verkehr gibt, ist das überhaupt kein Problem. Zumal der Radweg teilweise durch den Wald führt. Später öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf riesige weite Weideflächen frei.

Riesige Weideflächen bei Speck

Hier haben es die Rinder noch richtig gut! Wir blieben oft hier stehen, um die Weite zu genießen.

Fischadlerhorst

Rechterhand wurde für andere tierische Bewohner des Nationalparks gesorgt. Auf dem einen und anderen Strommast kann man die Horste der Fischadler erkennen. Im Gegensatz zum größeren Seeadler hat der Fischadler die Gegend bereits verlassen, um sein Winterquartier in Nord- und Westafrika aufzusuchen. Er ernährt sich ausschließlich von frischem Fisch, was im Winter hier ein Problem werden könnte, während der Seeadler, den wir hier recht oft zu sehen bekamen, im Nationalpark überwintert. Immer wieder kann man den einen oder anderen Seeadler in einem der verlassenen Fischadlerhorste beobachten. Wir hatten dieses Glück leider nicht.

 

Es wurde spürbar wärmer, und ich konnte eine der beiden Jacken ablegen. Kurz darauf packte ich die zweite Jacke in den Fahrradkorb. Der Spätsommer hatte sich zurück gemeldet!

Es dauerte nicht lang, und ich erreichte Schwarzenhof. Hier gibt es eine von mehreren Nationalpark-Informationen.

Nationalpark-Informationen

Wir haben diese Einrichtungen ziemlich oft besucht, vor allem die im Nachbarort Federow – wegen der schönen Naturführer und Fotobände, die es dort zu kaufen gibt.  🙂

Schräg gegenüber führt der Radweg aus dem kleinen beschaulichen Ort hinaus und in den Wald hinein. Ich radelte so ziemlich allein vor mich hin und traf nicht eine Menschen- bzw. Radlerseele.

Wald hinter Schwarzenhof

Dass es auch hier wunderbar still war, muss ich wohl nicht mehr erwähnen. Nirgends hörten wir während unseres Urlaubs im Wald Motorengeräusche, was zu Hause eigentlich überall des Fall ist, selbst auf der Alb. Dagegen begleitete uns stetiges Vogelgezwitscher und meist mehrfaches Klopfen von Spechten.

Nach ein paar Minuten öffnet sich der Wald wieder. Ich stand vor weiten Wiesen, den Warener Hauswiesen, die sich bis zum Rederangsee ziehen.

Hier und am Rederangsee versammeln sich in diesen Wochen jeden Abend tausende Kraniche zur Nachtruhe. Von daher ist, wie auf dem Schild zu lesen, der Wanderweg entlang dieser Wiesen und zum See hin ab 16 Uhr gesperrt. Es dürfen sich ab dem späten Nachmittag hier nur noch geführte Gruppen aufhalten, um die Kraniche zu beobachten. Wir haben an einer solchen geführten Kranichtour teilgenommen, und es war ein einmalig beeindruckendes Erlebnis. Doch dazu in einem anderen Bericht.

Ich nahm weiter den Radweg Richtung Boek, der noch ein Stück an diesen Wiesen entlang führt, und versuchte immer wieder, durch die Bäume am Rand einen Blick auf die Wiesen zu erhaschen – vielleicht hatten sich ja schon jetzt, gegen Mittag ein paar Kraniche hier eingefunden. Doch die Wiesen lagen still und verlassen da, die Kraniche waren sicher noch unterwegs auf Futtersuche. Nur ein einsamer sterbender Baum ragte empor – ein Zeichen des feuchten Untergrunds.

Wiesen

Nun führt der Radweg durch ein ausgedehntes Moorgebiet, laut meinem kleinen Wanderführer das größte zusammenhängende Moorgebiet des Nationalparks. Noch vor 200 Jahren war diese Gegend vom Wasser der Müritz überspült. Heute kann man hier Kraniche, Adler, Silberreiher und die Hirschbrunft beobachten. Das Gebiet ist natürlich abgesperrt, und nur hohes Gras und Schilf am Rand deuten auf den feuchten Boden hin.

Schilf und Gras

Ich erreichte den ersten der beiden Aussichtstürme, die am Weg liegen – den Aussichtsturm „Specker See“. Wie der Name schon sagt, schaut man hier auf den Specker See, der einst zur Müritz gehörte…

Blick auf den Specker See

… zur anderen Seite auf die ihn umgebenden Moore, wie auch hier an den absterbenden Birken zu sehen ist.

Wiesen am Turm Specker See

Diese Birken hatten sich nach der Trockenlegung hier ausgebreitet. Nun, im Zuge der Rückführung wird es ihnen hier zu nass. Dafür entstand ein wunderbarer Lebensraum für viele Vögel. Leider bekam ich heute nicht einen zu sehen. Auch das Paar, welches schon eine ganze Weile hier oben stand und durchs Fernglas die Gegend absuchte, packte ein und stieg die Stufen hinab.

Weiter strampelte ich Richtung Süden und durchquerte den Specker Horst.

Specker Horst

Eine Infotafel gibt Auskunft über die Geschichte des Specker Horstes. Einst befand sich hier das Staatsjagdgebiet „Müritz“ als persönliches (!!) Jagdgebiet des ehemaligen und letzten Ministerpräsidenten der DDR Willi Stoph, samt seinem Anwesen.

Vesperpause

Jaaa, unsere Regierung hat sich schon die schönsten Flecken ausgesucht für ihre Jagdleidenschaft! Und ich suchte mir hier die schönste Bank für mein Vesper – unter einem riesigen knorrigen Nussbaum. Das Knarren seiner ausladenden Äste begleitete mich über die ganze Mittagspause. Dabei beobachtete und grüßte ich immer wieder vorbei radelnde Urlauber und genoss den Blick über den Specker Horst.

Specker Horst

Ein älteres Ehepaar fuhr an mir vorbei, ich schätzte die Beiden auf Mitte 80. Schön, wenn man in diesem Alter noch gemeinsame Radtouren unternimmt, dachte ich. Ich beobachtete, wie sie an einem ebenso riesigen alten Nussbaum, wie dem, unter dem ich saß, hielten, und schon waren sie dabei, Nüsse zu ernten und ihn ihren Beuteln zu sammeln. Ich fragte mich noch, ob das denn hier gestattet ist. Aber geht mich ja nichts an. Ein paar Minuten später sah ich den Mann nicht mehr, suchte den Baum mit den Augen ab und entdeckte ihn – hoch oben im Baum! Ich dachte, ich sehe nicht recht…! Puh, das sah gefährlich aus! Die Frau beobachtete die Kletterkünste ihres Gatten von unten und schien wesentlich entspannter als ich! Nur schnell weg hier – ich möchte nicht Zeuge eines Absturzes sein. 😀

Ich packte meine Büchsen und Flaschen zusammen und verließ diesen idyllischen Ort. Ich radelte weiter durch den Specker Horst und überquerte einen Wassergraben.

Abfluss des Specker Sees

Dies müsste der Flötergraben sein, der den Specker See mit der Binnenmüritz und der Müritz verbindet. Hier gelangte ich zu einem weiteren Aussichtsturm, von dem aus ich einen schönen unspektakulären Blick auf ein Stück Binnenmüritz hatte.

Blick auf die Binnenmüritz

Dieser kleine See war ebenso vor 200 Jahren noch Bestandteil der großen Müritz und entstand durch die Entwässerungsmaßnahmen damals. Umgeben ist er nun von Versumpfungsmooren, wo zahlreiche Arten von Pflanzen und Tiere ein ungestörtes Leben genießen können.

Weitere Kilometer strampelte ich durch den Boeker Wald. Ein kleiner Abstecher führt zu einer Aussichtsplattform am wunderschönen Ostufer der Müritz, den ich natürlich nicht auslassen kann. Hier bin ich nicht allein, als ich die super schönen Ausblicke auf die Müritz genieße.

Schließlich erreiche ich einen weiteren kleinen Ort – Boek. Ich befand mich nun an der Südspitze des Nationalparks. Auch hier gibt es eine Nationalpark-Information, untergebracht im ehemaligen Boeker Gutshaus, die ich natürlich besuche.

In einer zu einem urigen Gartenrestaurant umgebauten Scheune lockte mich ein Kaffee. Ich ließ mich an einem der Holztische nieder und kam mit dem Paar am Nebentisch ins Gespräch. Sie waren gerade von einer schönen Wanderung bei Boek zurückgekehrt und genossen nun, in der Nachmittagssonne, eine leckere Suppe – wie sie bestätigten. Natürlich redet momentan jeder über die zahlreichen Kraniche, die sich in diesen Wochen im Nationalpark für ihren Weiterflug in den Süden sammeln. Vorgestern haben sie etliche gesehen, berichteten die beiden, auf einer Wiese zwischen Röbel und Waren. Das war sicher ein beeindruckender Anblick, den wir in den nächsten Tagen auch noch öfters genießen durften.

Ich brach auf, fuhr durch eine ruhige Straße, links und rechts die für diese Gegend typischen einstöckigen Häuschen aus rotem Ziegelstein, besichtigte noch die Kirche von Boek, ein kleiner hübscher und schlichter Backsteinbau, wie man ihn hier oft zu sehen bekommt, und befand mich kurz darauf wieder in einem wunderschön stillen Wald. Dichtes Moos bedeckte den Boden zwischen auch hier relativ jungen Kiefern und Eichen.

Als ich kurz für eines dieser Fotos anhielt, schreckte ich eine Blindschleiche auf, die sich am Wegrand sonnte. Sie schlängelte sich aufgeregt in den Wald hinein, verharrte nochmals kurz, als wolle sie die Lage abwägen und verschwand schließlich.

Weiter strampelte ich durch diesen herrlichen Wald. Ich fuhr nun wieder Richtung Norden, auf den Priesterbäker See zu. Linkerhand war das Gebiet wieder als Kernzone gekennzeichnet. Sumpfiger Boden zeigte das nahe Ufer.

Sumpfiger Boden am Priesterbäker See

Es war noch früh am Nachmittag, und so entschied ich mich für einen weiteren Abstecher zu einer Beobachtungsplattform am Südufer des Priesterbäker Sees, die ich auf der Karte entdeckt hatte. Das Stück Weg dahin war jedoch ziemlich sandig – eher für Wanderer geeignet. Die Mühen waren es jedoch in jedem Fall wert. Ich entdeckte einen wunderschönen stillen Platz am See, den ich gar nicht wieder verlassen wollte.

Beobachtungsplattform

Lange hielt ich mich hier auf. Ich war hier ganz für mich. Nur ein paar Libellen leisteten Gesellschaft, und hin und wieder platschte ein Fischlein kurz an die Wasseroberfläche. Im Wald hinter mir das vertraute Klopfen der Spechte. Schräg gegenüber pickte sich eine Schwanfamilie ihr Vesper aus dem Wasser.

Am Priesterbäker See

Von hier aus konnte ich auch den Käflingsbergturm erkennen, den wir vor ein paar Tagen bestiegen hatten. Und die Beobachtungsplattform, zu der wir von Speck aus spaziert waren. Leider musste ich irgendwann weiter. Ich strampelte den Sandweg zurück, um die Tour auf dem regulären Radweg fortzusetzen. Am Südzipfel des Sees entdeckte ich nochmals eine Stelle, an der man einen schönen Blick auf den See hat.

Blick auf den Priesterbäker See

Hier war ich nicht allein – ein Mann fotografierte die Familie Schwan, während die Frau geduldig wartete. Ja das kenne ich inzwischen auch, berichtete ich ihr, und wir lachten. Dafür gibts ja immer schöne Fotos. Sicher sehr viel schöner als meine Handyfotos, wie dieses hier.

Familie Schwan

Ich war wieder erstaunt, was solch friedliche Bilder mit mir machten – mir war ebenso einfach nur friedlich zumute. Daran änderte sich auch nichts, als es nun doch ein wenig auf und ab ging – für mich Untrainierte eine mittelschwere Herausforderung. Die ich aber gut überstand. Schließlich erreichte ich die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Straße nach Speck und wenig später die Ferienwohnung.

Es war noch warm genug, um es mir noch ein Stündchen im Garten gemütlich zu machen. Thomas kam einige Zeit nach mir nach Hause – bestens gelaunt und begeistert. Er hatte Stunden am Warnker See (bei Waren) gesessen, Vögel beobachtet und fotografiert. Ihm waren ein paar wundervolle Fotos von Kormoranen und Seeadlern gelungen.  🙂

Die Radtour ist ausgeschildert mit einem „blauen Radfahrer“.

Länge: 21 km (mit meinen Abstechern 23,6)

Eine Variante bzw. einen Teil der Tour fuhren wir ein paar Tage später gemeinsam. Wir luden die Räder auf den Bus und fuhren mit dem Müritz-Nationalpark-Ticket bis zur Bolter Schleuse südlich von Boek. Dort gibt es denn Ort Boeker Mühle.

Hier die Ankunft des Busses in Speck. Der Bus hat einen Fahrradanhänger, und der freundliche Busfahrer half beim Verladen und Festschnallen der Räder.

Bus im Nationalpark

Mit dem Nationalpark-Ticket kommt man im Nationalpark gut herum, denn er verbindet die Dörfchen und verkehrt auch auf den Straßen, die inzwischen für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind. Mit dem Auto hätten wir einmal um die ganze Müritz, also gut 1 Stunde fahren müssen, um bis Boek zu gelangen.

Wir schauten uns etwas um, denn es gibt in oder bei Boeker Mühle, direkt an der Müritz einen Zeltplatz und ein Feriendorf. Und der Strand ist wirklich schön. Um diese Jahreszeit ist der große Trubel vorbei, und es ist richtig ruhig.

Ich fuhr allein noch etwas weiter bis zum Bolter Kanal, der sich am Ende in die Müritz öffnet.

Am Zeltplatz tranken wir in der schon wärmenden Morgensonne noch einen Kaffee, dann radelten wir nach Boek, und von dort die Tour über den Specker Horst und Schwarzenhof nach Speck zurück. In Schwarzenhof gab es in einer gemütlichen Radler- und Wandererrast natürlich wieder ein Stück selbstgebackenen Blechkuchen.   😀

Kaffee und Kuchen in Schwarzenhof

Länge: 19 km

Hier der Track:


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Vor ein paar Tagen schrieb ich in einem ersten Bericht über unseren Urlaub in Speck, einem kleinen Straßendorf im Nationalpark Müritz. Allmählich hatten wir uns an diese absolute Stille und Dunkelheit nachts gewöhnt. Ja, es war tatsächlich richtig dunkel, denn zwischen 22 und 23 Uhr wurden sogar die beiden Straßenbeleuchtungen ausgeschaltet. Unglaublich, was für einen Sternenhimmel wir hier zu sehen bekamen! Das nächtliche Brüllen und Röhren der Hirsche, die mitten in der Brunft steckten, faszinierte uns noch immer. Es setzte mit der Abenddämmerung ein und schallte uns aus dem Wald hinter den Specker Seen entgegen. Wenn wir nachts wach wurden, hörten wir es, bis zur Morgendämmerung. Ja, Partnersuche ist eben auch im Tierreich mitunter sehr anstrengend und kräftezehrend.  😀

Straße Richtung Schwarzenhof

Eine zweite kleine Runde liefen wir in der ersten Woche, die passend mit einem „roten Hirsch“ ausgeschildert ist, ebenfalls direkt von Speck aus.

Die Runde startet an der Straße Richtung Schwarzenhof. Dort befindet sich am Waldrand ein Wanderparkplatz. Der Morgen empfing uns mit frischer kühler Herbstluft und dem saftigen Grün der weiten Wiesen. Nebelkrähen flogen kreuz und quer über die Straße, von Baum zu Baum, über die Wiesen. Ihr „Krah krah“ war all die Tage in unserem Ohr.

Rechts hatten wir einen schönen Blick über die Wiesen hinter unserem Feriendomizil…

Wiesen hinter Speck

… links versteckte sich im hohen Gras ein alter Bauernhof, der leider am Verfallen war.

Bauernhof bei Speck

Solche alten leer stehenden Gehöfte bekamen wir hier öfters zu sehen.

Wir konnten uns wieder gar nicht satt sehen an dem saftigen Grün, dieser Weite, dieser Ruhe. Hier noch mal ein Blick zurück, in einem der Häuser wohnten wir.

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Weiter unten führte der nun ausgeschilderte Weg rechts in den Wald hinein. Wieder bemerkten wir die intensiven Gerüche – Pilze, Nadeln, feuchter Waldboden, Moos. Vögelchen zwitscherten, ansonsten absolute Stille. Auch hier wuchsen reichlich junge Kiefern und Birken, die sich nach der Trockenlegung der Moore für landwirtschaftliche Nutzung in den letzten Jahrhunderten hier ausgebreitet hatten, nun aber teils wieder am Absterben sind, nachdem man den Mooren seit 1993 wieder eine Chance gibt. Seitdem werden die Moorentwässerungen rückgängig gemacht, sie dürfen wieder wachsen. Später sollten wir viele solcher absterbenden Birken, Kiefern und Erlen inmitten von anwachsenden Mooren und Sümpfen sehen. Hier liefen wir jedoch erst einmal auf weichem sandigen Waldboden.

Wald bei Speck

Kurz daraus führte der Weg bereits mitten durch Moorgebiete und feuchte Wiesen, die jedoch immer noch stark entwässert sind. Eine Tafel informiert über die Entwässerung in der Vergangenheit und die Maßnahmen zur Rückführung der Gebiete in ihren natürlichen Zustand. Dies wird wohl noch Jahrzehnte benötigen.

Thomas hörte einen Specht und zückte sein Fernglas – dies war eine der Lieblingsbeschäftigungen in unserem Urlaub, wie eben auch Spinnen, Käfer, Enten, Adler und andere Vögel beobachten… aber das schrieb ich ja schon.  😀

Während ich mich einmal wieder nicht satt sehen konnte an diesen uralten knorrigen weit verzweigten Bäumen… oder anderen Details.

Beeren

Es wurde immer feuchter neben uns. Fasziniert schauten wir auf dieses ungewöhnliche Bild, diesen Wechsel der Natur zwischen Wald, feuchten Löchern, Wiesen, hohen Gräsern und Schilf und absterbendem Holz.

Sumpfiges Gelände

Sumpfiges Gelände

Sumpfiges Gelände

Pilze

 

Immer wieder gibt es kleine Trampelpfade bis nah heran an dieses Moorgebiet. Und immer mal wieder trafen wir auf fleißige Pilzesammler, denn hier wachsen sie gerade reichlich, um nicht zu sagen, dicht an dicht. Während ich seit meiner Kindheit nicht mehr auf Pilzsuche war, fiel es Thomas ziemlich schwer, solche Prachtexemplare stehen zu lassen.   😀

 

Schließlich trafen wir auf den Mühlensee. Hier fanden wir eine Bank mit einem herrlichen Blick auf den stillen See – der beste Platz für unser Mittagsvesper.

Hier konnten wir schon gut erkennen, wie Bäume den anwachsenden Mooren und Seen zum Opfer fallen – eine Entwicklung, die ja so gewollt ist, um den ursprünglichen natürlichen Zustand wieder herzustellen. Hier und da ragten kahle Stämme aus dem Wasser.

Am Mühlensee

Nun führt der Weg ein Stück am Mühlensee entlang. Auch hier uriger Wald. Jedoch tragen viele Bäume Spuren der einstigen Harzgewinnung in der ehemaligen DDR – ein vertrauter Anblick meiner Kindheit.

Das sieht schon brutal aus. Hat sich aber wohl kaum gelohnt…

Abfluss vom Mühlensee

 

Schließlich biegt der Weg nach links ab. Gern hätte ich zuvor auf einer idyllischen Bank noch einmal einen Blick auf den Mühlensee geworfen. Doch hier saß, versunken in ein Buch, eine Frau, und ich wollte sie nicht stören. Wir liefen nun an einem Bach, dem ehemaligen Ablauf einer früheren Wassermühle zwischen Mühlensee und Specker See entlang. Der hier ansässige Müller hatte ihn gegraben, um das fließende Wasser für seine Mühle zu nutzen. Nun ist es ein stehendes Gewässer. Auch hier die Rückführung zum natürlichen Fluss.

 

 

Nun verläuft der Weg ein ganzes Stück auf dem Müritz Nationalpark Weg, dem einzigen Weitwanderweg im Nationalpark – ausgeschildert mit dem blauen „M“, entlang.

Müritz Nationalpark Weg

Wieder konnten wir auf der einen Seite urige Waldabschnitte und riesige alte Bäume bewundern, deren ausladende Äste weit über den Weg ragten.

Riesige Bäume

Dann wieder saftige stille Wiese rechterhand, sie gehören zur Pflegezone und sind  eingezäunt.

Eingezäunte Wiesen

Wir trödelten im gewohnten Schneckentempo vor uns hin, schauten ausgiebig in einen dicken abgestorbenen Baumstamm, der sicher Wohnung vieler Insekten oder anderer Tiere ist, oder beobachteten eine Spinne, die dabei war, ihre „Wohnung“ zu bauen.

Beobachtungsstand Hofsee

Schließlich kamen wir am Hofsee an. Hier befindet sich ein Beobachtungsstand, in dem wir natürlich auch wieder einige Zeit verbrachten und auf den friedlichen See schauten. Was gibt es Entspannenderes?

Still und spiegelglatt lag der See vor uns.

 

 

Blick auf den Hofsee

Der Weg führte uns weiter in der Nähe des Hofsees entlang. Dichte Gräser, hohes Schilf…

Hofsee

… hier und da eine abgestorbene Birke auf einer feuchten Wiese.

Wiese

Unbeschreiblich, wie sich die Ruhe dieser Landschaft auf einen überträgt.

Thomas schaute immer wieder auf den Boden. Das Pilzfieber hatte ihn erwischt. Vor allem die Riesenboviste hatten es ihm angetan, die Wiesen waren voll davon, und er konnte gar nicht verstehen, dass man die hier nicht sammelte! Tja, bei diesem Angebot… Dann wieder erschnupperte er einen Stinkmorchel und suchte und suchte… Er hatte ihn in der Nase, konnte ihn aber nirgends entdecken.  😀

Wir nahmen uns vor, das nächste Mal einen Beutel in den Rucksack zu packen, damit er mich am Abend einmal mit einem leckeren Pilzgericht verwöhnen kann.    😀

Wir näherten uns wieder Speck, liefen nun aber noch zu diesem verfallenen Bauernhaus, das uns schon mehrere Male aufgefallen war… Hier hatte wirklich lange niemand mehr gelebt. Auf dem Boden lagen Zeitungsfetzen aus den 70-er Jahren… Schade um solche alten Häuser in dieser traumhaften Natur…

Hier der Track zu dieser Runde:


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Nach einer langen Zeit, in der ich mal wieder für Monate aus gesundheitlichen Gründen nur schwer auf die Beine kam, hat es endlich geklappt: Für 2 Wochen bezogen wir eine Ferienwohnung in einem Minidorf namens Speck.

Speck (Kargow) befindet sich mitten im Nationalpark Müritz in (oder auf?) der Mecklenburger Seenplatte. Seit 2 Jahren bereits steht diese Gegend auf meiner Wunschliste. Umso größer war meine Freude, als Thomas, den es bisher viel lieber in den Spreewald zog, bereits wenige Minuten nach unserer Ankunft begeistert feststellte, dass er nächstes Jahr wieder kommen möchte. So schnell können sich die Dinge ändern! Da dies auch heute, wieder zu Hause, immer noch sein Wunsch ist, hat er es also ernst gemeint. Und auch mir ist der Abschied schwer gefallen, wie lange nicht mehr, und am liebsten würde ich gleich wieder die Koffer packen.

Die nächsten Beiträge möchte ich also von unseren Tagen im Nationalpark Müritz berichten, unseren Touren per Rad, per Paddelboot und natürlich zu Fuß, von einer ungleich bezaubernd schönen und wilden Natur, von stillen Seen, Mooren und Sümpfen, uralten Kiefern und Eichen, von Tieren, die wir bisher nie live zu sehen oder zu hören bekamen, wie röhrende Hirsche oder das Schreien tausender Kraniche, von kleinen idyllischen Dörfern mit ihren hübschen Backsteinhäuschen, schmucken Gutshäusern, Schlösschen und schlichten Kirchen, von langen Alleen, von leckerem Blechkuchen, von einer Stille, Ruhe und Gemütlichkeit, die einfach nur Balsam für die Seele ist… ich komme schon wieder ins Schwärmen!

Nachdem wir die ersten beiden etwas regnerischen Tage damit verbracht hatten, uns die Stadt Waren an der Müritz anzuschauen, einzukaufen und noch etwas Material in den Naturpark-Informationszentren zu besorgen, nutzten wir die ersten Sonnenstrahlen für einen gemütlichen Spaziergang von Speck aus. Eine gute Variante, um sich einen Überblick über eine Gegend zu verschaffen, ist immer ein Aussichtsturm. Knapp 2 km von Speck entfernt befindet sich ein solcher: Der Käflingsbergturm auf dem gleichnamigen Berg – Käflingsberg (wenn man das so nennen kann…), dem mit 100 m höchsten Berg weit und breit!

Ausgeschildert ist der Weg dahin mit einem „schwarzen Wildschwein“. Er verläuft neben der Straße Richtung Boek, die jedoch inzwischen für den öffentlichen Verkehr durch eine Schranke gesperrt ist. Hier dürfen nur Anwohner und Inhaber eines Nationalpark-Tickets, mit dem man die gesperrten Bereiche per Bus erreichen kann, hindurch. Entsprechend ruhig ist der Weg.

Weg zum Käflingsbergturm

Uralte riesige knorrige Eichen, aber auch junge Kiefern säumen den Weg. Hier verlief einmal das Ufer der Müritz vor der künstlichen Wasserabsenkung, und die 3 Seen in unmittelbarer Nähe von Speck, der Priesterbäker, der Hofsee und der Specker See waren einst eins mit der Müritz. So bummelten und trödelten wir vor uns hin, blieben minutenlang stehen, um einen uns unbekannten Käfer zu beobachten, Pilze zu bewundern oder vermoderndes Holz. Es war Ankommen im Urlaub.

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Eine besonders alte Eiche ist sogar als Naturdenkmal deklariert. Sie ist ca. 700 Jahre alt und hat einen Umfang von 5,80 m. Beeindruckend ist so ein alter Baum!

Solche Riesen sollten wir hier noch öfters sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weg zum Turm

 

Irgendwann führt der Weg über die Straße und auf der anderen Seite in den Wald hinein. Eine Informationstafel gibt Auskunft über den Turm und die Umgebung. Für Radler, die nicht bis zum Turm fahren möchten, sind Radständer eingerichtet. Es waren nun einige Spaziergänger unterwegs, auch ein paar Radfahrer.

Auch hier prägen junge Eichen und Kiefern das Waldbild als Übergang zurück zum Urwald. Sonnenstrahlen drangen durch die schmalen Stämme und taten gut.

Weiter hinten zeugen diese Schilder von der militärischen Nutzung dieser schönen Gegend in der jüngeren Vergangenheit.

 

Betreten verboten

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, und die Natur erobert sich die Flächen, auf denen einst Panzer tiefe Furchen gruben, zurück.

Bald tauchte vor uns auch schon der 55 m hohe Käflingsbergturm auf.

Käflingsbergturm

Doch bevor wir die 167 Stufen hinauf stiegen, war zunächst ein Vesper nötig. Am Fuße des Turms gibt es mehrere Sitzgruppen, wo man es sich gemütlich machen kann. Es gibt auch hier einige interessante Informationstafeln. Außerdem Wegweiser, die die Wanderung zum nächsten Nationalpark erleichtern sollen.   😀

Oben genossen wir dann herrliche Rundum-Aussichten über den Nationalpark. Weite dichte Wälder in allen Richtungen, dazwischen Seen und ein paar Ortschaften. Von hier oben kann man gut erkennen, wie die letzte Eiszeit diese Landschaft der Mecklenburger Seenplatte geprägt hat – ein leicht hügeliges Gelände, dazwischen zahlreiche Seen, die durch Schmelzwasser entstanden sind.

Blick über den Naturpark

Hier der Große und der Kleine Zillmannsee, zwei dieser Seen.

Zillmannseen

Und hier der Blick Richtung Speck, hinten am Horizont die Müritz, der See, der diesem Nationalpark den Namen gab, übrigens der größte See innerhalb von Deutschland. Davor die 3 Seen bei Speck, die ich oben schon erwähnte (Specker, Hofsee und Priesterbäker See). Unser Dorf Speck, das gleich vorn rechts am ersten See liegt, war nicht zu erkennen, es ist eingebettet im Wald!

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Dies alles wurde uninteressant, als über uns ein Seeadler auftauchte und über die Wälder kreiste. Das war der erste Seeadler, den wir zu Gesicht bekamen, und Thomas schoss mit seiner Nikon klasse Fotos (die er hoffentlich auch noch veröffentlicht).

Dann wurde es zu frisch hier oben, und wir machten uns auf den Weg zurück Richtung Speck (der Weg endet hier). Unterwegs nahmen wir den Abzweig zum Wanderweg „rotes Eichhörnchen“, der zum Priesterbäker See führt. Nun liefen wir wieder durch urigen Wald, entlang der Kernzone. Es duftete herrlich nach Pilzen und nach feuchtem Waldboden. Die Stille war beinahe unheimlich.

Steg zum Priesterbäker See

Das letzte Stück zum Priesterbäker See führt auf einem Holzsteg über den Sumpfgürtel hinweg. Auf einer Aussichtsplattform kann man es sich gemütlich machen und (stundenlang!) einfach nur auf den stillen See starren, runterkommen, abschalten vom Alltag, und wenn man Glück hat, so wie wir, Silberreiher, Wildenten oder andere Vögel beobachten. Natürlich sollte ein gutes Fernglas immer im Rucksack sein.

Priesterbäker See

Ein Paar saß auf der anderen Seite der Plattform, und wir kamen ins Gespräch. Einmal saß sie hier, berichtete die Frau, und habe sogar eine Rohrdommel gehört. Das würde ich auch gern erleben, muss beeindruckend sein. Rohrdommeln sind aber wohl nur im Frühjahr zu hören und so gut wie nie zu sehen, so gut getarnt verstecken sie sich im Schilf.

Dafür schwebten riesige wunderschöne Libellen im Schilf umher. Wir genossen diesen friedlichen Anblick.

Priesterbäker See

Den weiteren Rückweg nahmen wir über einen sandigen Weg an einer weiten Wiese entlang hinter Speck. Wieder duftete es herrlich nach Plizen und Kiefernadeln. Überhaupt wurden wir all die Tage immer wieder von ungewohnt intensiven Gerüchen überrascht.

Wiese hinter Speck

Dies war jetzt nicht mehr der offizielle Wanderweg, aber umso schöner – stille Wiesen, wieder riesige Eichen und Kiefern. Wir nahmen einen Trampelpfad entlang der eingezäunten Kernzone.

Trampelpfad entlang der Kernzone

Auf freien Flächen kämpften sich junge Birken nach oben.

Junge Birken

Immer wieder blieben wir stehen, weil uns irgendein Detail fesselte, wie eine Kreuzspinne in ihrem Netz. Wann hat man dazu schon Zeit und Muse im Alltag? Thomas fand zahlreiche Fotomotive. Zwei Pärchen überholten uns und waren ebenso fasziniert, und so standen dann gleich mehrere Fotografen vor dem Spinnennetz! 😀

Dann tauchten vor uns die Häuser von Speck auf.

Speck

Zeit für einen Kaffee und ein Stück Kuchen! Neben dem Haus, in dem wir wohnten, befindet sich der Fuchsbau, eine kleine urige Rast für Radler und Wanderer. Bei der netten Wirtin haben wir uns dann öfters noch ein Stück ihres selbstgebackenen Blechkuchens geholt.

Fuchsbau

Natürlich nahmen wir uns vor, öfters zum Priesterbäker See zu laufen oder zu radeln, was wir in den nächsten Tagen, mit einem Vesper und Fernglas im Rucksack, auch getan haben.

Priesterbäker See

Hier der Track zu dieser kleinen Runde:


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Nachdem wir Anfang Januar einen genial sonnigen Wintertag bei Albstadt-Onstmettingen verbracht hatten, wollten wir gern noch einmal dahin. Die Winterwanderrunde Traufgang Wintermärchen lockte uns. Wir wollten sie gern mit unseren neuen Schneeschuhen erkunden. Thomas hatte seine noch nicht erprobt, während ich meine bereits am letzten Wochenende im Schwarzwald eingelaufen hatte. Vor 1 Woche hatte ich gemeinsam mit Angelika gerade mal 4,5 Kilometer geschafft und war – geschafft! Von daher war eine Runde wie diese gerade richtig. Dass ich mich sowohl in der Länge, als auch in den Höhenmetern „ein klein wenig“ nach unten geirrt hatte, bekamen wir erst unterwegs mit. Gut so!

Am Sonntag – leider dem viel trüberen Tag dieses Wochenendes, starteten wir nach Albstadt-Onstmettingen. Wie auch beim letzten Mal hielten wir zunächst in Onstmettingen, unten im Ort an, um uns in einer gemütlichen Bäckerei mit Café eine Tasse Tee und einen kleinen süßen Imbiss zu gönnen. Schließlich war heute Sonntag! Dann führen wir hoch zum Raichberg. Am Wanderweg gibt es mehrere Parkplätze, und wie erwartet sahen alle bereits ziemlich befüllt aus. Schließlich fanden wir noch freie Flächen auf dem Parkplatz „Langer Weg“.

Nun folgte die erste Überraschung für heute. Zumindest für mich. Thomas entschied plötzlich, er wolle ohne Schneeschuhe wandern. Ok… Aber warum denn? Die Wege waren gut mit Schnee bedeckt, soviel war schon zu sehen. Aber er hatte schon öfters verkündet, Scheeschuhe seien für Tiefschnee da. Hier braucht man demzufolge keine Schneeschuhe! Na gut, für mich geht es nicht um „brauchen“. Und wie unglaublich anstrengend Tiefschnee sein kann, hatten Angelika und ich vor 1 Woche erlebt. Das muss jeder selbst entscheiden. Ein Mann denkt vielleicht anders. Er braucht halt immer eine Herausforderung. Wenn dann richtig!

Ich stieg in meine Schneeschuhe, Thomas nicht, und gemeinsam stapften wir los. Thomas ab sofort natürlich ohne Schneeschuhe am Bein immer ein gutes Stück voraus.

Start am Parkplatz

Auch wenn es sich auf den präparierten Wegen bedeutend leichter lief als im Tiefschnee neulich, kam ich schnell ins Schwitzen. Es ging stetig leicht bergan. Eisiger Wind empfing uns. Und wie oben erwähnt, hielt die Sonne sich heute komplett hinter dicken grauen Wolken versteckt. Wenn der Winter die Landschaft nicht mit einer so schönen weißen Decke überzogen hätte, wäre dies sicher ein etwas traurig-grauer Tag geworden.

Start am Parkplatz

Es ging durch ein Stück Wald hindurch, dann wieder über verschneite Wiesen. Unter dicken Schneehauben waren Wacholderbüche zu erkennen. Thomas war die ganze Zeit ein ganzes Stück vor mir. Klar, ohne Schneeschuhe kommt man wohl doch etwas schneller voran. Er war aber so lieb, immer wieder auf mich zu warten. Was sicher keine Freude war bei den Temperaturen. Immer wieder zogen wir unsere Kaputzen über die Mützen und vermummten uns das Gesicht. Die Jacken und Hosen hielten zwar warm, doch die Handschuhe zog ich lieber nicht zu oft und nur ganz kurz aus für ein Foto. Leider sieht man das den Fotos auch an. Das Laufen machte dennoch wieder richtig Spaß, trotz Anstrengung!

Thomas weit vor mir

An einer etwas windstilleren Stelle legten wir eine kurze Pause ein. Was hinaus geschwitzt wird, muss schließlich wieder aufgefüllt werden. Ich hatte wieder heißen Ingwertee dabei. Der löscht gut den Durst und wärmt prima. Viele Winterwanderer zogen an uns vorbei, doch kaum jemand in Schneeschuhen. Alle gut eingepackt, wie wir.

Blick auf Onstmettingen

Hier hatten wir einen schönen Blick auf Onstmettingen. Der Blick auf die Wolkengebilde darüber war weniger schön, konnte aber ignoriert werden in Anbetracht der herrlichen Winterlandschaft. Heute musste man sich den klaren blauen Himmel und die Strahlesonne eben einfach mal vorstellen.

Herrliche Winterlandschaft

Und noch ein Blick auf Onstmettingen und die Alb, dann schnell die Hände wieder verpackt…

Blick auf Onstmettingen

Wir stapften weiter, also nur ich stapfte, Thomas lief bedeutend leichfüßiger in seinen Wanderschuhen. Und wenn man mich fragt, ging es weiterhin immer leicht bergan. Irgendwann kamen wir auf ein Gehöft zu.

Gehöft

Die schmucken Burschen hier im Schnee mit ihren kräftigen Hufen und dem dichten gescheckten Winterfell gaben eine bildhübsche und eindrucksvolle Erscheinung ab, besonders wenn sie im Galopp dicke Schneewolken aufwirbelten. Sie wurden sicher von jedem zweiten Vorbeiwanderer fotografiert. Ich war ebenfalls ein zweiter.

Pferde

Wir kamen am Skilift vorbei, auf der Abfahrt tummelten sich etliche Skifahrer. Die Loipen, die wir einige Male überquerten, waren ebenfalls gut befahren.

Tafel Dann kam die nächste Überraschung für heute. Auf einer Tafel erfuhren wir, dass unsere Runde gut 2 Kilometer länger ist als gedacht. Und auch einige Höhenmeter mehr aufzuweisen hat. Da hatte ich wohl etwas verwechselt. Es waren 7,3 Kilometer statt nur 5. Im Sommer ist das pillepalle… Na gut, heute sollte das auch zu schaffen sein, die Wege waren gut zum Laufen.

Nun mussten wir 2-mal über die Straße, was sich in Schneeschuhen schon etwas merkwürdig anfühlt auf den Stahlzacken. Aber es geht gut. Wir liefen im spitzen Winkel um das Gehöft herum, welches im im Winterschlaf versunken lag. Wir fragten uns, welchem Zweck es dient und ob hier jemand lebt, außer den beiden da oben.

Gehöft

Weiter ging es bergan. Der Wind pfiff mit Nachdruck durch die Mütze, die Ohren schmerzen immer wieder leicht. Gut dass an jeder Wanderjacke eine Kaputze hängt. Bald tauchte rechts oben der Raichbergturm auf. Ein paar Höhenmeter hatten wir also noch, dann musste der höchste Punkt erreicht sein. Die ganze Strecke hat ca. 170 Höhenmeter, eigentlich wirklich nicht viel. Diese waren scheinbar auf 3/4 der Strecke nach oben verteilt und wogen bei dieser Witterung doppelt und dreifach. Meine Lungen streikten leider auch immer wieder und ließen sehr viel weniger Luft ein, als ich benötigt hätte… Wir legten noch einmal eine Teepause ein. Auch um am heißen Becher die Finger aufzuwärmen.

Teepause

Thomas hatte tiefstes Mitleid mit meinen kalten schmerzenden Fingerspitzen und zog mir seine Handschuhe über – total warm von seinen warmen Händen! Wie macht er das nur?? Diese Frage blieb ein Rätsel. Es tat trotzdem unglaublich gut. Danke, Schatz. Dann stapften wir zum Raichbergturm hoch.

Kurz vorm Raichbergturm

Vor einem Monat waren wir hier vorbei spaziert und konnten vom Turm bei traumhafter Sicht aus die Zugspitze erkennen. Heute hatten wir keine Lust auf den eisigkalten Zug da oben mit Blick auf graue Wolkenballen und liefen am Turm vorbei. Nun ging es freundlicherweise nur noch – bergab! Hach, lief sich das leicht. Beinahe wie von selbst. In Schneeschuhen hat man auch bergab immer einen guten Halt. Und zu dieser Freude und Erleichterung kam eine weitere: Die Sonne kämpfte sich durch, und neben beinahe schwarzen Wolkenefeldern zeigte sich strahlend blauer Himmel, je nachdem in welche Richtung man schaute.

Nägelehaus

Wir schauten inzwischen unserem Ziel entgegen. Noch ein paar Hundert Meter, wie erwähnt: bergab. Es blieb nur noch ein relativ kurzes Stück, um die bisherigen Höhenmeter aufwärts wieder nach unten auszugleichen.

Noch ein Foto vom gut verpackten Thomas… und dann stellten wir fest, dass wir nun wirklich genug hatten für heute.

Thomas eingepackt

Schön wars wieder. Das ist schon merkwürdig, wie man auf so einer Wintertour immer wieder freiwillig leidet, trotzdem sagt: Es hat Spaß gemacht! und gleich die nächste wichtige Frage stellt: Wo laufen wir nächsten Sonntag?   😀

Traufgang Wintermärchen: 7,3 km, 170 Höhenmeter


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