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Eigentlich hatten wir geplant, den Feier- und den Brückentag in Garmisch Partenkirchen zu verbringen. Hotel war gebucht, Thomas hatte am Freitagvormittag nur ein paar dienstliche Termine wahrnehmen, ansonsten wollten wir diese 2 Tage mit Wandern, Sauna und Faulenzen verbringen. Doch leider – die überaus ungemütlichen Wetterprognosen für diese wunderschöne Wandergegend jagten uns eher Schauer über den Rücken statt Wanderlust ins Herz. Thomas stornierte das Hotel, und ich entschied mich für die Vernunft – die Steuererklärung wartete.

Wie so oft meldete sich dann doch mein Wanderherz zu Wort. Für den Donnerstag sah es doch gar nicht so schlecht aus, zumindest hier im Vorland der Schwäbischen Alb. Und auch hier gibt es zahlreiche Touren, die sich wirklich sehen und laufen lassen können. Wie immer – ein Anruf bei Thomas am Donnerstagmorgen: Hast du Lust? Na klar!! Auch er hatte sich nur notgedrungen auf „spannende“ Dinge wie Spesenabrechnungen eingestellt, ließ sich aber gern von seinen Plänen abbringen mit einem verlockenden Wanderangebot.

Vor ein paar Wochen wollten wir gemeinsam mit meinen Freunden Marlies und Bernd den Jusi erkunden. Der Jusiberg ist der höchste von über 350 Vulkanschloten des Schwäbischen Vulkans, und man soll von ihm aus einen wundervollen Blick aufs Albvorland, den Albtrauf und Richtung Süden bis zum Schwarzwald haben. Damals hatten wir aber keinen Parkplatz gefunden und waren auf den benachbarten „Florian“ ausgewichen. Heute wollte ich nochmals eine Wanderung über den Jusi angehen. Tourenvorschläge gibt es reichlich im Internet und meinen Wanderführern Schwäbische Alb. Wir entschieden uns für die Tour 26 aus meinem Wanderführer „Wanderziel Westliche Alb“ von Dieter Buck (Bücherei):

Neuffen – Kohlberg – Jusi – Sattelbogen – Hörnle – Schillingskreuz – Neuffen

Auf gpsies.com fand ich gleich mehrere ähnliche Tracks zu dieser Tour, so dass wir uns ganz entspannt auf den Weg machen konnten. Für etwas Anspannung sorgte jedoch kurz vor Abfahrt ein nochmaliger Blick auf die Wanderbeschreibung von Dieter Buck. Er gab den zu bewältigenden Höhenunterschied mit 950 Metern an! Wir entschieden, dass das ein Fehler sein muss und starteten mutig unsere Tour am Rand von Neuffen, im Gaisweg, direkt an der Route.

Zunächst ging es gemütlich zwischen herrlich blühenden Wiesen entlang Richtung Kohlberg, dem Ort am Fuße des Jusibergs. Auf geteerten Wegen, aber das störte uns nicht. Es war herrlich hier, es blühte um uns herum in allen Farben. Mit uns spazierten einige wenige andere Feiertagsbummler.

Zwischen Neuffen und Kohlberg durch blühnde Wiesen

So trödelten wir vor uns hin… Bis uns die ersten Schauer erwischten. Sollen wir die Regenjacke aus dem Rucksack holen oder uns unterstellen?

Erstes Unterstellen

 

Wir entschieden uns fürs Unterstellen, da wir nicht gleich zu Beginn unserer Tour mit nassen Hosen weiter laufen wollten.

Außerdem hatten wir Zeit und von unserem Dach aus einen schönen Blick zurück auf den  Hohenneuffen mit seiner Burg.

 

Blick auf den Hohenneuffen

Es dauerte auch nicht lang, bis wir weiter laufen konnten. Und zwar weiterhin in unserem gewohnt gemächlichen Tempo. Der Himmel sah nach wie vor nicht besonders freundlich aus, doch ließ uns ab nun in Ruhe.

Weg durch die Wiesen

Etwas später tauchte rechter Hand das Hörnle auf, ein lang gezogener Berg, der sich dem Jusi anschließt. Auf seinen Höhen würden wir nachher zurück nach Neuffen gelangen.

Hörnle

Nicht zu übersehen der Steinbruch an seiner Nordflanke. Hier wurde lange Zeit Kalkstein für die Zementherstellung abgebaut, und es konnte wohl gerade noch verhindert werden, dass der Berg vollständig abgetragen wurde.

Inzwischen gab der Blick zurück weitere uns bekannte Erhebungen am Albtrauf frei:

Hohenneuffen, Bassgeige und Burg Teck

Im Vordergrund wieder der Hohenneuffen mit seiner stolzen Burg, dahinter der Beurener Fels der Bassgeige, und hinter der Bassgeige konnten wir die Burg Teck erkennen. Auf der Bassgeige waren wir Anfang April durch den letzten Schnee gewatscht und hatten auf die Burg Teck, die Hohenneuffen und bis zum Jusi geschaut – Durch Schnee und Matsch und über die Bassgeige.

Nun tauchte vor uns auch der Jusiberg auf, den wir gleich bezwingen wollten.

Vor uns der Jusiberg

Immerhin über 250 Höhenmeter auf kurzer Distanz. Das ist nicht schrecklich viel, aber mit leerem Magen geht das gar nicht. Rastplatz bei Kohlberg

Kurz vor dem Ort Kohlberg (von wo aus man die Wanderung natürlich auch starten kann) fanden wir dann auch einen gemütlichen Rastplatz und erleichterten erst einmal unsere Rucksäcke von Broten, Radieschen, Schokolade und Wasser. So lässt es sich doch viel leichter wandern.

 

 

 

So gestärkt starteten wir zum Wanderparkplatz am Jusi, (auf welchem wir damals nicht mehr untergekommen waren). Dieser befindet sich kurz hinter Kohlberg an der Landstraße nach Metzingen. Bis dahin führte uns der Weg durch wunderschöne Sträßchen am Rand von Kohlberg, vorbei an hübschen Häuschen und Gärten, wo wir uns natürlich auch wieder nur ziemlich langsam vorwärts bewegen konnten. Denn wir mussten ständig stehen bleiben, die vielen Blümchen, Sträucher, Bodendecker in den Vorgärten bewundern. Ich gab entschlossen kund, dass ich unbedingt wieder einen eigenen Garten brauche, was von Thomas mit einem erfreuten Schmunzeln quittiert wurde.   🙂

Wegweiser Die Blaue MauerBegleitet wurden wir übrigens die ganze Zeit von einem Schild „Die blaue Mauer“, welches mir nichts sagte.

Thomas hatte selbstverständlich die passende App  zum Lesen des QR-Codes dabei und gelangte mit seinem Smartphone auf die entsprechende Homepage. So funktioniert das Wandern heute!

Hier wurde demnach ein Wanderweg Entlang der Blauen Mauer eingerichtet. Die „Blaue Mauer“ ist eine Bezeichnung für den Albtrauf, der bei entsprechender Lichteinwirkung sich bläulich schimmernd wie eine Mauer übers Albvorland erhebt. Dieser Wanderweg von Owen über Beuren und Neuffen bis Kohlberg immer am Albtrauf entlang ist bestimmt wunderschön und könnte in 2 Tagen gut zu schaffen sein.

Auf dem Wanderparkplatz am Jusi

 

Nach langer langer Zeit kamen wir endlich am Parkplatz beim Jusi an.

Nun war es vorbei mit gemütlich, denn es ging nun steil hinauf. Wir stiegen mutig nach oben – auf 672 Meter Höhe.

 

 

 

 

 

 

Hoch auf den Jusi

Und das immer mit wunderschönen Aussichten. Hier hinüber zum Florianberg, einem anderen Vulkanberg, den wir unlängst mit Marlies und Bernd bestiegen hatten.

Blick auf den Florian

Und weiter ging es hoch.

Weiter hoch

Oben gab es nun richtig schöne Aussichten. Das ganze Albvorland breitete sich vor uns aus. Nicht weniger spannend war, was da direkt vor uns auf die Landschaft runter kam.

Blick vom Jusi ins Albvorland

Dicke Regenschauer! Sie kamen sichtbar näher! Sollten wir schnell weiter? Aber so schnell würden wir sicher nicht laufen können. Also blieben wir und bestaunten weiter die Welt von oben.

Weiter ging es nach oben, ziemlich felsig.

Felsiger Aufstieg

Wieder eine prachtvolle Sicht an den Wacholderheiden des Jusi vorbei auf die Hohenneuffen, die Bassgeige, die Burg Teck. Links daneben in weiterer Ferne die drei „zarten Hügelchen“, das sind die Göppinger Vulkanberge Staufen, Rechberg und Stuifen, genannt die Drei Kaiserberge.

Blick zu den Drei Kaiserbergen

Das Unwetter ließ nicht nach, kam näher, stoppte aber irgendwann vor uns.

Unwetter!

Wir gönnten uns eine kurze Verschnaufpause.

Pause

Auf diesem Bänkchen mit Aussicht könnte es so gemütlich sein… wenn es hier oben nicht so grausam frisch wehen würde! Wir waren ganz schön durchgeschwitzt vom Aufstieg und liefen lieber weiter. Über eine idyllische Wiese mit Schutzhütte und Grillplatz führte der Weg schließlich in den Jusi-Wald hinein.

Wiese mit Grillplatz auf dem Jusi

Ab nun waren unsere Wanderstöcke unentbehrlich. Wir watschten jetzt nur noch auf Schlammwegen. Hier hatte der Regen der letzten Tage tatsächlich alles aufgeweicht. Wir rutschten quasi über den Jusi.  😀

Matsch, Matsch, Matsch...

Schmierige felsige Wege erforderten unsere ganze Konzentration, zumal es weiterhin immer wieder mehr oder weniger steil auf und ab ging. Wir suchten Nebenwege im Wald, hielten uns an Baumstämmen fest, es war abenteuerlich.

Bärlauch in Blüte

Und dabei duftete es lecker nach Bärlauch, der gerade in voller Blüte stand.

Die Sonne war heraus gekommen, doch wir bekamen es kaum mit, denn wir liefen die ganze Zeit im schattigen Wald. Links gab der Wald immer mal einen kleinen Blick auf die Hohenneuffen frei und das Hörnle, auf das wir zusteuerten.

Blcik auf das Hörnle

Der Weg forderte uns tatsächlich, wir kamen nur langsam voran. Richtig abenteuerlich wurde es am Sattelbogen, dem Übergang zum Hörnle, wo sich mehrere total aufgeweichte und rutschig-steile Wege kreuzten. Augen zu und durch, wollten wir schon sagen, aber wir suchten verzweifelt nach Stellen, auf die wir unsere Füße setzen konnten, ohne uns in den Matsch zu packen. Teilweise zogen wir uns an Bäumen weiter. Schließlich waren wir auf dem Hörnle. Es ging wieder teilweise recht steil nach oben bis auf über 700 m Höhe.

Felsige matschige Wege

Wir redeten nicht mehr viel.

Orchideen am Wegesrand

 

Und tatsächlich entdeckte Thomas Orchideen, die ich zwar weit vor ihm im Vorbeilaufen registriert, jedoch nicht als Orchideen erkannt hatte (leider ist mein Foto unscharf geraten).

 

Schöööön.

 

 

 

 

 

 

Doch irgendwie hatten wir die Nase voll. Es war frisch hier oben, nass und weich unter uns, und außerhalb des Waldes schien schon die Sonne. Ich könnte eine Bank gebrauchen, denn der Weg strengte an. Am einzigen Aussichtspunkt in südlicher Richtung mit einem schönen Blick auf Metzingen und die Weinberge dahinter hatten sich 2 Familien mit 4 kleinen Jungs ausgebreitet. Das heißt, die Jungs hatten die Bank belegt, die Eltern standen daneben und staunten ins Tal. Die Jungs fanden die Aussicht natürlich nicht so prickelnd, wieso auch. Sie machten sich, wie Jungs in dem Alter so sind, den gemeinsamen Wanderausflug auf ihre Art spannend – mit kraftvollen, nicht ganz so appetitlichen Witzen und Sprüchen, die mir als Mutter zweier Söhne natürlich sehr bekannt waren und Thomas total belustigten. Klar, schließlich ist er ja auch ein Junge.    😀

Am höchsten Punkt des Hörnle fanden wir dann aber auch eine Bank. Auch hier war es schattig und ganz schön zugig frisch. Doch eine Pause musste sein. Wir zogen eine weitere Jacke über und verspeisten unsere restlichen Brote und die restliche Schokolade. Mussten aber aufpassen, dass uns hier oben nicht zu kalt wurde und brachen deshalb bald wieder auf. Etwas erschreckt stellten wir fest, dass wir gerade mal 6,3 von über 12 km unserer geplanten Runde geschafft hatten. Wir wollten ja nun noch übers Schillingskreuz nach Neuffen zurück laufen. Nochmals etwas ab und wieder hoch und dann wieder ganz hinunter. Ok, wir hatten anfangs ganz schön gebummelt. Jedoch kosteten die steilen matschigen Wege auch ziemlich viel Zeit und Kraft.

Abkürzung nach Neuffen

Als wir eine vorzeitige Abkürzung nach Neuffen fanden, bogen wir ohne langes Überlegen ab. Schließlich sind wir keine ehrgeizigen Sport-, sondern bekennende Genusswanderer.

Nun ging es ziemlich flott nach unten, wo uns herrlich wärmende Sonnenstrahlen empfingen, was offensichtlich nicht nur wir genossen.

Wieder unten in der Sonne

Auf denselben herrlichen Wiesenwegen, auf denen wir gestartet waren, gelangten wir zum Auto zurück. Da wir nun noch Zeit hatten, beschlossen wir, noch einen Bummel durch Neuffen mit seinen hübschen Fachwerkhäusern zu machen und dort den Tag in einem Straßencafé ausklingen zu lassen.

Rathaus Neuffen

NeuffenNeuffen

Eine wirklich sehr schöne Tour, die wir bei trockenerem Wetter gern wiederholen. Dann auch, wie geplant, übers Schillingskreuz, einer weiteren Erhebung im Anschluss an das Hörnle. Und wenn man noch nicht genug hat, kann man die Runde natürlich auch noch über die Burg Hohenneuffen ausdehnen, dann käme man auf über 17 km.

Länge: 9 km, 420 Höhenmeter

Und hier ist mein Track:

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4 Kommentare

  1. Hallo Katrin,

    das ist eine schöne Runde. Schade, dass die Wege auf manchem Streckenabschnitt so aufgeweicht waren. Das kannte ich von der Saalehorizontale.
    Trotzdem, was will man mehr, wenn so die Natur geniessen kann.
    Schöne Bilder hst du gemacht. Da bekomme ich doch richtig Lust auf den Albtrauf. 🙂

    Ich wünsche euch zum Ausgleich für die Strapazen ein gemütliches und warmes Wochenende.

    Viele liebe Grüße an euch beide
    von Frieder

    • Schönbuche

      Lieber Frieder,
      es war trotz der Matschwege eine wirklich schöne Runde, die viel Spaß gemacht. Na ich möchte nicht wissen, wie die Wege jetzt aussehen nach 2 Tagen Dauerregen. Es wurde ja nun wirklich ein gaaanz gemütliches Wochenende. Ich hoffe für euch auch. Gut dass wir den Donnerstag noch genutzt hatten.
      Ich wünsche dir einen schönen Start in die neue Woche,
      viele liebe Grüße an euch
      Katrin

  2. Boah Katrin da hast du dir aber was zugemutet. Alle Achtung!
    Hattest du denn am nächsten Tag einen ordentlichen Muskelkater?

    Die Aussichten sind auf jeden Fall toll, von dort oben 🙂

    Schöne dramatische Fotos, durch die Wolkenbildung 🙂

    Ich lass dir ein paar Knuddler da
    Liebe Grüße
    Elke

    • Schönbuche

      Liebe Elke, so schlimm wars ja nicht. Etwas Dramatik gehört zur schriftstellerischen Freiheit dazu. 😀
      Es hat Spaß gemacht, auch wenn die Schlammwege irgendwann genervt haben. Die Aussichten vom Albtrauf sind immer wieder schön.
      Viele liebe Grüße und Drücker zurück an dich!! 🙂

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