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Nach einer längeren, etwas mühsamen Fahrt kamen wir am späten Nachmittag in Perl an der Mosel an, dem Startpunkt unserer Wanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Hier startet die 1. Etappe, die wir am nächsten Tag in Angriff nehmen wollten. Es war unsere erste Mehrtageswanderung – so richtig mit Gepäck auf dem Rücken. Wir hatten lediglich für die ersten beiden Nächte eine Unterkunft vorgebucht, zudem war große Hitze angesagt. Grund genug also, ziemlich aufgeregt zu sein. Doch die Vorfreude überwog!

Zunächst aber nahmen wir erst einmal unser erstes Nachtquartier in Beschlag, in der Maimühle in Perl. Es war schlicht, aber ok. Altes Gemäuer, unglaublich enges Badezimmer, vorm Haus ein kleiner Biergarten. Hier bekamen wir Bratkartoffeln mit Spiegelei und einen großen Salat serviert. Lecker! Dies sollte in dieser Woche unser meist verspeistes Gericht bleiben – die Auswahl für Vegetarier lässt vielerorts immer noch zu wünschen übrig.

Thomas schaute sich derweil nochmals die Routen der ersten beiden Etappen an und suchte schon einmal nach eventuellen Abkürzungen. Da stieß er bei mir aber auf taube Ohren! Wir erledigten den ersten Handwaschgang – auch eine zukünftig allabendliche Beschäftigung – und ließen den Abend bei einem Spaziergang über die Mosel, hinüber ins Luxemburgische Schengen, bekannt durch das Schengener Abkommen, ausklingen.

Nach einem, ehrlich gesagt, etwas dürftigen Frühstück fuhren wir als erstes zum REWE, wo uns eine sehr nette Verkäuferin ein leckeres Wandervesper packte, bestehend aus belegten Brötchen unserer Wahl. Ihr Mann wandere ja auch so viel durch die Gegend, erzählte und lachte sie. Doch sie selbst habe einfach keine Zeit… Thomas kaufte noch etwas Obst. Natürlich nicht zu viel, wir mussten ja alles mit uns tragen. Dann fuhren wir zur Maimühle zurück, denn hier durften wir unser Auto auf dem Hotel-Parkplatz stehen lassen.

Voller Vorfreude und Aufregung und mit nicht weniger Elan schulterten wir unsere Rucksäcke und starteten unser Abenteuer direkt an der Maimühle. Hier beginnt auch die Beschilderung des Saar-Hunsrück-Steigs, kurz SHS genannt.

Start an der Maimühle in Perl

Die Route führte zunächst in den Ort und durch ihn hindurch. Da für heute jedoch weit über 30°C angesagt waren, was bereits gut zu spüren war, erklärte ich mich dann doch einverstanden, diesen Teil durch Perls Zentrum auszulassen und gleich die Anhöhen zu erklimmen. Wir verließen also die Ausschilderung des SHS, was umgehend an einer Ecke zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit über die nächste Richtung führte. Unser erstes Zwischenziel war der Aussichtspunkt „Dreiländerblick“ hoch über Perl, den wir dann auch problemlos fanden. Hier bot sich uns ein wunderschöner Blick hinunter auf Perl, auf die Mosel, hinüber nach Schengen auf der anderen Seite der Mosel und nach Frankreich.

Dreiländerblick

Ein super Start und Vorgeschmack aufs Kommende!

Die zunehmende Hitze war ein ebensolcher Vorgeschmack. Wir schwitzten bereits ganz ordentlich und erleichterten schon einmal unsere Trinkvorräte ein wenig.

Auf dem Hammelsberg

 

Nun ging es ein Stück durch schattigen Wald hindurch, aber wirklich erfrischend war es auch hier nicht mehr. Wir überquerten den Hammelsberg, hier ein Stück auf französischer Seite.

 

 

 

 

Weiter oben boten sich immer wieder herrliche Aussichten ins Moseltal.

Aussicht ins Moseltal

Die Route führte über die herrlich blühenden Wiesen des Hammelsberges…

Auf dem Hammelsberg

Hier, in dem grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet Hammelsberg sind gleich mehrere teilweise seltene Orchideen- und zahlreiche andere Pflanzen- und Insektenarten zu Hause.

Auf Informationstafeln wird mehrsprachig über die Vielfalt von Flora und Fauna informiert.

Anstieg

 

Und noch einmal erwartete uns ein ziemlich steiler Anstieg… immer schön die Treppen hinauf.

 

 

 

 

 

 

Da kommt mein Wandersmann

… um wieder mit einer grandiosen Aussicht belohnt zu werden.

Grandiose Aussicht

Außerdem wehte hier oben tatsächlich ein wunderbar erfrischendes Lüftchen. Anders als weiter unten war es hier echt angenehm. Wir trafen die ersten und für heute einzigen Mitwanderer – ein sympathisches Pärchen in unserem Alter und ebenso schwitzend.  😀

Die Beiden waren wie wir heute Morgen in Perl gestartet und auf dem Weg nach Hellendorf. Wir tauschten erste Wander-Erfahrungen aus, schwatzten noch ein wenig, dann verabschiedeten sich die Beiden und stapften weiter. Wir auch, hoch über dem Moseltal.

Über dem Moseltal

Mir schmerzten inzwischen die Schultern ziemlich heftig. Ich konnte den Rucksack nicht mehr aushalten. Es war aber nicht das ungewohnte Gewicht. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Rucksack. Wir verlängerten noch einmal das Rückenteil, und ich probierte eine andere Einstellung der Gurte. Na bitte, geht doch, nun war es perfekt! Die Schmerzen verschwanden und tauchten auch nicht wieder auf.

Besinnspruch

 

Wir durchquerten einen Barfußpark, die s.g. „(Be) Sinnoase Perl“ und lasen sinnvolle Sprüche. Und kamen schließlich am höchsten Punkt der Etappe an. Die gemütliche Bank war meine!!

 

 

 

Meine Bank!!

Die Hitze war wirklich unglaublich, trotz des Windes waren wir nur am Schwitzen. Wir tranken und tranken und genossen noch einmal eine schöne Sicht hinunter auf Perl.

Letzte Aussicht auf Perl

Nun entfernten wir uns von der Mosel, um Richtung Saar zu laufen. Es konnte also erst einmal nur noch bergab gehen. Bevor wir weiter wanderten erneuerten wir erst einmal die Schicht Sonnencreme auf unseren Armen und Beinen. Hatte es doch in diesem Jahr noch keine Gelegenheit gegeben, unsere Haut an Sonne zu gewöhnen.

Weiter ging es auf schmalen offenen Wiesenwegen, und oft fiel es uns nicht ganz leicht, an den vielen gemütlichen Gelegenheiten zum Ausruhen vorbei zu laufen.  😀

Wiesenwege

Kurz hinter der Landstraße 407 fanden wir eine Sitzgruppe, nicht besonders gemütlich und ruhig schon gar nicht. Aber ich konnte nun wirklich nicht mehr laufen! Die Füße waren geschwollen von der Hitze, an einer Hacke deutete sich ein leichter Aufrieb an. Zeit, die Schuhe und Strümpfe auszuziehen und sich eine Mittagspause zu gönnen. Herrlich, das tat gut! Wir verspeisten die Brötchen, die uns die nette REWE-Verkäuferin eingepackt hatte. Ein Blick auf die Karte sagte uns, dass auch die folgenden Kilometer wenig Schatten zu bieten hatten… Ohhhhhhh… Aber da mussten wir nun durch. Ich versorgte meine Hacke mit einem Pflaster. Gestärkt, wenn auch nicht wirklich erfrischt, aber mutig zogen wir weiter.

Wir unterquerten die A8, die einzige lautere Stelle, an die ich mich erinnern kann.Unter der A8

Nun gab es keine Rettung mehr. Weite sonnige und gnadenlos heiße Abschnitte über Felder und Wiesen hatten wir zu bewältigen.

Thomas suchte einmal wieder nach einer Abkürzung, aber da gab es keine. Also nochmals eine dicke Schicht Sonnencreme auf die Schultern und die Nase, nochmals trinken und weiter… Leider ließen unsere Wasservorräte schon bedrohlich nach. Morgen müssen wir mehr Wasser mitnehmen! Naja, wir versuchten, dennoch ein wenig die schönen Fernsichten wahrzunehmen.   😀

Nie wieder laufenUnd so kamen wir bei Borg an. Ich fiel auf die Bank und wollte wirklich nicht mehr weiter laufen. Nein, nie wieder!!!!   😀

Wir überlegten, ob wir in Borg einkehren wollen. Aber das Risiko, einen Kilometer in den Ort laufen zu müssen und keine Einkehr zu finden, war uns zu groß. Bald würden wir ja zur Römischen Villa Borg kommen, und dort sollte es ein Restaurant bzw. Café geben. Und hier gab es auch eine klitzekleine Abkürzung, die wir auch nutzten. Kurz darauf jedoch wieder ausglichen, weil wir den Wiedereinstieg auf den Saar-Hunsrück-Steig nicht gleich fanden.

 

Über ein Bächlein

Wir überquerten ein Bächlein…

 

 

… und befanden uns im Wald. Endlich Schatten!!

… dachten wir… Aber hier, im Wald war es keinen Deut kühler. Eher im Gegenteil. Die Luft stand hier, und die Mücken fielen über uns her.

Na eigentlich eher nur über Thomas, der genervt um sich schlug.  😀

 

 

 

 

 

 

Endlich kamen wir an der Römischen Villa Borg an, wo wir auf ein erfrischendes Getränk hofften. Leider empfing uns jedoch außer brütender Hitze – nichts.

Villa Borg

Es war Montag, und Montag ist oft Ruhetag. So auch hier und heute. Man möge uns nachsehen, dass wir aber auch an einem anderen Wochentag keine Lust mehr gehabt hätten, uns mit römischer Geschichte zu beschäftigen und einfach nur etwas trinken wollten. Zu unserem Leidwesen hatten wir die aufgeheizte Villa-Anlage auch noch zu umrunden, in praller Sonne. Ehe wir nochmals in ein Waldstück eintauchen konnten. Hier sah es zum Sommerbeginn aus wie im Winter – der Boden war bedeckt voller Blüten, alles weiß!

Voller Blüten

Wir hatten nochmals 2 Kilometer in glühender Hitze vor uns. Wir verließen den Saar-Hunsrück-Steig, um zu unserer Unterkunft zu gelangen und nahmen von irgend woher immer wieder etwas Kraft.

Noch einmal ein langer Wiesenweg

Bis endlich endlich vor uns ein paar Dächer auftauchten. Das musste das Hotel Struppshof sein. Bitte!!

Jaaa, wir waren kurz vor Hellendorf, und da war unser Hotel.

Struppshof

Ein ehemaliger Bauernhof mit dickem Gemäuer. Die liebe sympathische Wirtin empfing uns verschwitzte Wesen herzlich mit Handschlag und führte uns in ein wunderbar kühles Zimmer. Selten hatte eine Dusche soooo gut getan! Aber auch unsere Klamotten hatten eine Wäsche nötig. Sie kamen gleich mit in die Dusche und dann auf die Leine – ein Stück Paketschnur, das Thomas glücklicherweise noch eingepackt hatte und das wir nun jeden Abend durch unser Zimmer spannten.

Dann gab es Abendessen – wieder trotz Ruhetag und extra für uns Vegetarier zubereitet – ein großer Salatteller. Auf unsere Bitte hin kochte die nette Wirtin auch noch ein paar Kartoffeln dazu. Wir waren echt stolz auf uns!! Knapp 18 Kilometer waren wir gewandert in dieser Hitze und mit ungewohntem Gepäck. Wir haben geschwitzt und geschimpft, und es hat riesigen Spaß gemacht!

Wir saßen noch eine Weile auf der Terrasse, wo wir fürsorglich mit Tee und Hefeweizen versorgt wurden und den nächsten Tag planten. Es waren noch höhere Temperaturen als heute voraus gesagt, um die 35°C. Wobei es uns bereits heute viel heißer vorgekommen war. Aber das würden wir nun auch schaffen. Zufrieden ließen wir uns in die komfortablen Betten – mit elektrisch verstellbaren Lattenrosten! fallen und schliefen bald ein.

Alle Fotos von unserer Wanderung im Fotoalbum.

Unsere Karte:

“Saar-Hunsrück-Steig” von PUBLICPRESS

Unsere elektronischen Unterstützungen:

www.saar-hunsrueck-steig.de und die kostenlose Saarland Touren-App

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10 Kommentare

  1. Hallo liebe Katrin, hallo lieber Thomas,
    da habt ihr auf eurer ersten Etappe der Sonnenglut widerstanden. Ihr habt mit Bravour euer Vorhaben verwirklicht. Am Ende der Etappe habt ihr trotz der Schinderei Lust auf die folgenden Abschnitte gehabt. Ihr habt das ganz toll gemacht.
    Sind denn die Wunden wieder verheilt? Ich denke, dass die Wunden zumindest bald vergessen sind.

    Ich schicke euch ganz liebe Grüße
    Frieder

    • Schönbuche

      Dankeschön, lieber Frieder! 🙂
      Es kam ja dann noch heißer, aber auch das haben wir gut geschafft. Der Spaß überwog eindeutig. Die Blase ist keine richtige geworden, dank der guten Versorgung. Wir würden gern sofort die nächste Tour starten.
      Viele liebe Grüße an euch zurück!
      Katrin

  2. Hallo liebe Katrin,

    ich gut verstehen dass ihr gern gleich wieder losziehen möchtet.
    Leider kann man nicht immer wandern gehen, auch wenn es noch so viel Spaß macht.

    VIele liebe Grüße
    von Frieder

  3. Liebe Katrin,

    Seeeehnsucht und wenn ich die Orchideen dort auf der Wiese sehe und die vielen Fernsichten. Hach neee.
    Ich kann mir so gut vorstellen, dass du da sofort wieder hin möchtest. Viel Wasser, trotz der Schlepperei ein wichtiges Detail beim Wandern 🙂

    Viele liebe Grüße
    Elke

    • Schönbuche

      Da hast du wohl Recht mit dem Wasser. 1,5 Liter waren bei der Hitze nicht genug und mussten gut eingeteilt werden. Am nächsten Tag hatten wir ja mehr dabei und dann noch eine Gelegenheit zum Auffüllen.
      Auf dem Hammelsberg habe ich tatsächlich an dich gedacht. Du hättest da sicher viele wunderschöne Fotos schießen können. 🙂
      Liebe Grüßle zurück
      von Katrin

  4. Liebe Katrin,
    mit Vergnügen lese ich deine Berichte und bin gespannt wie es weitergeht.
    LG Alfons

    • Schönbuche

      Hallo Alfons,
      ich freu mich, wenn du bei mir mit liest, dankeschön! 🙂
      Leider ist mein Notebook schon seit 1 Woche wiederholt in Reparatur, so dass ich mit dem Schreiben nicht so recht voran komme. Ich hoffe, ich kann bald von den nächsten Etappen berichten.
      Viele herzliche Grüße zurück
      von Katrin

  5. Danke für den schönen Bericht! Die Etappe kenne ich noch nicht…. kommt auf die Wunschliste!
    Gruß, Karin

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