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Pfingstmontag – Feiertag! Das muss doch genutzt werden für eine schöne Wandertour. Dieses Mal habe ich mich besonders darauf gefreut, denn Frank wollte mich begleiten. Frank ist nicht nur mein langjähriger Freund, sondern auch ein wirklicher Naturliebhaber und nicht zuletzt wunderbarer Fotograf, wie ich finde, der mich auch schon zweimal in einer Fotosession „gequält“ hat (Fotoshooting im Schaichtal). Was bedeutet, dass Frank mindestens genauso viele schöne Naturdetails und –motive entdecken und bewundern wird wie ich.

Weiterhin (diesen Punkt setze ich bewusst an die letzte Stelle): Frank besitzt ein GPS-Gerät. Nach vielen Emails hin und her mit meinem Chef und Technik-Freak Roland über Sinn und Nutzen eines GPS-Gerätes vs. Smartphone wollte ich nun einmal den Vergleich in der Praxis.

Frank bat ausdrücklich um eine Tour im Filstal. Da sei immer mal wieder seine Motorradstrecke, und im Rasthaus Schertelshöhle, das an der Strecke lag, würde er mich dann gern zu einem Apfelmost einladen. Na wenn das kein verlockendes Angebot ist!

Und dies ist die Tour Nr. 13 aus dem Wanderführer „Schwäbische Alb“ vom Bruckmann-Verlag (s. Bücherei) „Vom Filstal zum Reußenstein“:

Papiermühle – Burgruine Reußenstein – Bahnhöfle – Schertelshöhle – Steinernes Haus – Filsursprung

Wir trafen uns um 10 Uhr am Bahnhof Wendlingen und fuhren mit einem Auto weiter nach Wiesensteig, zum Wanderparkplatz an der ehemaligen Papiermühle im Filstal (fürs Navigerät: Helfensteinstraße, Wiesensteig). Das Wetter war mal wieder wie für mich gemacht: bewölkt, etwas Sonne, etwas über 20°C. Wir tranken noch einen Kaffee aus meiner Thermoskanne, stiegen in die Wanderstiefel, machten kurz vor 11 Uhr unsere Geräte startklar – ich mein Smartphone, Frank sein Garmin – und folgten der Route. Gleichzeitig zeichneten wir beide jeweils unseren Track auf. Eines war sofort zu erkennen: Mein Gerät hat die schönere Grafik, Franks war dafür auch bei Sonnenschein noch gut zu lesen.

Und während Frank den Track wirklich mitschnitt, dachte ich dies von meinem Gerät nur und stellte erst am Abend fest, dass ich wohl den falschen Knopf gedrückt hatte. Ich habe also keine Aufzeichnung, und somit fällt dieser Vergleich schon einmal weg.

Aber nun erst einmal los. Wir überquerten die Fils, liefen ein Stück auf der Zubringerstraße zurück, bogen links in einen Wiesenweg ein und fühlten uns umgehend wie im Urlaub.

Schööööön hier. Rechts Wald, links blühende Wiesenhänge mit grasenden Kühen. So macht das Leben Spaß!

Über breitere…

… und engere Waldpfade…

… und auch ein Stück auf geteertem Weg führten uns unsere Navigation am Ziegelhof vorbei zum Reußensteiner Hof.

Schon jetzt war Frank mit seinem Garmin eindeutig im Vorteil. Sein GPS-Zeiger lag tatsächlich exakt auf der Route, während meiner oft neben dieser entlang kroch. Aber schon auch noch verständlich, bis jetzt zumindest. Missverständlich waren dagegen heute irgendwie die Wanderschilder. Zumindest für mich, denn ich bin es nicht gewohnt, zu wandern und dabei so viel zu quasseln. Und wie erwartet wurden viele schöne Fotomotive entdeckt. Aber wir hatten uns auch so viel zu erzählen. Wie immer philosophierten wir heftig über das Leben und die Liebe, und wie immer auch mal kontrovers. Dabei wäre ich ohne GPS bis hier her schon mindestens 2-mal in die falsche Richtung gelaufen. Noch hatten wir unsere Geräte ständig im Blick… 😀

Weiter ging die Tour durch schattigen Wald…

… am Albtrauf entlang – was ja immer bedeutet: Man hat wunderbare Aussichten.

Auf dieser Bank ließen sich kurz darauf 3 Mädels nieder. Die waren gut drauf und fotografierten sich gegenseitig. Ich bot ihnen an, ein Foto von ihnen gemeinsam zu machen, was dann unter viel Gelächter auch geschah – untermalt durch typische Frauenkommentare. Frank schmunzelte unauffällig in sich hinein…

Ich saß dann auch noch Modell vorm Abgrund. Uff da ging es steil hinunter! Unter uns lag Neidlingen im Tal. Gegenüber war die die Limburg zu sehen, der Vulkankegel etwas weiter links im Bild. Frank fotografierte mich gern, natürlich nicht ohne besorgte Stoßmahnungen von sich gegeben zu haben, wie „Geh nicht weiter!!“

Das hatte ich doch gar nicht vor! Ich weiß doch, dass meine Söhne gern noch ihr Studium beenden wollen. 😉
Kurz darauf erreichten wir die Burgruine Reußenstein.

Wir ließen uns auf einer Bank am Weg nieder, beobachteten die Leute, die an uns vorbei spazierten, und erleichterten erst einmal unsere Rucksäcke  um unsere Brote, Radieschen, Kekse und natürlich reichlich Wasser.

Dann besichtigten wir die restaurierte Burgruine und bestaunten nochmals die herrliche Aussicht auf die gegenüber liegenden Wände…

    

… ins Neidlinger Tal und auf die Limburg.

Was wir ziemlich lange bewunderten.

Die Burg selbst bot natürlich wieder jede Menge schöner Fotomotive…

.. vor allem für Franks Fotografenaugen. Da warte ich mal noch auf seine Fotos.

Erstaunlich, wie klein die Menschen früher waren.   😀

Wir mussten irgendwann weiter… Hinter der Burg kamen wir jedoch auch erst einmal nicht weit- nur bis zur ehemaligen Vorburg. Zu schön war von hier aus der Blick zurück auf die Reußenstein, wie sie auf dem Felsen thront. An welchem wir sogar zwei Kletterer entdeckten:

Und auch danach gab es immer wieder schöne Aussichten.

Ein Stück geht’s nun durch den Wald Richtung Parkplatz Bahnhöfle, einem großen Wanderparkplatz mit Grillplatz, wo uns viele Wanderer entgegen kamen.

Dann leider auch ein Stück an der Straße bzw. – wie wir zu spät erkannten – auf einem Pfad unweit neben der Landstraße. Ziemlich laut, aber da wir viel zu quasseln hatten, konnten wir den Straßenlärm ganz gut ausblenden. Am Parkplatz Bahnhöfle soll noch einmal eine schöne Aussicht sein, die haben wir auch verpasst. Wir wollten einfach nur weg von der Straße und weg von den Leuten…

Wir überquerten die Straße und folgten weiter unseren Tracks, immer am Waldrand entlang. Endlich wieder Ruhe! Rechts von uns saftige blühende Wiesen – eine Wohltat fürs Auge.

Und beinahe wären wir auf einen Maikäfer getreten, der etwas hilflos über den Weg taumelte. Frank rettete ihn, und der Käfer hinterließ als Dankeschön einen Klecks auf seinen Fingern, bevor er sich in die Luft schwang.

Wir liefen nun am Hasental entlang…

… bis wir an diese Kreuzung kamen.

Wir folgten dem Schild Richtung Schertelshöhle, welches uns in den linken Weg, einen schönen schattigen Waldweg, wies. Nach ca. 100 m entdeckten wir diese beeindruckenden Steine, die wir erst einmal ausgiebig probesitzen mussten.

Wir liefen weiter auf diesem Weg, als plötzlich mein Handy piepte. Und gleich noch einmal – eine SMS? Kann doch nicht sein, ich hatte es offline gestellt. Es war der Routen-Alarm, den ich heute Morgen mal spaßeshalber hinzu geschaltet hatte. Ein Blick auf mein Handy bestätigte mir, dass mein Pfeil (also ich) weit links neben der Route stand. Wir hätten vorhin an der Kreuzung den rechten Weg nehmen sollen. Dann war das Schild Richtung Schertelshöhle falsch? Wir verstanden es nicht, aber egal, nun hatte ich diese Funktion auch einmal getestet und war begeistert, dass sie tat, was sie sollte.

Wir mussten also zurück, leider bergan, und an der Kreuzung den rechten Weg einschlagen. Mein Handy war nun wieder zufrieden mit mir bzw. meiner Position und stellte den Alarm ein.

Inzwischen war es ganz schön warm geworden, und wir freuten uns, dass der Weg durch herrlich schattigen Wald führte.

…. Bis zur nächsten unklaren Kreuzung. Das Wanderschild Richtung Schertelshöhle und mein Handy schlugen den rechten, Franks Garmin den linken Weg vor. Jetzt argumentierte Frank wahrhaft überzeugend zugunsten seines Garmin, und in der Tat sah der linke Weg wesentlich idyllischer aus. Wir sahen auch auf der Garmin-Karte, dass dieser kleinere Nebenweg nach einigen Hundert Metern wieder auf den rechten Weg stieß, also war es im Grunde egal, und so liefen wir diesen linken Weg hinein.

… was auch eine ganze Weile wirklich sehr angenehm war. Jedoch irgendwann pieksten Brennesseln an den Beinen, später festere Gewächse. Hier sind noch nicht so viele Leute gelaufen, mutmaßten wir, und dann kamen wir wirklich nicht weiter.

Nun war es Frank, der schimpfte. 😀
Ich als geübte und erfahrene Wanderin (ähäm…) bin sowas ja gewohnt und nehme gelegentliche Wegunsicherheiten inzwischen gelassen. Als wir uns später den von Frank aufgezeichneten Track ansahen, stellten wir fest, dass uns nur noch wenige Meter vom Hauptweg getrennt hatten.

Frank beruhigte sich aber schnell und freute sich auf eine rote Wurst und Apfelmost im Rasthaus an der Schertelshöhle. Der Weg dahin war dann auch wieder zum Herzerfreuen und –beruhigen. Links und rechts des Weges weiß blühender Schachtelhalm.

Kurz vor der Schertelshöhle kam uns eine lustige Mädelstruppe entgegen – heee das waren doch die drei netten Frauen, die ich heute Mittag auf dem Felsen fotografiert hatte. Sie hatten das Rasthaus schon hinter sich, und das Weizen habe wirklich geschmeckt, erklärten sie uns. Das hätten sie nicht erwähnen müssen, ihre Stimmung bestätigte dies auch so. 😀

Nun wollten wir auch hoch zum Rasthaus. An der Treppe wurde gebaut…

… und so mussten wir – diesmal unverschuldet! – nochmals einen Umweg laufen. Egal… Wir kamen endlich oben an.

Wir suchten uns einen Platz im Gasthaus, denn wir hatten vorerst genug Sonne abbekommen. Frank lud mich wie versprochen ein, dankeschön! Ich, wie immer Süßschnabel, bestellte einen großen Pott Kaffee und ein Stück Zwetschgenkuchen, und Frank erwischte tatsächlich die letzte Rote!! Zur Erklärung: Eine „Rote“ ist hier bei den Schwaben eine Wurst rötlicher Färbung. Weitere Erklärungen zu Farbe und Geschmack kann ich als Vegetarier leider nicht geben.

Als wir frisch und gestärkt wieder aufbrechen wollten, kamen wir ins Gespräch mit der Wirtin, einer lieben älteren Frau. Sie kam mit uns hinaus auf die Terasse, um uns die Bauarbeiten an der Höhle und am Haus zu erklären. Hier werden gerade alle Treppenaufgänge erneuert, und vom oberen Parkplatz aus wird sogar ein Weg für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Klasse! Die Treppe, die von unten gesperrt ist, können wir aber gehen, verriet sie uns. Einfach den Pfad neben der Treppe laufen, dann seien wir gleich wieder unten am Weg. Die Höhle selbst wollten wir auslassen, und so liefen wir den schmalen steilen Pfad neben der Treppe wieder hinunter auf unseren Wanderweg.

Das Steinerne Haus, eine Felsengrotte wollten wir uns jedoch noch anschauen. Dazu mussten wir schräg gegenüber am Weg ein paar Treppen und einen steinigen Pfad hoch (ist ausgeschildert)…


.. und schon standen wir vor dem Naturschutzdenkmal.

Hier war es herrlich kühl.

Inzwischen war es ca. 16:30 Uhr. Zeit, uns Richtung Filsquelle, dem nächsten Zielpunkt der Tour zu begeben. Nette Wanderwegweiser…

… und ein weißer Kiesweg in einer Traumlandschaft, die wieder Urlaubsfeeling aufkommen ließ…

… führten uns schließlich zum Filsursprung.

Ich erkannte nun, dass ich hier schon einmal gewesen war, hatte es wohl nur vergessen. Mit einer Freundin und deren Kindern. Während die Kinder ewig lange in dem eisig kalten Wasser herum gelaufen waren, hatten meine Füße es, Pfarrer Kneipp hin und her, nur wenige Sekunden ausgehalten! Auch heute standen die Kinder völlig entspannt in dem Wasserbecken, als sei es eine Badewanne. Frank und ich ließen die Schuhe mal lieber an und suchten uns einen ruhigen Platz auf der Wiese, um kurz die Abendsonne zu genießen.

Da sahen wir von weitem und nun zum dritten Mal – die drei Frauen! Sie wanderten den Weg Richtung Parkplatz Papiermühle, wo auch unser Auto stand, und sahen uns nicht. Wir folgten ihnen später, erst rechts von der Fils, dann überquerten wir das Bächlein und nahmen den schmalen und schöneren Weg links von der Fils.

Das war noch mal ein schönes Stück Weg zum Parkplatz Papiermühle zurück…

… und nun lag das Filstal schon im Schatten.

Gegen 17:30 Uhr erreichten wir Start- und Endpunkt unserer Tour und überlegten, wo wir uns nun zum Abschluss noch ein leckeres Abendessen genehmigen könnten. Da fiel Frank das Deutsche Haus ein, ein echt Schwäbisches Gasthaus zwischen Weilheim und Gruibingen. Das war, wie sich herausstellte, eine super Idee, denn dort kann man wirklich gut speisen und hat auf der Terrasse einen herrlichen Blick ins Tal und zum Hohenstaufen. Wegen des Überschusses an Sonne, den wir heute getankt hatten, setzten wir uns jedoch lieber ins Gasthaus hinein, wo es auch sehr rustikal gemütlich war, und ließen es uns schmecken – Frank ein Schnitzel und ich eine Limburger Käseplatte mit gigantisch frischem Holzofenbrot. Welches man dort auch kaufen kann, denn im Gasthaus gibt es einen Markt mit verführerisch leckeren regionalen Angeboten wie Schnäpsen, Kräutern, Nudeln, Marmeladen, Wurst, Senf usw.

Frank überlegte schon während des Essens, für welchen Schnaps er sich entscheiden sollte, und es wurde eine Flasche Zibartenbrand (Zibarte, Zibärtle…), die er noch vor Antritt der Heimreise köpfte. Wir genehmigten uns jeder einen tiefen wohltuenden Schluck und kamen wohlbehalten, angenehm ermüdet und in bester Laune in Wendlingen an.

Länge: 14 km (wir haben knapp 18 km daraus gemacht!)

Quelle: Bruckmanns Wanderführer Schwäbische Alb, Tour 13

Karte: Freizeitkarte 524 Bad Urach, Münsinger Alb

Hier der GPS-Track:

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4 Kommentare

  1. Schöner, ausführlicher Bericht mit tollen Bildern! Ich bin immer mit einem Garmin Oregon unterwegs, das hat mir schon so manches mal geholfen. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass ich mal neuere Karten bräuchte. So sind manchmal in Realität Wege, wo auf der Karte keine sind und umgekehrt.

    Liebe Grüße aus Hessen,

    Jörg

  2. Wow, liebe Schönbuche,

    diese Wanderung war doch ein tolles Erlebnis.
    Das ist für mich wieder eine Anregung, diese Tour auch mal zu gehen.

    Liebe Grüße
    Frieder

  3. Schönbuche

    Vielen Dank für eure Reaktionen! Ja, das war wirklich eine schöne empfehlenswerte Tour, hat viel Spaß gemacht, auch nochmals im Nachhinein beim Schreiben. 🙂
    Liebe Grüße zurück an euch.

  4. Aha, das ist die Tour aus deiner Mail 🙂
    Tolle Wanderbeschreibung mit schönen Fotos.
    Und das mit der Navigation klappt auch irgendwann problemlos 🙂
    Ganz liebe Grüße aus dem Rheinland
    Elke

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