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Nach einer langen Zeit, in der ich mal wieder für Monate aus gesundheitlichen Gründen nur schwer auf die Beine kam, hat es endlich geklappt: Für 2 Wochen bezogen wir eine Ferienwohnung in einem Minidorf namens Speck.

Speck (Kargow) befindet sich mitten im Nationalpark Müritz in (oder auf?) der Mecklenburger Seenplatte. Seit 2 Jahren bereits steht diese Gegend auf meiner Wunschliste. Umso größer war meine Freude, als Thomas, den es bisher viel lieber in den Spreewald zog, bereits wenige Minuten nach unserer Ankunft begeistert feststellte, dass er nächstes Jahr wieder kommen möchte. So schnell können sich die Dinge ändern! Da dies auch heute, wieder zu Hause, immer noch sein Wunsch ist, hat er es also ernst gemeint. Und auch mir ist der Abschied schwer gefallen, wie lange nicht mehr, und am liebsten würde ich gleich wieder die Koffer packen.

Die nächsten Beiträge möchte ich also von unseren Tagen im Nationalpark Müritz berichten, unseren Touren per Rad, per Paddelboot und natürlich zu Fuß, von einer ungleich bezaubernd schönen und wilden Natur, von stillen Seen, Mooren und Sümpfen, uralten Kiefern und Eichen, von Tieren, die wir bisher nie live zu sehen oder zu hören bekamen, wie röhrende Hirsche oder das Schreien tausender Kraniche, von kleinen idyllischen Dörfern mit ihren hübschen Backsteinhäuschen, schmucken Gutshäusern, Schlösschen und schlichten Kirchen, von langen Alleen, von leckerem Blechkuchen, von einer Stille, Ruhe und Gemütlichkeit, die einfach nur Balsam für die Seele ist… ich komme schon wieder ins Schwärmen!

Nachdem wir die ersten beiden etwas regnerischen Tage damit verbracht hatten, uns die Stadt Waren an der Müritz anzuschauen, einzukaufen und noch etwas Material in den Naturpark-Informationszentren zu besorgen, nutzten wir die ersten Sonnenstrahlen für einen gemütlichen Spaziergang von Speck aus. Eine gute Variante, um sich einen Überblick über eine Gegend zu verschaffen, ist immer ein Aussichtsturm. Knapp 2 km von Speck entfernt befindet sich ein solcher: Der Käflingsbergturm auf dem gleichnamigen Berg – Käflingsberg (wenn man das so nennen kann…), dem mit 100 m höchsten Berg weit und breit!

Ausgeschildert ist der Weg dahin mit einem „schwarzen Wildschwein“. Er verläuft neben der Straße Richtung Boek, die jedoch inzwischen für den öffentlichen Verkehr durch eine Schranke gesperrt ist. Hier dürfen nur Anwohner und Inhaber eines Nationalpark-Tickets, mit dem man die gesperrten Bereiche per Bus erreichen kann, hindurch. Entsprechend ruhig ist der Weg.

Weg zum Käflingsbergturm

Uralte riesige knorrige Eichen, aber auch junge Kiefern säumen den Weg. Hier verlief einmal das Ufer der Müritz vor der künstlichen Wasserabsenkung, und die 3 Seen in unmittelbarer Nähe von Speck, der Priesterbäker, der Hofsee und der Specker See waren einst eins mit der Müritz. So bummelten und trödelten wir vor uns hin, blieben minutenlang stehen, um einen uns unbekannten Käfer zu beobachten, Pilze zu bewundern oder vermoderndes Holz. Es war Ankommen im Urlaub.

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Eine besonders alte Eiche ist sogar als Naturdenkmal deklariert. Sie ist ca. 700 Jahre alt und hat einen Umfang von 5,80 m. Beeindruckend ist so ein alter Baum!

Solche Riesen sollten wir hier noch öfters sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weg zum Turm

 

Irgendwann führt der Weg über die Straße und auf der anderen Seite in den Wald hinein. Eine Informationstafel gibt Auskunft über den Turm und die Umgebung. Für Radler, die nicht bis zum Turm fahren möchten, sind Radständer eingerichtet. Es waren nun einige Spaziergänger unterwegs, auch ein paar Radfahrer.

Auch hier prägen junge Eichen und Kiefern das Waldbild als Übergang zurück zum Urwald. Sonnenstrahlen drangen durch die schmalen Stämme und taten gut.

Weiter hinten zeugen diese Schilder von der militärischen Nutzung dieser schönen Gegend in der jüngeren Vergangenheit.

 

Betreten verboten

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, und die Natur erobert sich die Flächen, auf denen einst Panzer tiefe Furchen gruben, zurück.

Bald tauchte vor uns auch schon der 55 m hohe Käflingsbergturm auf.

Käflingsbergturm

Doch bevor wir die 167 Stufen hinauf stiegen, war zunächst ein Vesper nötig. Am Fuße des Turms gibt es mehrere Sitzgruppen, wo man es sich gemütlich machen kann. Es gibt auch hier einige interessante Informationstafeln. Außerdem Wegweiser, die die Wanderung zum nächsten Nationalpark erleichtern sollen.   😀

Oben genossen wir dann herrliche Rundum-Aussichten über den Nationalpark. Weite dichte Wälder in allen Richtungen, dazwischen Seen und ein paar Ortschaften. Von hier oben kann man gut erkennen, wie die letzte Eiszeit diese Landschaft der Mecklenburger Seenplatte geprägt hat – ein leicht hügeliges Gelände, dazwischen zahlreiche Seen, die durch Schmelzwasser entstanden sind.

Blick über den Naturpark

Hier der Große und der Kleine Zillmannsee, zwei dieser Seen.

Zillmannseen

Und hier der Blick Richtung Speck, hinten am Horizont die Müritz, der See, der diesem Nationalpark den Namen gab, übrigens der größte See innerhalb von Deutschland. Davor die 3 Seen bei Speck, die ich oben schon erwähnte (Specker, Hofsee und Priesterbäker See). Unser Dorf Speck, das gleich vorn rechts am ersten See liegt, war nicht zu erkennen, es ist eingebettet im Wald!

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Dies alles wurde uninteressant, als über uns ein Seeadler auftauchte und über die Wälder kreiste. Das war der erste Seeadler, den wir zu Gesicht bekamen, und Thomas schoss mit seiner Nikon klasse Fotos (die er hoffentlich auch noch veröffentlicht).

Dann wurde es zu frisch hier oben, und wir machten uns auf den Weg zurück Richtung Speck (der Weg endet hier). Unterwegs nahmen wir den Abzweig zum Wanderweg „rotes Eichhörnchen“, der zum Priesterbäker See führt. Nun liefen wir wieder durch urigen Wald, entlang der Kernzone. Es duftete herrlich nach Pilzen und nach feuchtem Waldboden. Die Stille war beinahe unheimlich.

Steg zum Priesterbäker See

Das letzte Stück zum Priesterbäker See führt auf einem Holzsteg über den Sumpfgürtel hinweg. Auf einer Aussichtsplattform kann man es sich gemütlich machen und (stundenlang!) einfach nur auf den stillen See starren, runterkommen, abschalten vom Alltag, und wenn man Glück hat, so wie wir, Silberreiher, Wildenten oder andere Vögel beobachten. Natürlich sollte ein gutes Fernglas immer im Rucksack sein.

Priesterbäker See

Ein Paar saß auf der anderen Seite der Plattform, und wir kamen ins Gespräch. Einmal saß sie hier, berichtete die Frau, und habe sogar eine Rohrdommel gehört. Das würde ich auch gern erleben, muss beeindruckend sein. Rohrdommeln sind aber wohl nur im Frühjahr zu hören und so gut wie nie zu sehen, so gut getarnt verstecken sie sich im Schilf.

Dafür schwebten riesige wunderschöne Libellen im Schilf umher. Wir genossen diesen friedlichen Anblick.

Priesterbäker See

Den weiteren Rückweg nahmen wir über einen sandigen Weg an einer weiten Wiese entlang hinter Speck. Wieder duftete es herrlich nach Plizen und Kiefernadeln. Überhaupt wurden wir all die Tage immer wieder von ungewohnt intensiven Gerüchen überrascht.

Wiese hinter Speck

Dies war jetzt nicht mehr der offizielle Wanderweg, aber umso schöner – stille Wiesen, wieder riesige Eichen und Kiefern. Wir nahmen einen Trampelpfad entlang der eingezäunten Kernzone.

Trampelpfad entlang der Kernzone

Auf freien Flächen kämpften sich junge Birken nach oben.

Junge Birken

Immer wieder blieben wir stehen, weil uns irgendein Detail fesselte, wie eine Kreuzspinne in ihrem Netz. Wann hat man dazu schon Zeit und Muse im Alltag? Thomas fand zahlreiche Fotomotive. Zwei Pärchen überholten uns und waren ebenso fasziniert, und so standen dann gleich mehrere Fotografen vor dem Spinnennetz! 😀

Dann tauchten vor uns die Häuser von Speck auf.

Speck

Zeit für einen Kaffee und ein Stück Kuchen! Neben dem Haus, in dem wir wohnten, befindet sich der Fuchsbau, eine kleine urige Rast für Radler und Wanderer. Bei der netten Wirtin haben wir uns dann öfters noch ein Stück ihres selbstgebackenen Blechkuchens geholt.

Fuchsbau

Natürlich nahmen wir uns vor, öfters zum Priesterbäker See zu laufen oder zu radeln, was wir in den nächsten Tagen, mit einem Vesper und Fernglas im Rucksack, auch getan haben.

Priesterbäker See

Hier der Track zu dieser kleinen Runde:

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6 Kommentare

  1. Hallo Ihr Beiden,
    das ist ja wirklich ein schöner Bericht und man kann die Ruhe so richtig nachempfinden. Der Urlaub hat Dir sicher sehr gut getan … die Gegend mit den Seen ist auch wirklich traumhaft. Ich hoffe da kommen auch noch ein paar Eindrücke vom Paddeln und so :-)))
    LG Angelika

    • Schönbuche

      Hallo liebe Angelika,
      dankeschön, du kennst die Gegend ja auch und kannst sicher nachvollziehen, wie gut es einem da oben geht und wie faszinierend und beruhigend die Natur wirkt.
      Ich werde mir Mühe geben, in der nächsten Zeit mehr zu schreiben. 😀
      Die Gegend verdient es, und so bleiben die Erinnerungen noch etwas länger erhalten.
      Liebe Grüße zurück an euch beide
      Katrin

  2. Hallo liebe Katrin,
    du hast uns alle einen wunderbaren Einblick in den Nationalpark Müritz gewährt.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie erholsam es war, durch die Landschaft zu gehen, die Stille zu geniessen, Käfer und Vögel zu beobachten.
    Man bekommt richtig Lust auf Urlaub an der Müritz. -:)

    Viele liebe Grüsse
    von Frieder

    • Schönbuche

      Lieber Frieder,
      da freu ich mich, wenn ich dir Lust auf einen Urlaub an der Müritz machen. Sicher würde euch das auch gefallen. Und Unmengen Pilze gab es jetzt zu dieser Jahreszeit. Ich habe oft an euch gedacht, als ich die vielen Pilzesammler sah. 😀
      Viele liebe Grüße an euch zurück!!
      Katrin

  3. Liebe Katrin,

    das ist nun eine Gegend, die ich so überhaupt nicht kenne. Sehr schön darüber zu lesen und die Bilder zu betrachten. So ein Spinnennetz ist etwas, wo die Schnecken auch gerne stehen bleiben, es betrachten und von allen seiten begutachten, wobei Tanja da etwas ängstlich reagieren kann.
    Der nächste Bericht wird morgen gelesen, jetzt fallen mir die Knöpfe zu.

    Einen lieben Knuddelsgruß aus dem Rheinland
    von Elke

    • Schönbuche

      Huhu liebe Elke, guten Morgen,
      ich kannte die Gegend auch nicht – unglaublich, obwohl ich doch im Osten aufgewachsen bin. Wir haben uns immer auf die Highlights wie Ostsee und Thüringer Wald konzentriert. Zu Unrecht! Wer allerdings Berge und weite Aussichten braucht, für den ist es nichts. Ich habe sie nicht vermisst, wo ich im Moment eh keinen Berg hoch schaffe. 😀
      Man schaut sich dafür eben mehr Käferchen und Spinnen an. 😀
      Ganz liebe Knuddelgüße zurück an euch Beide
      Eure Katrin

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