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Endlich war es soweit! In der 2. Woche unseres Urlaubs im Nationalpark Müritz hatten wir uns für eine Paddeltour angemeldet. Die unglaublich vielen Seen, verbunden durch wilde stille Flüsschen und Kanäle machen die Mecklenburger Seenplatte zu einem wahrem Paddelparadies – und der Genuss wird dadurch noch gesteigert, dass auf vielen Strecken Motorboote verboten sind. Entsprechend zahlreiche Angebote gibt es, sich ein Boot zu leihen – ich hatte gleich eine ganze Liste potentieller Bootsverleihe zusammengestellt. Die meisten bieten neben ihren Booten und entsprechender Ausrüstung eine gute Einweisung, Beratung und einen Rückholservice an. Das Einfachste war dann, sich auf den Tipp unserer Vermieter zu verlassen: Den Bootsverleih Kormoran Kanutouring bei Granzin, gelegen am gleichnamigen Granziner See. Hier kann man eine schöne gemütliche Tagestour starten, über mehrere Seen und durch die noch junge Obere Havel.

Wir mussten ziemlich zeitig aufstehen, denn für die etwas über 6 km von Speck bis Granzin hatten wir aufgrund der gesperrten Nationalpark-Straßen wieder einen größeren Umweg von einer knappen Stunde (über 50 km) mit dem Auto in Kauf zu nehmen. Die Fahrt war trotzdem schon einmal sehr schön. Auf den abgeernteten Maisfeldern lag noch zarter Herbstnebel. Hier hatten sich bereits die ersten Kraniche zum Frühstück versammelt, die allmorgendlich in kleineren und größeren Gruppen ihre abgelegenen und geschützten Sammel-Schlafplätze verlassen, um auf den Feldern liegen gebliebende Körner aufzupicken.

Das Foto ist von Thomas, das er an einem anderen Tag aufgenommen hat:

Kraniche auf den Feldern

Genau aus diesem Grund werden die Bauern hier dazu angehalten, ihre Felder nach der Ernte nicht gleich wieder zu bearbeiten und zu bestellen, und sie erhalten Ausgleichszahlungen, um den schönen Vögeln ausreichend Futtermöglichkeiten zu bieten. Jegliches Sprühen und Düngen ist seit einigen Jahren im Nationalpark nicht mehr erlaubt. Auch wenn wir die Tiere stets nur aus größerer Entfernung zu sehen bekamen, oft nur aus dem Auto heraus, es war für uns immer ein beeindruckendes und berührendes Erlebnis.

Im Bootsverleih angekommen, wurden wir vom Chef freundlich begrüßt und erhielten eine – unerwartet – umfangreiche Einweisung. Hierzu gehörte zunächst ein Blick in die Karte und die genaue Beschreibung der Route, obwohl man sich auf der Oberen Havel nun wirklich nicht verfahren kann. Dazu bekamen wir alle Ausstiegs- und Umtragepunkte und Möglichkeiten für Vesper und Toilette gezeigt. Und nicht zu vergessen: Ein paar Verhaltensregeln, denn man darf natürlich zum Schutz der Natur nicht überall aussteigen, und in einigen Sen darf man nur entlang der dort ausgelegten Bojen fahren.

Danach nahmen wir die Ausrüstung – Paddel, wasserdichte Taschen, eine Karte, sogar ein paar Iso-Kissen für Popo und Rücken und – auch damit hatten wir nicht gerechnet – Schwimmwesten in Empfang. Dies sei hier Pflicht, wurde uns erklärt, da ja nicht nur flache Flüsse, sondern durchaus auch tiefere Seen zu durchqueren seien. Ok, das leuchtet ein. Dann ging es jedoch immer noch nicht los. Wir nahmen ein 2-er Tourenkajak in Empfang, setzten uns zur Probe mal hinein, bekamen das Steuer erklärt und zu guter Letzt noch eine kleine Einweisung im Halten und Führen des Paddels. Das nenne ich Service!

Zu guter Letzt vereinbarten wir unseren Endpunkt in Blankenförde, ein paar Kilometer weiter im Süden und eine Uhrzeit. Hier wollte uns der nette Bootsvermieter am Abend abholen und samt Boot nach Granzin zurück transportieren. Er empfahl uns jedoch, noch ein Stück weiter zu fahren, denn hinter Blankenförde käme das schönste Stück, bis zum Useriner See, die reine Wildnis. Hier würde die Havel ihrem Beinamen, „Amazonas“ gerecht!

Nun konnten wir endlich losgehen. Wir verstauten unsere Sachen in den Beuteln und diese im und auf dem Boot, zogen die Schwimmwesten über (Thomas jedoch nur für kurze Zeit), ließen das Boot ins Wasser – und paddelten los, auf der Havel Richtung Süden.

Start südlich vom Granziner See

Hach, war das wieder schön – nach den anfänglichen Koordinationsschwierigkeiten zwischen Thomas und mir… Aber das ist sicher normal. Wir waren erst einmal miteinander gepaddelt, letztes Jahr im Spreewald. Bald aber konnten wir die Idylle und die Ruhe hier nur noch genießen. Zumindest ich…

Ok, ich sag es gleich – für Thomas war der Genussfaktor wohl erheblich eingeschränkt. Das Boot war für ihn, wie sich schnell herausstellte, nicht so gut geeignet. Er hatte eindeutig zu wenig Platz, konnte die Beine nicht einen Moment anwinkeln und bekam Rückenschmerzen. Das war nicht so schön, und das nächste Mal, so riet uns später auch der Chef, sollten wir ein offenes Kajak nehmen (eines wie wir es im Spreewald hatten). Ich hoffe ja, es gibt ein nächstes Mal, und Thomas paddelt weiterhin immer mal mit mir!   🙂

Wir fuhren ein kleines Stück durch diesen urigen Kanal und durch den ersten kleinen See, den Schulzensee. An dessen Ende muss man schon wieder aussteigen, da die Havel auf den nächsten 700 m nicht befahren werden darf. Hier wurde zum Umtragen eine Lorenbahn installiert. Wir zogen das Boot aus dem Wasser, trugen es über eine Straße und wuchteten es auf die Halterung. Nun hieß es, 700 m schieben/ziehen.

Lorenbahn

Die Bahn machte einen Höllenlärm! Ich fragte mich, ob das im Sinne der schützenswerten Natur sei, wenn man auf der Havel nicht paddeln darf, beim Umtragen dafür diese Geräusche verursacht. Als ich diese Frage am Abend beim Bootsvermieter stellte, schmunzelte er natürlich – die Natur sei hier jahrelang einiges gewöhnt, einschließlich der Nutzung als militärische Übungsplätze. Hier haben Panzer und andere schwere Geschütze ganz anderen Lärm gemacht, und dennoch habe sich hier eine ungleich vielfältige Natur entwickelt. Die Tiere seien das gewohnt.

Wir kamen am Ufer des Pagelsees an. Hier war es einfach zu schön und zu ruhig, um gleich weiter zu fahren. Außerdem war es inzwischen Mittag, und wir hatten Hunger. Wir nutzten die Sitzgruppe für eine gemütliche Mittagspause mit belegten Broten und Tee aus der Thermoskanne.

Am Pagelsee

Es war absolut still und friedlich hier, wie auch der Blick auf den See, in dem sich die Wolken spiegelten, und ein Schwanenpärchen, das lautlos auf dem Wasser trieb.

Schwäne auf dem Pagelsee

Wenn wir uns heute nicht eine Paddeltour vorgenommen hätten, wären wir sicher hier geblieben. Als wir unsere Sachen zusammenpackten, rumpelte die Lorenbahn ein weiteres Mal. Ein jüngeres Paar samt Boot kam angefahren. Deutlich sichtbar geübt und erfahren hoben sie ihr Boot ins Wasser und stiegen ein, nicht ohne uns noch freundlich gefragt zu haben, ob sie uns beim Einsteigen helfen sollen. Ob wir wohl einen hilfebedürftigen Eindruck erweckten?   😀

Hier gab es ja keine ordentliche Anlegestelle. Egal, wir saßen wieder in unserem Boot, waren nicht nass geworden und paddelten über den ersten größeren See. Wir hielten uns rechts, so wie auch das andere Pärchen – und hielten ziemlich bald wieder an. Am rechten Ufer saßen gleich mehrere Kormorane in den Bäumen. Ein wunderbarer Anblick. Die anderen Beiden lächelten uns zu, auch sie hatten die Kormorane entdeckt. Ich hatte noch nie welche in der Natur gesehen. Wir ließen uns treiben und schauten wie gebannt auf die Gruppe. Einer nach dem anderen löste sich vom Baum, um vor uns nach links weit über den See zu fliegen, im Wasser zu landen und dort weiter zu schwimmen.

Natürlich konnte ich so schnell kein Foto machen, ich wollte lieber schauen und nicht fotografieren. Die klasse Fotos sind von Thomas, die ihm in der ersten Woche am Warnker See gelungen sind – aber so ähnlich sahen wir es heute auch.

Erst nach einer ganzen Weile, in der wir versuchten, uns möglichst nicht zu bewegen, paddelten weiter über den See, ließen uns treiben und beobachteten die Schwäne, die sich ebenfalls treiben ließen.

Das andere Pärchen war inzwischen weit vor uns, so dass wir durch sie gut erkennen konnten, wo sich der Ausgang in die Havel befand.

Ausgang zur Havel

Wir durchquerten den nächsten Havelarm. Wieder empfing uns Ruhe und Idylle…

Stille und Idylle

Die Wasseroberfläche war mitunter so spiegelglatt, dass man stellenweise den Übergang zum Ufer nicht erkennen konnte. Die Ufer waren dicht bewachsen mit hohen Gräsern, Büschen und Bäumen, ab und zu ragte ein abgestorbener Baum aus der Nässe heraus.

Abgestorbener Baum

Wir durchpaddelten den Zotzensee, auf dem man nur entlang der grünen Bojen fahren darf. Am fernen Ufer entdeckten wir einen Silberreiher, hier konnte er sicher sein. Schwäne trieben auch hier gemütlich durchs Wasser, und auf jeder der grünen Bojen hatte es sich jeweils eine Möwe gemütlich gemacht.

Nun hatten wir wieder ein längeres Stück auf der Havel vor uns, in dessen Mitte eine Möglichkeit zum Aussteigen und Rasten auf uns wartete – die Fischerei Babke. Doch zuvor wurde es etwas ungemütlich – was hörten unsere verwöhnten Ohren?? Motorenlärm!! Kurz vor und hinter einer Brücke waren schwere Geräte damit beschäftigt, die Ufer zu „verschönern“ und das hohe Gras abzumähen. Wir trauten unseren Augen und Ohren nicht!

Ufer werden abgemäht

Hier gleich noch eine Maschine… Die freundlichen „Gärtner“ hielten jedoch kurz inne, und so kamen wir staubfrei an ihnen vorbei.

Noch eine Maschine

Die Ufer hatten jedenfalls viel von ihrer Schönheit und Natürlichkeit verloren, fanden wir. Dies würde jedoch jedes Jahr einmal um diese Jahreszeit erledigt, erklärte uns am Abend der Bootsvermieter.

Schließlich trafen wir an der Fischerei Babke ein. Auch hier muss man das Boot an Land ziehen und mithilfe einer Lore ein paar Meter transportieren. Wir legten unseres ins Gras, denn hier wollten wir einen Kaffee trinken… und natürlich meldete sich inzwischen auch ein anderes dringendes Bedürfnis.  😀

Die Fischerei ist ein guter Anlaufpunkt für Fischliebhaber. Es gibt gemütliche Sitzgelegenheiten direkt am Wasser und oberhalb am Imbissverkauf. Wir fanden es hier echt gemütlich. Das Beste war natürlich wie überall hier – der Blechkuchen! Wir verdrückten jeder ein großes Stück Pflaumenkuchen, natürlich selbst gebacken, wie uns die Inhaberin bestätigte. Ich eine Tasse Kaffee dazu, und Thomas gönnte sich ein Bier. Einmal wieder staunten wir über die niedrigen Preise.

Das Pärchen von heute morgen saß natürlich auch schon hier – die Schuhe ausgezogen und ließ sich von der Sonne verwöhnen. Ein weiteres Paar, welches mit Rädern unterwegs war, ebenfalls. Sonst war die große Anlage leer. Für uns gut – um so mehr Ruhe hatten wir. Ein wirklich schönes gemütliches Plätzchen. Wir saßen ziemlich lange hier, und als letzten Endes noch mehrere Seeadler über uns auftauchten und ihre Kreise zogen, war die Mittagspause perfekt!    🙂

Hier wieder ein tolles Foto von Thomas, das mit dem Handy natürlich so gut nicht gelingt:

Adler

Immer, wenn Seeadler über uns auftauchten, war das für uns ein besonderes Erlebnis. Während dies für die Einheimischen hier scheinbar ein normaler Anblick ist, dem sie kaum Beachtung schenken (so war unser Gefühl), blieben wir immer stehen und starrten gebannt nach oben, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Diese faszinierenden Vögel, die wegen ihrer brettartigen Silhouette und beachtlichen Flügel-Spannweite von bis zu 2,40 m auch „liebevoll“ Schranktüren genannt werden, bekamen wir ja sonst nie zu Gesicht! Doch wir mussten weiter, wir hatten noch nicht einmal die Hälfte unserer geplanten Strecke geschafft. Wieder fuhren wir in den engen urigen Kanal der Havel. Wieder hatte uns die Stille.

Wieder auf der Havel

Plötzlich löste sich vom rechten Ufer ein kleines leuchtend blaues Vögelchen und schnipste zum linken Ufer hinüber. Ein Eisvogel! Ich hatte meinen ersten Eisvogel gesehen, wenn auch nur kurz. Ein tolles Erlebnis, denn die kleinen Schönheiten sind scheu und kommen zudem sehr selten vor. Hier haben sie ein Paradies, und sie überwintern sogar in Mecklenburg, was in den letzten Jahren während besonders harter Winternmonate unter den Brutpaaren zu starken Einbußen geführt hat. Auf unserer Tour heute sollten wir diesen kleinen schillernden Prachtvogel jedoch immer wieder zu sehen und zu hören bekommen. Diesen hier hörten wir immer noch, ungefähr so (Abspielen klappt leider nicht im Firefox, bitte verwendet einen anderen Browser):

Während wir immer noch fasziniert lauschten, kam uns ein Kajak entgegen gepaddelt. Darin ein älteres Pärchen. Sie hatte ihre langen grauen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, er versteckte seinen ebenfalls leuchtend grauen Haarschopf unter einem Basecap. Ein sympathisches Paar, das unglaublich jung wirkte in seinem roten Kajak. Ob das ein Eisvogel sei, fragte die Frau. Ja, wir haben ihn gerade gesehen, antworteten wir, und wir freuten uns alle miteinander. Schließlich paddelte jeder in seine Richtung weiter.

Nun durchquerten wir wieder einen größeren See, den Jäthensee. Auch hier darf man nur entlang der grünen Bojen fahren, um die Ruhe der Uferzonen und ihrer Bewohner nicht zu stören. Wir hielten uns, so gut es ging, daran, der Wind trieb uns aber immer wieder etwas weiter ab.

Bojen

Wie immer hatte sich auf jeder Boje eine Möwe niedergelassen. Schwäne spazierten auch hier übers Wasser. Sonst war es ruhig. Über dem See hatten sich spannende Wolkenberge aufgetürmt. Es war ziemlich frisch hier, auf der „offenen“ See.

Wolken über dem Jäthensee

Noch bevor wir den Ausgang in den nächsten Havelkanal erreichten, entdeckten wir in der Ferne, am Eingang ein rotes Kajak. Das war das ältere Paar, mit dem wir vorhin gesprochen hatten. Sie waren also bereits auf dem Rückweg. Naja, wir bummelten ja auch reichlich gemütlich vor uns hin.

Nun wurde es wieder still. Und urig. Die Sonne drang durch die dichten Bäume am Ufer und zauberte helle Flecken auf die Wasseroberfläche. Und wieder schwirrte ein Eisvogel vor uns ans andere Ufer. An einer Brücke hielten wir und ließen uns wieder treiben, lauschten und genossen die Stille.

Hier holte uns das sympathische Paar wieder ein. Ist die Stille nicht herrlich, schwärmte die Frau, außer uns natürlich… und sie lachte. Wir berichteten von unseren weiteren Eisvogel-Begegnungen. Sie dagegen haben gerade eine Wasserschlange gesehen, erzählte die Frau. Und so tauschten wir uns über unsere Entdeckungen aus. Wir wünschten uns noch einen schönen Tag und spannende Beobachtungen, dann paddelten sie gemütlich weiter und wir noch gemütlicher hinterher. Ab nun blieb ihr rotes Boot immer vor uns in Sichtweite.

Das ältere Paar vor uns

Vor Blankenförde wurde die Havel immer uriger, wilder… Wir konnten uns nicht satt sehen. Hohes wildes Gras, grün und verdorrt, Schilf, Wurzeln, Stämme, wirres Gebüsch links und rechts, Äste ragten weit übers Wasser und bildeten ein uriges Dach. Und all das spiegelte sich ein zweites Mal im Wasser zwischen abgeblühten Seerosen und welken Blättern. Hier könnte ich jeden Tag sein.

Idylle

Und es wurde mit jedem Kilometer einfach immer schöner. Bald tauchten die ersten Bootshäuser von Blankenförde auf. Beneidenswert, wer eines dieser urigen Häuschen besitzt und hier wohnen darf.

Boothäuser von Blankenförde

Häuschen

Umso größer unser Erstaunen, als die Beiden vor uns an einem der rechten Häuschen anlegten und aus ihrem Boot kletterten. Als wir auf ihrer Höhe ankamen, riefen sie uns einen Gruß zu: Wir sind jetzt da! Das wollte ich jetzt genauer wissen. Wohnen Sie hier? fragte ich. Ja, seit 2 Jahren! Wow, wunderschön!

Wir bewunderten ihren Wohnort natürlich entsprechend, dann entfernten wir uns schon wieder. Der Mann rief uns hinterher, wir sollen doch noch ein Stück weiter fahren, denn jetzt komme der wirklich schönste Abschnitt bis zum Useriner See. Genannt „Amazonas“. Ja, genau das haben wir vor!

Wir hatten nun noch 1 Stunde Zeit bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns mit dem Bootsvermieter hier, in Blankenförde treffen wollten. Wir konnten also noch eine halbe Stunde weiter Richtung Useriner See paddeln und schauen, wie weit wir kommen, dann mussten wir umkehren.

Wieder tauchten wir ein in eine stille friedliche wilde Kulisse.

Dann durchquerten wir nochmals einen See, den Gortowsee.

Gortowsee

Wir hielten uns ziemlich nah am rechten Ufer, hier musste der Eingang ins Amazonas-Gebiet sein. Die Seerosen waren leider alle schon verblüht. Unser Boostvermieter hatte uns erzählt, welch schöner Anblick das noch weniger Tage vorher gewesen sein muss. Aber es war auch so ein schöner Anblick.

Serosen und Schilf

Dichtes Schilf säumte das Ufer – idealer Wohnraum für viele scheue Bewohner.

Dichtes Schilf

Und wieder der Wechsel vom See zum engen urigen Kanal. Die Natur schien hier so wild und ursprünglich, die Wasseroberfläche war hier so ruhig und spiegelglatt, dass man beinahe das Gefühl hatte es sei lange niemand mehr hier gewesen. Fast hatte ich das Gefühl, hier störend einzudringen. Unwillkürlich paddelten wir leiser, vorsichtiger und saugten die Bilder auf. Rechts schreckten wir ein paar Rehe auf, wir kamen nur die Konturen zu sehen, dann flohen sie in den Wald. Immer wieder hörten wir einen Eisvogel und sahen den einen oder anderen in seinem flinken Flug. Meine Fotos können die Atmosphäre dort nur annähernd wiedergeben. Ich habe hier auch gar nicht viel fotografiert.

Hinter dem Gortowsee

Nach einer halben Stunde erreichten wir den Zierzsee.

Zierzsee

Es ist der See vor dem Useriner See. Wir mussten nun umkehren. Es fiel uns nicht schwer, wir waren erfüllt und allmählich auch müde. Wir drehten um und paddelten nun nochmals, in umgekehrter Richtung, durch diesen einmalig schönen Abschnitt. Dieses Mal der Abendsonne entgegen.

Pünktlich kamen wir in Blankenförde an, zogen das Boot aus dem Wasser, und nach wenigen Minuten traf der Bootsvermieter ein, um uns abzuholen. Wir verstauten das Boot auf dem Hänger und uns samt Ausrüstung in seinem Wagen. Auf der Rückfahrt überquerten wir die Havel hier und da, und er zeigte uns nochmals einige schöne Stellen, die wir durchpaddelt hatten, aus der Straßenperspektive. Wir erzählten ziemlich lange miteinander und erfuhren, dass er vor einigen Jahren aus dem Rheintal hier her gezogen sei. Bekannte aus dem Aichtal (!!) hatten ihn her geholt. In Aichtal wohnte ich vor kurzem noch. Die Welt ist klein!   😀

Letzten Endes bekamen wir von ihm noch einige Tipps für schöne Bootstouren und Ferienwohnungen im Nationalpark Müritz. Als wir uns verabschiedeten, färbte sich der Himmel, wie schon an den letzten Abenden, in ein wunderschönes leuchtendes Orange-Rot ein. Riesige Kranichformationen tauchten darunter auf – es war Zeit, die Kraniche waren auf ihrem allabendlichen Flug zu ihren Schlaf-Sammelplätzen. Ein traumhafter Abschluss.

Sonnenuntergang

Länge: 15 km

Vom Granzinsee bis zum Useriner See sind es ca. 15 km. Das ist in einer Tagestouur bequem zu schaffen.

Unser Bootverleih: Komoran Kanutouring

Kosten: 35 EUR (2-er Tourenkajak für den ganzen Tag) plus 20 EUR für die Rückholung (die man sich jedoch zu mehreren teilt)

Unsere Route:

Fotos Kraniche, Kormorane und Seeadler: Thomas Schmidt

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6 Kommentare

  1. Hallo Ihr Beiden,
    ein herrlicher Bericht ist das und wunderschöne Bilder – wenn auch manchmal recht drohende dunkle Wolken 🙂 …. man kann das so richtig miterleben und ich habe auch schon meine Gedanken in die Richtung gelenkt, daß ich in die Gegend umbedingt nochmal muss. Vielen Dank für Deine Inspirationen.
    Liebe Grüße Angelika

    • Schönbuche

      Hallo auch ihr Beiden,
      das kann ich nur empfehlen. Beim Schreiben wird mir einmal mehr bewusst, wie schön es dort ist. Klar, die Berge und die weiten Aussichten gibt es da nicht. Dafür wird man durch die ungestörte Natur und viel Ruhe mehr als entschädigt.
      Dankeschön für dein Lob. 🙂
      Liebe Grüße zurück an euch!!

  2. Hallo liebe Katrin, hallo lieber Thomas,

    was für ein Bericht!
    Ich glaube, liebe Katrin, du hast beim Aufschreiben jede Situation noch einmal vor Augen gehabt, du hast noch einmal deutlich den Seeadler gesehen, hast die Stille genossen und ganz deutlich den Amazonas gesehen. Ihr müsst euch doch vorgekommen sein, wie mit Andreas Kieling unterwegs. 🙂
    Ganz tolle Bilder habt ihr gemacht, sehr eindrucksvoll.
    Das war doch wunderbare Eigenwerbung von der Müritz 🙂 .

    Viele liebe Grüße
    von Frieder

    • Schönbuche

      Hallo lieber Frieder,
      mit Andreas Kieling unterwegs – hihi… dem wäre vielleicht langweilig geworden bei unserem Tempo. 😀
      Wärend ich dies schreibe, lärmt unten im Garten eine Motor-Heckenschere, und ich habe Sehnsucht nach der Stille auf dem Mecklenburger Amazonas!
      Ja, Thomas hat wirklich schöne Fotos geschossen. Ich hoffe, er kommt demnächst dazu, die aufzubereiten und in seinem Blog zu veröffentlichen. Und ich will in den nächsten Tagen von der Kranichtour berichten, das war wirklich beeindruckend!
      Ganz liebe Grüßle zurück an euch 3
      eure 2 – Thomas und Katrin

  3. Welch ein Abenteuer und wie groß die Fülle der Erlebnisse an diesem Tag.
    Liebe Katrin, einen Eisvogel habe ich auf meinen vielen Wanderungen noch nie gesehen. Ich freue mich für dich, das ist ein Erlebnis, das haften bleibt, ebenso die vielen Momente intensiven Erlebens.

    Es fällt mir auf, dass mir für solche Erlebnisse dann doch jemand fehlt, mit dem ich die Gefühlsintensität solcher Momente erleben kann, wenn es denn passt 😉

    Wunderschön, was du über euren Urlaub alles schreibst und sehr gut nachfühlbar.

    Ich grüße aus dem noch schlafenden Leverkusen (Spike schnracht auch in seinem Bett)
    Elke

    • Schönbuche

      Liebe Elke,
      du bist ja zeitig schon am Schreibtisch, da verstehe ich Spike! 😀
      Meine Freundin sagte mir, dass sie von ihrem Balkon aus auch immer mal einen Eisvogel sieht. Dort habe ich mal gewohnt, 2 Etagen über ihr! Vorm Haus fließt ein Bächlein, dort kommt immer mal ein Reiher zu Besuch. Und wohl auch ein Eisvogel. Jetzt muss ich sie dringend öfter mal besuchen!
      Ich kann übrigens oft viel intensiver erleben und genießen, wenn ich allein bin. So unterschiedlich ist das…
      Ich denke, inzwischen ist Spike auch aufgewacht und hat dich zu einem Spaziergang überredet. Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag – heute wieder mit Sonne 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Katrin

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