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Vor ein paar Tagen berichtete ich von unserem Opern-Abend an der Bregenzer Seebühne (Bezaubernd schön: Die Zauberflöte auf der Bregenzer Seebühne). Ursprünglich hatten wir geplant, das ganze Wochenende am Bodensee zu verbringen. Da wir uns durch unseren Umzug jedoch viel zu spät um eine Übernachtung gekümmert hatten (genau gesagt erst in der Woche vor der Aufführung), war im direkten Umkreis der Bregenzer Festspiele natürlich alles, was einigermaßen bezahltbar ist, schon ausgebucht. Thomas fand dann schließlich noch ein nettes kleines Hotel in Scheideeg. Scheidegg gehört schon zum Westallgäu, eine halbe Autostunde von Bregenz entfernt. Wir hatten es prima erwischt!

Unsere Übernachtung in Scheidegg

Dies war unser Domizil in Scheidegg:

Landhotel Herzberger

Total nettes Hotel, ruhig gelegen am Rand von Scheidegg, geführt von einer herzlichen und hilfsbereiten Hausherrin (wie der Name schon sagt!), und wir erhielten ein schönes gemütliches Zimmer mit einem Balkon.

So wurde es also ein

Wochenende in Scheidegg / Westallgäu.

Wir überlegten nicht lange, was wir untenehmen könnten, denn für eine intensivere (Wander-) Planung fehlten uns einfach Zeit und Muse.

Nachdem wir am Samstag, am Morgen nach dem Opernbesuch, ausgeschlafen und ziemlich lange gefrühstückt hatten, war unsere Idee, der bekannten und gut besuchten Breitachklamm bei Oberstdorf einen Besuch abzustatten – wenn wir schon einmal hier sind…

Manchmal kommt es jedoch spontan anders als man denkt. Wir hielten an der Bäckerei Tyl’s Brotkorb, um uns für den Tag mit einem Wanderpaket auszustatten (hier gibt es gesunde natürliche Backwaren, auch glutenfrei). Während die Bäckersfrau unsere Brötchen belegte, kam ich ins Gespräch mit einem netteren älteren Herrn neben mir, und aus dem kleinen Smalltalk wurde ein richtig schönes und spannendes Gespräch. Es stellte sich heraus, dass unser Zufallsbekannter aus dem Vogtland, aus Plauen stammte. Er war Ingenier, hatte in Zwickau studiert. So erzählte er spannend aus seinem Berufsleben. Doch auch als Wanderer war er scheinbar noch sehr aktiv. Er riet uns ab, die weite Fahrt zur Breitachklamm auf uns zu nehmen, die heute, zum Wochenende und Ferienbeginn wahrscheinlich total überfüllt sein würde, und empfahl uns 2 andere schöne Touren – nicht weit zu fahren, mit ruhigen Wegen und herrlichen Aussichten. Angesteckt durch seine Begeisterung ließen wir uns überzeugen und die Anfahrt zu einer der beiden Touren nochmals genauer beschreiben. Da es inzwischen auf Mittag zuging, veraschiedeten wir uns herzlich und fuhren los.

Leider kamen wir jedoch nicht an… Wir fanden den Ort nicht, den er uns beschrieben hatte! Wir fuhren in die eine, dann in die andere Richtung… Schauten auf die Karte, bei Google Maps… Ehe noch eine weitere Stunde mit Suchen vergeht, beschlossen wir, nach Scheidegg zurück zu fahren und eine kleine Runde über die Scheidegger Wasserfälle zu laufen.

Die Scheidegger Wasserfälle

… zählen zu Bayerns schönsten Geotopen. Die Bilder auf deren Seiten lassen erahnen, dass es hier ein Naturspektakel besonderer Art zu genießen gibt. In einem Heftchen, welches ich in der Touristinformation Scheidegg erhalten hatte, fand ich eine kleine Runde von ca. 6 km, genau richtig für den Nachmittag. Wir stellten das Auto wieder am Hotel ab und liefen los.

Weg zu den Scheidegger Wasserfällen

Die Route führte zunächst zur “Erlebniswelt Scheidegger Wasserfälle” – einer weitläufigen Anlage an den Wasserfällen mit Spielplatz, Streichelzoo, Wasserspielen, Brücken und Aussichtskanzeln. Es dauerte nicht lang, und wir kamen am Parkplatz und Eingang an. Hier versorgten wir uns zunächst mit einer Tasse Kaffee, denn inzwischen machte sich der Mittagshunger bemerkbar. Am Eingang gab es eine Sitzgruppe mit Tischen und Bänken, hier verspeisten wir unsere belegten Brötchen.

Inzwischen wurde es um uns herum immer turbulenter. Familien und Gruppen mit Kindern kamen an – klar, es war Ferienbeginn. An der Kasse bildete sich eine Schlange. Inzwischen hatten wir auch, unvorbereitet, wie wir dieses Mal waren, kapiert, dass dies hier eine in sich geschlossene (Vergnügungs-) Anlage mit Zaun und Eintritt war. Eintritt für die Wasserfälle – und dann so ein Trubel – darauf hatten wir keine Lust. So schön die Wasserfälle auch sein mögen. Wir liefen weiter. Auf halber Strecke sollte es ja noch einen Wasserfall geben, der musste uns genügen.

Und so bummelten wir weiter – durch verschlafene Orte wie Rickenbach und Aizenreute mit nur einer Handvoll Häuser, beobachteten Admirale beim Mittagsschlaf und sammelten Blaubeeren, schwitzen und ruhten uns auf der einen und anderen Bank aus.

Herrliche Ruhe und Idylle umgab uns. Leider auch sehr schwül-warmes Wetter. Doch bis jetzt hatten wir Glück. Eigentlich sollte es ab heute regnen!

Hinter Aizenreute stießen wir auf die Landstraße, die nach Scheidegg zurück führt – nicht so schön für die Füße, aber es gab kaum Verkehr.

Eifelsteig bei Scheidegg

 

Nach einigen 100 Metern führte zunächst ein Pfad wieder links in den Wald zu einem weiteren der Scheidegger Wasserfälle, dem Hasenreuter Wasserfall.

Ein Schild wies den Weg zum Wasserfall, und ein Spaßvogel hatte wohl den Eifelsteig hier her, in den Westallgäu verlängert.

Eine schöne Erinnerung für mich, dieses Zeichen hier zu sehen!  🙂

 

 

Der Hasenreuter Wasserfall ist sicher nicht ganz so spekatakulär wie die anderen Wasserfälle bei Scheidegg (ich kann es nicht beurteilen), dafür aber viel ruhiger. Ein schmaler Pfad über Treppen und eine Brücke führt hinab zum Wasser, und auf einer Bank kann man, ganz in Ruhe das Rauschen und Tosen genießen.

Nun kam auch der angekündigte Regen. Macht nichts! Wir zogen die Regenjacken über und liefen an der Straße zurück nach Scheidegg.  Wir waren müde – die letzte Nacht hatten wir nicht allzu viel Schlaf bekommen. Und so fielen wir erst einmal in unsere Hotelbetten für einen verspäteten Mittagsschlaf.

Hier ist der Track der Runde:

Köstlich Schmausen mit Blick auf die Alpen

Wir hatten Hunger. Thomas erkundigte sich bei der freundlichen Hotelwirtin, wo man als Vegetarier gut essen kann. Da ihre Tochter ebenfalls Vegetarierin ist, kannte sie das Problem, in Bayern gut essen zu gehen. Sie empfahl uns den Gasthof Alpenblick in Sulzberg, wenige Kilometer von Scheidegg entfernt, schon in Österreich.

Gasthof Alpenblick

Bei nun wieder trockenem milden Wetter genossen wir auf der Terasse nicht nur feine köstliche Gerichte und eine sehr freundliche Bedienung, sondern auch eine herrliche Aussicht. Als Dessert kam natürlich nur eines in Frage – ein uuuuuunverschämt leckerer Kaiserschmarrn!    😀

Auch am Sonntag blieb uns das Wetter freundlich gesinnt. Ich hatte gelesen, dass es hier, etwas außerhalb von Scheidegg, einen Baumwipfelpfad gibt, von welchem aus man eine herrliche Rundumsicht haben soll. Im Ort ist der Skywalk bereits ausgeschildert und somit gut zu finden.

Skywalk Allgäu

Und so sieht das aus:

Skywalk Allgäu

Eine Treppe führt hinauf in luftige Höhen (man kann auch einen Fahrstuhl nehmen), und auf leicht schwankenden Brücken läuft man nun an den Baumkronen vorbei. Dabei kann man herrliche Aussichten auf den Bodensee, den Schwarzwald und die Alpen genießen. Wir genossen und ließen uns viel viel Zeit.

Blick vom Skywalk

Auf halber Strecke dieser 540 Meter langen Runde kann man nochmals ein paar Meter weiter hoch auf einen Turm steigen. Auch hier besteht wieder die Möglichkeit, zwischen Treppen und einem Fahrstuhl zu wählen. Wir waren natürlich noch gut zu Fuß.

Auf der Plattform ganz oben war es zwar ziemlich windig und auch inzwischen ganz schön voll, aber die Rundumsicht und der Blick von oben auf die Hängebrücken war einfach klasse.

Zum Schluss gab es noch einen richtigen Spaß. Über s.g. Wackelbrücken gelangt man zum Ende der Plattform und kann sie über eine gewundene Röhrenrutsche verlassen. Dies mussten wir natürlich probieren, auch wenn mich die Rutsche doch kurz etwas Überwindung gekostet hat. Da aber inzwischen viele Kinder um uns herum und mit uns unterwegs waren, ließ ich mir natürlich nichts anmerken, tat ganz cool und stürzte mich mutig in die Tiefe. Ein Spaß war das! Hier noch ein paar Fotos von der “Wackebrücke”, welche aus Netzen und Seilen und ein paar Kletter- und Hangelvarianten besteht:

Röhrenrutsche

 

Über diese Röhrenrutsche ging es dann flott hinab. Natürlich muss man nicht diesen “Abgang” wählen, sondern kann eine Treppe nehmen. Die gesamte Anlage (außer der Wackebrücke und der Treppe dahinter natürlich) ist auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geeignet!

Auf der Anlage gibt es noch weitere Attraktionen wie einen Naturerlebnispfad, Barfußpfad, einen Abenteuerspielplatz, einen Laden mit regionalen Produkten und natürlich ein Restaurant. Uns hat dieses Erlebnis viel Spaß gemacht!

www.skywalk-allgaeu.de

 

Thomas mit Kaiserschmarrn

Wir wollten nicht hungrig nach Hause fahren, und so steuerten wir nochmals den schönen Gasthof Alpenblick an, wo es uns gestern Abend so gut gefallen hatte, um nochmals lecker zu speisen. Natürlich mit einem – wie soll es anders sein – Kaiserschmarrn als Dessert!   🙂

Wieder erwischten wir einen Tisch auf der Terrasse mit diesem schönen Blick auf die Berge. Seit dem Morgen schon verwöhnte uns die Sonne – entgegen der Vorhersage. Gegen 16 Uhr, wir pieksten gerade etwas wehmütig die letzten Krümel Kaiserschmarrn auf unsere Gabeln, weil wir gleich losfahren mussten, zogen über den Bergen schwere graue Wolken heran, die bereits sichtbar reichlich Wasser über die kleinen Ortschaften abließen. Sie kamen immer näher. Es begann zu winden, und kurz darauf sammelten die Kellner alle Sonnenschirme und Sitzkissen ein – gerade noch rechtzeitig, bevor uns bzw. die Terrasse das nasse Unwetter erreichte. Wir zahlten und strahlten – alles hatte bestens geklappt, sogar bezüglich des Wetters. Dies war zwar anders angekündigt gewesen, aber zum Glück kommt manchmal alles anders!

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2 Kommentare

  1. Hallo ihr Beiden,

    Seebühne und dann noch im Westallgäu wandern, Herz, was willst du mehr. Das Wetter war ebenfalls auf eurer Seite. Klasse!
    Dazu noch in Tyl’s Backstube einen Vogtländer treffen 😀 .
    Meine Begegnung mit Scheidegg liegt nun schon 17 Jahre zurück. Ich war in der Nachbargemeinde Lindenberg in einer Kurklinik. Ich konnte damals die Zeit zu kleinen Wanderungen nutzen und kam auf diese Weise auch nach Scheidegg. Inzwischen hat sich vieles geändert. Aber die Erinnerung an die vier Wochen bleiben. 😀

    Viele liebe Grüße
    von Frieder

    • Schönbuche

      Lieber Frieder,
      schön dass mein Bericht Erinnerungen geweckt hat bei dir. Ich hae an dich gedacht, als der ältere Herr von sich erzählte. Mit dem wärest du auch prima ins Schwatzen gekommen! 😀
      Viele liebe Grüße an euch
      von Katrin

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