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Vor ein paar Tagen schrieb ich in einem ersten Bericht über unseren Urlaub in Speck, einem kleinen Straßendorf im Nationalpark Müritz. Allmählich hatten wir uns an diese absolute Stille und Dunkelheit nachts gewöhnt. Ja, es war tatsächlich richtig dunkel, denn zwischen 22 und 23 Uhr wurden sogar die beiden Straßenbeleuchtungen ausgeschaltet. Unglaublich, was für einen Sternenhimmel wir hier zu sehen bekamen! Das nächtliche Brüllen und Röhren der Hirsche, die mitten in der Brunft steckten, faszinierte uns noch immer. Es setzte mit der Abenddämmerung ein und schallte uns aus dem Wald hinter den Specker Seen entgegen. Wenn wir nachts wach wurden, hörten wir es, bis zur Morgendämmerung. Ja, Partnersuche ist eben auch im Tierreich mitunter sehr anstrengend und kräftezehrend.  😀

Straße Richtung Schwarzenhof

Eine zweite kleine Runde liefen wir in der ersten Woche, die passend mit einem „roten Hirsch“ ausgeschildert ist, ebenfalls direkt von Speck aus.

Die Runde startet an der Straße Richtung Schwarzenhof. Dort befindet sich am Waldrand ein Wanderparkplatz. Der Morgen empfing uns mit frischer kühler Herbstluft und dem saftigen Grün der weiten Wiesen. Nebelkrähen flogen kreuz und quer über die Straße, von Baum zu Baum, über die Wiesen. Ihr „Krah krah“ war all die Tage in unserem Ohr.

Rechts hatten wir einen schönen Blick über die Wiesen hinter unserem Feriendomizil…

Wiesen hinter Speck

… links versteckte sich im hohen Gras ein alter Bauernhof, der leider am Verfallen war.

Bauernhof bei Speck

Solche alten leer stehenden Gehöfte bekamen wir hier öfters zu sehen.

Wir konnten uns wieder gar nicht satt sehen an dem saftigen Grün, dieser Weite, dieser Ruhe. Hier noch mal ein Blick zurück, in einem der Häuser wohnten wir.

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Weiter unten führte der nun ausgeschilderte Weg rechts in den Wald hinein. Wieder bemerkten wir die intensiven Gerüche – Pilze, Nadeln, feuchter Waldboden, Moos. Vögelchen zwitscherten, ansonsten absolute Stille. Auch hier wuchsen reichlich junge Kiefern und Birken, die sich nach der Trockenlegung der Moore für landwirtschaftliche Nutzung in den letzten Jahrhunderten hier ausgebreitet hatten, nun aber teils wieder am Absterben sind, nachdem man den Mooren seit 1993 wieder eine Chance gibt. Seitdem werden die Moorentwässerungen rückgängig gemacht, sie dürfen wieder wachsen. Später sollten wir viele solcher absterbenden Birken, Kiefern und Erlen inmitten von anwachsenden Mooren und Sümpfen sehen. Hier liefen wir jedoch erst einmal auf weichem sandigen Waldboden.

Wald bei Speck

Kurz daraus führte der Weg bereits mitten durch Moorgebiete und feuchte Wiesen, die jedoch immer noch stark entwässert sind. Eine Tafel informiert über die Entwässerung in der Vergangenheit und die Maßnahmen zur Rückführung der Gebiete in ihren natürlichen Zustand. Dies wird wohl noch Jahrzehnte benötigen.

Thomas hörte einen Specht und zückte sein Fernglas – dies war eine der Lieblingsbeschäftigungen in unserem Urlaub, wie eben auch Spinnen, Käfer, Enten, Adler und andere Vögel beobachten… aber das schrieb ich ja schon.  😀

Während ich mich einmal wieder nicht satt sehen konnte an diesen uralten knorrigen weit verzweigten Bäumen… oder anderen Details.

Beeren

Es wurde immer feuchter neben uns. Fasziniert schauten wir auf dieses ungewöhnliche Bild, diesen Wechsel der Natur zwischen Wald, feuchten Löchern, Wiesen, hohen Gräsern und Schilf und absterbendem Holz.

Sumpfiges Gelände

Sumpfiges Gelände

Sumpfiges Gelände

Pilze

 

Immer wieder gibt es kleine Trampelpfade bis nah heran an dieses Moorgebiet. Und immer mal wieder trafen wir auf fleißige Pilzesammler, denn hier wachsen sie gerade reichlich, um nicht zu sagen, dicht an dicht. Während ich seit meiner Kindheit nicht mehr auf Pilzsuche war, fiel es Thomas ziemlich schwer, solche Prachtexemplare stehen zu lassen.   😀

 

Schließlich trafen wir auf den Mühlensee. Hier fanden wir eine Bank mit einem herrlichen Blick auf den stillen See – der beste Platz für unser Mittagsvesper.

Hier konnten wir schon gut erkennen, wie Bäume den anwachsenden Mooren und Seen zum Opfer fallen – eine Entwicklung, die ja so gewollt ist, um den ursprünglichen natürlichen Zustand wieder herzustellen. Hier und da ragten kahle Stämme aus dem Wasser.

Am Mühlensee

Nun führt der Weg ein Stück am Mühlensee entlang. Auch hier uriger Wald. Jedoch tragen viele Bäume Spuren der einstigen Harzgewinnung in der ehemaligen DDR – ein vertrauter Anblick meiner Kindheit.

Das sieht schon brutal aus. Hat sich aber wohl kaum gelohnt…

Abfluss vom Mühlensee

 

Schließlich biegt der Weg nach links ab. Gern hätte ich zuvor auf einer idyllischen Bank noch einmal einen Blick auf den Mühlensee geworfen. Doch hier saß, versunken in ein Buch, eine Frau, und ich wollte sie nicht stören. Wir liefen nun an einem Bach, dem ehemaligen Ablauf einer früheren Wassermühle zwischen Mühlensee und Specker See entlang. Der hier ansässige Müller hatte ihn gegraben, um das fließende Wasser für seine Mühle zu nutzen. Nun ist es ein stehendes Gewässer. Auch hier die Rückführung zum natürlichen Fluss.

 

 

Nun verläuft der Weg ein ganzes Stück auf dem Müritz Nationalpark Weg, dem einzigen Weitwanderweg im Nationalpark – ausgeschildert mit dem blauen „M“, entlang.

Müritz Nationalpark Weg

Wieder konnten wir auf der einen Seite urige Waldabschnitte und riesige alte Bäume bewundern, deren ausladende Äste weit über den Weg ragten.

Riesige Bäume

Dann wieder saftige stille Wiese rechterhand, sie gehören zur Pflegezone und sind  eingezäunt.

Eingezäunte Wiesen

Wir trödelten im gewohnten Schneckentempo vor uns hin, schauten ausgiebig in einen dicken abgestorbenen Baumstamm, der sicher Wohnung vieler Insekten oder anderer Tiere ist, oder beobachteten eine Spinne, die dabei war, ihre „Wohnung“ zu bauen.

Beobachtungsstand Hofsee

Schließlich kamen wir am Hofsee an. Hier befindet sich ein Beobachtungsstand, in dem wir natürlich auch wieder einige Zeit verbrachten und auf den friedlichen See schauten. Was gibt es Entspannenderes?

Still und spiegelglatt lag der See vor uns.

 

 

Blick auf den Hofsee

Der Weg führte uns weiter in der Nähe des Hofsees entlang. Dichte Gräser, hohes Schilf…

Hofsee

… hier und da eine abgestorbene Birke auf einer feuchten Wiese.

Wiese

Unbeschreiblich, wie sich die Ruhe dieser Landschaft auf einen überträgt.

Thomas schaute immer wieder auf den Boden. Das Pilzfieber hatte ihn erwischt. Vor allem die Riesenboviste hatten es ihm angetan, die Wiesen waren voll davon, und er konnte gar nicht verstehen, dass man die hier nicht sammelte! Tja, bei diesem Angebot… Dann wieder erschnupperte er einen Stinkmorchel und suchte und suchte… Er hatte ihn in der Nase, konnte ihn aber nirgends entdecken.  😀

Wir nahmen uns vor, das nächste Mal einen Beutel in den Rucksack zu packen, damit er mich am Abend einmal mit einem leckeren Pilzgericht verwöhnen kann.    😀

Wir näherten uns wieder Speck, liefen nun aber noch zu diesem verfallenen Bauernhaus, das uns schon mehrere Male aufgefallen war… Hier hatte wirklich lange niemand mehr gelebt. Auf dem Boden lagen Zeitungsfetzen aus den 70-er Jahren… Schade um solche alten Häuser in dieser traumhaften Natur…

Hier der Track zu dieser Runde:

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2 Kommentare

  1. Ach Katrin wie wunderschön.
    Ich plane irgendwann einem Experten in Sachen Pilz zu lauschen.
    Ein- zwei Mal Pilze sammeln in meinem Leben, das wünsche ich mir!

    Die Stille, die du beschreibst, ich lausche ihr gerade wenn ich deinen Bericht lese und die Bilder betrachte.

    Danke für diese Eindrücke und einen lieben Gruß
    Elke

    • Schönbuche

      Das ist ja eine klasse Idee, liebe Elke. Ich bin da völlig unbeholfen und kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie man einen Pilz vom anderen unterscheiden kann. Und dann die giftigen Doppelgänger… Ich würde mir da nicht trauen und esse sie lieber gekauft. Die schmecken natürlich nicht annähernd so gut…
      Ja, diese Stille fehlt mir auch sehr. Gestern Abend haben wir wieder ziemlich laut den Flughafen gehört. Heute morgen auch beizeiten. Stille ist ein Luxus. 😐
      Dankeschön für deine Zeilen hier.
      Schicke liebe Grüßle zu euch hoch
      Katrin

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