Von

Heute stand Etappe 2 des Eifelsteigs auf dem Plan, und aufgrund der nicht wirklich wanderfreundlichen Busverbindungen wieder in umgekehrter Richtung:

Monschau – Roetgen

Auf diese Etappe hatte ich mich besonders gefreut, führte sie doch mitten durch das Hohe Venn. „Venn“ ist abgeleitet vom niederländischen Wort „Veen“ und heißt Moor. Es würde heute also wieder feucht werden, zumindest unter uns. Darauf war ich besonders gespannt. Einen Vorgeschmack hatte ich ja gestern bereits auf Etappe 1, im Naturschutzgebiet Struffelt bekommen, wo es auch schon ziemlich moorig aussieht und man ein Stück über Holzbohlen gehen muss.

Das Hohe Venn ist eines der größten Hochmoore Europas und gehört  teils zur deutschen Eifel und teils zu den belgischen Ardennen. Der Eifelsteig verläuft auf dieser Etappe somit auch ein Stück auf belgischer Seite, wir würden also heute immer mal wieder die Grenze überschreiten.

Mit dem Auto fuhren wir morgens nach Roetgen, von wo aus uns ein Bus nach Monschau brachte. Der nette Busfahrer fragte uns unterwegs nach unserem Wanderziel, was ihm Uschi im Detail erklärte. Auch dass wir gern noch die nächste Etappe 3 Monschau – Einruhr wandern würden, aber noch keine praktikable Busverbindung gefunden hatten. Was er bestätigte. Die Busverbindungen in der Eifel haben wirklich Entwicklungspotential… Er gab Uschi beim Aussteigen dennoch einen Fahrplan mit und wünschte uns für die heutige Etappe „Gut Latsch“. Dies war kein flegelhafter Ausdruck, sondern so sagt man hier, um dem Anderen eine angenehme Wanderung zu wünschen. Gegen 11:15 Uhr latschten wir also endlich los.

Den hübschen Ort Monschau, Perle der Eifel, kannte ich bisher nur von Fotos, und da er in jedem Fall eine aufmerksamere Besichtigung verdient, einschließlich Besuch der Senfmühle mit Verkostung und Speisen im dazugehörenden Schnabuleum, von welchem mir Uschi mehrfach vorschwärmte, wollten wir uns Monschau für einen späteren Tag aufheben und heute schnell durchlaufen, auch nicht zur Burg aufsteigen, sondern gleich zur Brauerei, wo sich der Einstieg in den Eifelsteig befindet.

Irgendwie landeten wir dann aber doch auf der Burg…

Egal, der Eifelsteig führt ja über die Burg, und somit hatten wir sie nun auch gesehen, bzw. den herrlichen Blick hinab auf die blauen Dächer von Monschau.

Also wieder hinunter zum Ort und hinter der Brauerei wieder hoch… Verspäteter Morgensport.

Zwischen Monschau und Mützenich, dem nächsten Ort, empfing uns ländliche Idylle.

Wir unterquerten die Vennbahn und sahen dieses hübsche Heckenhaus.

Hier in der Eifel sind viele Häuser, Felder und Wiesen von einer übermannshohen Hecke, meist aus Hainbuche, umgeben, die sie gegen starke Winde, Regen- und Schneestürme schützt. So eine Hecke zu pflegen, ist sehr aufwändig – sie werden nach wie vor von Hand geschnitten. Da die Winter inzwischen nicht mehr so hart sind, machen sich immer weniger Besitzer diese Arbeit. In einigen Orten, wie Mützenich sieht man noch mehrere dieser von hohen Hecken umzäunten Häuser.

Wir befanden uns zwar noch nicht direkt an der Grenze zu Belgien, aber die Vennbahn gehört wohl zu belgischem Gebiet, von daher gab es vielleicht schon hier einen Grenzstein. Möglicherweise wurde die Grenze ja immer mal verschoben…

In Mützenich trafen wir wieder auf das Renterpaar aus Mönchengladbach, welches wir gestern, auf der 1. Etappe an der Dreilägerbachtalsperre kennengelernt hatten. Heute liefen sie demzufolge die 2. Etappe, aber nicht wie wir, sondern in der vorgesehenen Richtung. Die Freude war groß, und wir blieben stehen, um uns eine Weile über unsere Wandererlebnisse auszutauschen. Die Beiden kannten auch die 3. Etappe schon, eine wirklich anspruchsvolle Tour, auf die wir selbst wohl aus oben genannten Gründen mangelnder Busverbindungen verzichten werden. Dafür empfahlen sie uns den Kuchen im Hotel „Waldblick“ am Campingplatz Hammer. Da würden wir sicher auf einer Rundtour in den nächsten Tagen vorbeikommen.

Als wir weiter durch den Ort Mützenich liefen, kamen wir auf die Krimiserie „Mord mit Aussicht“ zu sprechen, die ja in der Eifel spielt und auf ARD gerade wieder in der 3. Staffel angelaufen war. Am Dienstag hatte ich den ersten Film gesehen. Ich schau eigentlich nie Krimis, aber da mein Urlaub in der Eifel unmittelbar bevor stand, hatte ich mal eingeschaltet. Natürlich gab es auch eine Leiche. Und als Uschi und ich gerade kurz aufschauten, um auf den Weg zu achten, sahen wir das Straßenschild: Liechejass

Uschi übersetzte für mich: „Leichengasse“!

Ok, schnell weiter…   😀

Wir kamen zum  Aussichtsturm am s.g. Brackvenn bei Mützenich. Hier schaut man auf ein angrenzendes Palsen, welches sich schon auf belgischem Gebiet befindet, eine Besonderheit im Hohen Venn. Ansonsten ist die Sicht nicht so spektakulär.

Kurz danach standen wir an „Kaiser Karls Bettstatt“. Wahrscheinlich lässt sich jeder Wanderer beim Probeliegen auf einem dieser eher unbequemen Quarzitblöcken fotografieren, so auch ich.

Die Nacht würde ich dagegen nicht darauf verbringen wollen. Angeblich tat dies Kaiser Karl der Große nach einer Jagd. Einer seiner Gehilfen bot ihm fürsorglich eine Mütze gegen die nächtliche Kühle an, was der Kaiser ablehnte mit den Worten „Mütze nich“. Daher erhielt der Ort seinen Namen „Mützenich“. So steht‘s zumindest auf einer Tafel…

Wir verließen Mützenich also ohne Übernachtung und stiegen auf zum höchsten Punkt der Tour – dem Steling auf 658 m Höhe.

Wir genossen eine Weile die schöne Sicht in die Ferne…

… und liefen hinein ins Hohe Venn. Nun immer auf belgischer Seite.

Ab hier führt ein alter Pilgerweg, der auch so heißt, 5 lange Kilometer immer schnurgerade aus als Teer- und Schotterstraße. Der Eifelsteig hat nun das belgische Logo, ist aber nicht ohne Ausschilderung, wie in meinem Wanderführer zu lesen ist.

Eine schöne eigenartige karge Landschaft –Farne, Birken, Fichtenwäldchen, Sträucher und weite Flächen voller Venngras, das eigentlich Wollgras und Pfeifengras heißt.

Scheinbare Wildnis, unberührte Natur.

Doch der Schein trügt, das Hohe Venn ist eine Kulturlandschaft mit vielen Anzeichen menschlicher Eingriffe – Beweidung, Torfabbau, Bepflanzung und Entwässerung – das weit verbreitete Pfeifengras ist eine der Folgen. Von 1000 Hektar ursprünglicher Moorfläche sind heute nur noch 100 vom Menschen unbeeinflusst. Dennoch gefährdet durch Umweltverschmutzung und benachbarte Entwässerungsgräben.

Es geht nun ziemlich öde immer geradeaus auf dem Pilgerweg…

Dies wollten wir uns nicht 5 km lang antun. Uschi als Insiderin hatte eine bessere Idee, welche nach ca. 2,5 km Pilgerweg links ab weiter durch schöne Venn-Landschaften führten sollte. Dazu mussten wir zunächst ein Stück durch die verbotene Zone D.

Ich hoffe, ich bekomme nun keinen Ärger, denn die Zone D darf nicht betreten werden. Niemals. Uschis Kommentar: So ist das nun mal im Leben, da tut man auch schon mal was Verbotenes.  😮

Vorher gabs noch eine Vesperpause neben dieser Orientierungstafel…

… und dann ging‘s auf Abwegen.

Und es hat sich gelohnt. Statt der schnurgeraden Straße, dem Pilgerweg, liefen wir weiterhin im Hohen Venn, zunächst Richtung Getzenbach.

Hier lasse ich die Fotos sprechen:

Weite Graslandschaft…

 

… sehr feuchte Graspfade…

… und auf Stegen…

Nach einer reichlichen halben Stunde kamen wir am Getzbach an. Hier endete unsere verbotene Tour, und wir befanden uns wieder am Rand der Zone B.

Auffallend war die rote Farbe des Wassers, muss wohl sehr eisenhaltig sein. Wir überquerten das Bächlein. Unsere Tour führte nun ein Stück am Rand des Kutenhart entlang, auf dem ausgeschilderten Eifel-Ardennen-Weg. Rechts von uns Moor-Landschaft.

Wir bogen rechts ab und ein Stück weiter wieder rechts, in den Kutenhart hinein. Man darf auch in der Zone B nicht jederzeit alle Wege laufen, wie dieses Schild in 3 Sprachen fordert. Eine davon war so etwas wie deutsch:

„rote Fahne – durch die Linke zu umgehen“.   🙂

Bei Brandgefahr oder zur Zeit der Vogelbrut ist die Fahne gehisst. Heute war sie nicht gehisst, wir durften also nun ganz legal auf die Stege…

So liefen wir eine ganze Weile, links und rechts wechselte das Bild, mal dichte Farne, offene Grasebene….

… ein Märchen-Birkenwäldchen…

… auf alle Fälle bezaubernd schön.

Die Abendsonne verzauberte die karge Graslandschaft.

Total still und friedlich war es hier.

Kurz darauf trafen wir wieder auf den Eifelsteig, der über die Reinartzthöfe zurück nach Roetgen führte.

An den ehemaligen Reinartzhöfen, die bis 1971 noch bewohnt waren, kann man noch vieles über das harte und abgeschiedene Leben der Menschen hier in früheren Zeiten erfahren. Die Reinarzthöfe haben eine lange wechselvolle Geschichte. Im Mittelalter war hier der Kreuzungspunkt zweier Pilgerwege zwischen Aachen und Trier. Einsiedler wurden beauftragt, in dieser Einsamkeit zu leben und bei Bedarf im Nebel verirrten Reisenden mit ihren Glocken auf den rechten Weg zu helfen. Die Höfe wurden zerstört, wieder aufgebaut, brannten ab, waren mal deutsch, mal belgisch, schneiten ein, wurden zuletzt von mehreren Familien bewohnt. Schautafeln mit alten Fotos und Berichten, verfallene Mauerreste und eine Kapelle sind zu besichtigen. Leider hatte mich aber ab hier mal wieder der Akku meines Smartphones verlassen, und ich konnte nicht mehr fotografieren.

Hier ein paar Eindrücke aus dem Web.

Nun hatten wir noch 4 Kilometer bis zu unserem Auto, vorbei am Schwerzfeld. Auf einem anstrengenden letzten Stück Teerstraße kamen wir in Roetgen an, wo wir endlich unsere schmerzenden Füße von den Wanderschuhen befreien konnten.

Kulinarische Entschädigung für die letzten Qualen fanden wir mehr als genug – nicht nur in unseren Erinnerungen an eine schöne Wanderung, sondern vor allem bei einer knusprigen und total leckeren Pizza in der Pizzeria La Rustica in Roetgen. Uschi kannte die Pizzen und deren Größe bereits und bestellte die kleine Ausführung. Ich missachtete in Anbetracht meines Mörderhungers ihren Hinweis und bestellte die große Variante… habe auch brav aufgegessen und war froh: Heute muss ich nicht mehr latschen.    🙂

Länge mit unserem Umweg: 22 km (360 Höhenmeter)

Quelle: Wandertouren Eifelsteig, Ulrike Poller und Wolfgang Todt, Verlag ideemedia GmbH

Interessant und amüsant hierzu auch zu lesen: Gesammelte Wanderabenteuer, Manuel Andrack, das Kapitel „Mit dem Eifelverein im Hohen Venn“, seine Wanderung von Roetgen nach Mützenich mit dem Eifelverein Roetgen 2006

Beschreibung und GPS-Track: www.eifelsteig.de

Hier geht’s zum Fotoalbum.

Diesen Artikel drucken Artikel per Email versenden

5 Kommentare

  1. Wunderschöner Bericht mit eindrucksvollen Bildern! Danke für den tollen Wandertipp!

    Liebe Grüße aus Hessen,

    Jörg

  2. Schönbuche

    Dankeschön Jörg, freu mich, wenn dir mein Bericht gefällt. Dein Blog ist übrigens auch richtig schön, und ich werde ihn endlich in meinen Blogroll aufnehmen.
    Herzliche Grüße aus dem Aichtal
    Katrin

  3. Na und hier war ich ja auch schon, viele Plätze habe ich wieder erkannt. Hoffentlich erlebe ich das Venn mal mit offenen Wegen, leider ist das derzeit ja kaum möglich alles zu erwandern.
    Liebe Grüße
    Elke

  4. Mensch, ein halbes Jahr früher und wir wären uns dort begegnet. An der Kaiser-Karls-Bettstatt war ich auch als ich zahlreiche Touren durch das Hohe Venn gemacht habe. Übrigens: Das (ehemalige) Gleisbett der Vennbahn ist belgisches Gebiet, während rechts und links Deutschland liegt. Finde ich total faszinierend, dass ein Teil Belgiens einfach so durch Deutschland führt. Das führt zu fünf (?) Exklaven.

  5. Schönbuche

    Hallo Micha,
    hab schon gesehen, dass demnächst von dir ein Wanderführer „Hohes Venn“ bei Hikeline erscheint? Sind bestimmt phantastische Touren. Schade dass ich so weit weg wohne… Ich habe sicher nur einen kleinen Teil gesehen und wäre da bestimmt oft unterwegs.
    Viele nette Grüße zurück!! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

↓