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Bereits viele Male haben wir auf unseren Fahrten auf die Münsinger Alb die kleine Ortschaft Seeburg durchquert. Seeburg ist ein Ortsteil von Bad Urach, wunderschön gelegen im Ermstal, umgeben von hohen steilen Bergen und schroffen Felsen. Auffallend ist kurz vor dem Ortseingang auf der linken Seite ist eine hübsche Villa, malerisch eingebettet in die Felswände, mit einem schmucken, beinahe kitschigen parkähnlichen Garten davor – das Schlössle.

Schlössle Seeburg

Das ehemalige Privatsanatorium aus dem 19. Jahrhundert ist heute ein uriges Speisecafé mit alten Möbeln, originalen Einbauschränken und Vitrinen und Gebrauchsgegenständen der damaligen Zeit. Vor einigen Jahren hatte ich hier schon mal einen Kaffee getrunken. Der starke Durchgangsverkehr hat mich bisher jedoch davon abgehalten, hier einmal eine Wanderung zu planen. Nun wollte ich es doch probieren und fand mehrere Wandertouren in meinen Wanderbüchern und im Internet. Ich schlug eine Runde aus meinem Buch „Reutlinger und Uracher Alb. Wanderungen und Spaziergänge“ von Dieter Buck vor, die von

Seeburg nach Münsingen und über die Trailfinger Schlucht zurück nach Seeburg

führt. Und natürlich sollte als lohnender Abschluss die Einkehr im Schlössle vorgesehen sein.

An einem der ersten warmen und sonnigen Frühjahrtage setzten wir uns nach einem seeeehr frühen Frühstück ins Auto, erreichten rasch Bad Urach und kurz darauf Seeburg. Auf der linken Seite gibt es, direkt an der Hauptstraße einen Parkplatz, aber den übersahen wir irgendwie. Wir fanden einen weiteren Parkplatz etwas abseits, aber viel ruhiger gelegen an der SG Seeburg, im Trailfinger Weg, direkt an der Erms. Hier war es richtig schön. Doch wir wollten ja wandern. Also – Schuhe fest schnüren und los.

Die Sonne strahlte zum Herzerwärmen. Allerdings wehte ein kräftiger Wind, und für heute waren in einer Wetterwarnung sogar kräftige Windböen voraus gesagt. Dies sollten wir auch wirklich richtig zu spüren bekommen. Zunächst mussten wir jedoch erst einmal zur Durchgangsstraße, der B465 zurück, diese überqueren, und dann ging es in den Wald hinein.

Waldweg bei Seeburg

Schlössle von oben

 

Zunächst parallel zur Bundesstraße, und der Verkehrslärm verfolgte uns noch eine Weile. Durch die Bäume konnten wir auf die Bundesstraße blicken und erkannten auf der anderen Seite das Schlössle.

Zunehmend wurde es aber ruhiger.

Wanderweg nach oben

 

 

Wir schnauften uns gemütlich nach oben. Es ging teils knackig bergan. Am frühen Vormittag hat man ja noch genügend Reserven, und wir hatten gut gefrühstückt.  😀

Weiter oben wurde es immer friedlicher. Wir liefen durch lichten Wald, Sonnenstrahlen drangen durch die blattlosen Äste und Zweige und beleuchteten verwitternde bemooste Baumstämme.

 

 

 

Aus dem dichten braunen Laub vom letzten Herbst leuchteten die ersten bunten Frühjahrboten, überall blinzelten zarte Blüten hervor. Über einen weichen schmalen Weg und eine kleine Treppe erreichten wir den oberen Waldrand. Hier wurden wir von kräftigen Sonnenstrahlen und ebenso kräftigen Windstößen empfangen. Zeit für eine kurze Verschnaufpause, Trinken, Kleidung sortieren…

Kurze Pause

Weiter ging es über die Albhochfläche, Wiesen, brach liegend Felder, schöne weite Aussichten. Wir freuten uns, wieder einmal eine so schöne Tour gefunden zu haben.

Zwischen Seeburg und Rietheim

Schließlich erreichten wir Rietheim. Hier war es ganz schön laut, es wurde gebaut. Wir liefen an dem kleinen Rathaus und an der Kirche vorbei und wanderten auf einem Höhenweg aus den Ort hinaus, mit einem herrlichen Blick über die Alb. Wer hier auf einem Balkon seinen Morgenkaffee genießen kann, ist wirklich zu beneiden.   🙂

Oberhalb von Rietheim

Zeit für ein Vesper. Außerhalb von Rietheim fanden wir an einer Scheune eine Bank für eine längere Mittagspause. Inzwischen blies kräftig der Wind über die freien Flächen, und wir mussten aufpassen, dass uns die leeren Vesperbüchsen nicht von der Bank geweht wurden. Trotz Sonne wurde es uns rasch kühl. Thomas hatte wie immer heißen Tee dabei – auch im Frühjahr immer noch eine gute Idee.

Weiter ging es durch die Wiesen – leider über feste Wege, doch die schönen weiten Blicke taten gut und auch die Sonne im Gesicht. Heute sollten wir wirklich jede Menge davon abbekommen. Nun kamen wir der B465 wieder sehr nahe und überquerten sie dann auch auf einer Brücke. In Sicht- und Hörweite das Industriegebiet von Münsingen. Gut erkennbar das große gelbe M einer bekannten Fastfoodkette.. Laut war es hier, schnell weiter. Wir liefen einen festen Weg bergan, gesäumt von Obstbäumen. In 3 Wochen wird es hier in voller Pracht blühen.

Hornveilchen

Im Moment blühte es nur am Boden – überall Gänseblümchen und Hornveilchen.

Leider strapazierte der feste Untergrund immer noch unsere Füße. Dann endlich wieder ein Stück Wiesenweg – tat das den Füßen gut! In der Ferne konnten wir die ersten Häuser von Münsingen erkennen.

Kurz vor Münsingen

Die Route führte nun bis zum Ortsrand von Münsingen und dann in einem spitzen Links-Winkel wieder zurück Richtung Seeburg. Thomas schlug vor, diesen spitzen Winkel abzukürzen und quer über die Wiese zu dem Weg zu laufen, auf dem wir zurück kommen würden und den wir von unserer Position aus schon erkennen konnten. Ich hatte jedoch irgendwie den Ehrgeiz, die Tour komplett zu laufen. Im Nachinein hätten wir uns das jedoch sparen können. Uns erwarteten jetzt viele viele Wanderschritte auf festen Wegen bzw. einer kleinen Straße. Wir liefen am Schwimmbad und am Tennisplatz vorbei und die Straße immer weiter hoch. Und das lange lange lange…

Straße hinter Münsingen

Unsere Füße wurden immer immer schwerer, und nur die idyllische friedliche Landschaft neben und die zarten weißen Wölkchen über uns konnten in uns gerade noch so die Meinung aufrecht erhalten, dass dies doch eine lohnenswerte Wandertour sei.

und weiter auf der Straße

Naja… sooo würden wir sie nicht noch einmal laufen. Sicher gibt es hier schönere Wege? Dies ist allerdings tatsächlich ein markierter Wanderweg – das gelbe Dreieck begleitete uns schon seit Rietheim. Allerdings hatte dies hier nicht mehr wirklich etwas mit „Wandern“ zu tun. Dies war eine Strapaze! Folter!!   😀

Als wir den höchsten Punkt erreicht hatten, an dem es kurz darauf rechts ab Richtung Trailfinger Schlucht gehen soll, fanden wir endlich eine Bank. Unsere Füße benötigten dringend etwas Entspannung. Wir verspeisten unsere restlichen Brote und füllten unseren Wasserhaushalt auf. Noch etwas Erholung, dann ging es weiter. Nun wurde es wieder richtig schön. Es ging rechts ab zum Seeburg Talweg. Dieser führt durch die Trailfinger Schlucht, in die wir kurz darauf hinab stiegen. Nun erwartete uns ein ähnliches Bild wie vor 2 Wochen im Wolfstal – hohe Felsen links und rechts, Höhlen, mit Moos bewachsene Steine und Stämme und jede Menge Märzenbecher. Ein wirklich schönes Tal, und oft blieben wir stehen, um uns etwas anzusehen.

In diese Schlucht dringt natürlich kaum Sonne. Das war jedoch nicht schlimm, sie hatte sich ohnehin gerade, wie angekündigt hinter einer Wolkendecke verzogen. Die letzten Kilometer waren so richtig zum Genießen. Wir waren fast allein auf diesem ruhigen Weg. Nur ab und zu rauschte ein Radfahrer an uns vorbei. Dies scheint ein beliebter Radweg zu sein.

Nach diesem gemütlichen Spaziergang durch dieses romantische Tal erreichten wir die Ermsquelle – ein kleines eingezäuntes Wasserbecken.

Ermsquelle

Inzwischen war es Nachmittag. Wir kamen wieder in Seeburg an. Die Schlucht mündete in den Trailfinger Weg, wo unser Auto stand. Wir erkannten den Sportplatz, dahinter die hohen Felsen über Seeburg.

Seeburg

Die Sonne hatte sich komplett verzogen hinter einer dicken grauen Wolkendecke. Ein völlig anderer Anblick als heute Vormittag, als wir hier starteten! Zeit, uns bei einer Tasse Kaffee aufzuwärmen. Wir fuhren zum Schlössle, das heute gut besucht war, bestellten unseren Kaffee und dazu Apfelstrudel mit Vanillesoße – uuuuunglaublich lecker! Das musste sein, nachdem unsere Füße heute doch ganz schon was auszuhalten hatten.

Eine über große Strecken schöne Tour, stellten wir im Nachhinein fest. Ob wir sie wiederholen würden… ich denke nicht oder nur mit etwas veränderter Streckenführung bei Münsingen.

Quelle: „Reutlinger und Uracher Alb. Wanderungen und Spaziergänge“, Dieter Buck, Tour 27 „Seeburg, Münsingen und Trailfinger Schlucht“

Länge: 11,5 km, 500 Höhenmeter

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4 Kommentare

  1. Hallo ihr Beiden,
    wie schön, ihr seid nach Münsingen gewandert. :-). Von da, wo ihr nahe der Uracher Straße Münsingen berührt habt, sind es vielleicht noch 500 Meter bis dahin, wo ich früher mal gearbeitet habe.
    Das Seeburger Tal, Rietheim, Trailfingen, das alles kenne ich recht gut.
    Abgesehen von den die Füße strapazierenden Wegen habt ihr einen schöne Wanderung gemacht.

    Viele liebe Grüße
    von Frieder

    • Schönbuche

      Lieber Frieder,
      dann kennst du die Gegend ja ganz gut. Ist schön da. 🙂
      Nun macht der Frühling gerade eine Pause, aber am Wochenende wirds wieder schön, wenn wir hoffentlich mit Roland wandern werden.
      Dir viele ganz liebe Grüße, wir sind in Gedanken bei dir!!
      Katrin

  2. Hallo Katrin, habe endlich mal wieder auf deine Seite gekuckt. bist du wieder voll ok? Bin derzeit wieder heftig unterwegs. Die beiden Märztouren sehen ja besonders interessant aus. Morgen zeitig gehts bei mir ab Rutesheim weiter. Wie sehts bei euch Mitte bis Ende Mai aus für gemeinsam ein Tag? Würde mich freuen! Für heute und morgen noch frohe Ostern! Bis bald mal? Liebe Grüße, Roland

  3. Hallo Katrin,
    da habt Ihr ja ganz schön Asphalt km hinter Euch gebracht – das macht nicht wirklich so viel Spaß – aber schön mit dem Abschluß in der Trailfinger Schlucht – die sieht ja wirklich sehr gut aus – vielleicht kann man die ja in eine andere Tour/ Runde einbauen 🙂

    Liebe Grüße Angelika

  4. Pingback: Auf den Spuren von Katrin und Thomas | Neues aus meiner kleinen Welt

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